Fußball

"Not to the fucking White House" US-Kapitänin schimpft, Trump ätzt zurück

Die US-Frauen liegen bei der Fußball-Weltmeisterschaft aussichtsreich im Rennen um den Titel. Kapitänin Megan Rapinoe beschäftigt sich schon mit der Zeit nach dem möglichen WM-Sieg. Das führt zu wilden Reaktionen des US-Präsidenten.

Megan Rapinoe, Spielführerin des US-Frauenfußball- Nationalteams, hat überhaupt keine Lust auf einen Besuch bei Präsident Donald Trump im Weißen Haus. Das machte sie in einem am Dienstagabend veröffentlichten Video-Interviewausschnitt des US-Fußballmagazins "Eight By Eight" mit drastischen Worten deutlich: "I'm not going to the fucking White House" (deutsch: "Ich werde nicht in das beschissene Weiße Haus gehen"), sagte sie auf die Frage, ob sie sich nach einem möglichen Gewinn des WM-Titels über eine Einladung des US-Präsidenten freuen würde.

Ohnehin habe sie Zweifel, dass die Mannschaft im Fall eines Titelgewinns eingeladen werde, fügte die 33-Jährige hinzu. In der zuvor erschienenen Print-Ausgabe des Magazins hatte sie den Grund dafür genannt: Trump versuche zu verhindern, dass Teams eingeladen würden, die ihn ablehnten.

Eine Reaktion des US-Präsidenten ließ dann nicht lange auf sich warten: Am Nachmittag meldete sich Trump via Twitter. "Sie sollte nicht respektlos gegenüber unserem Land, dem Weißen Haus oder unserer Flagge sein, zumal so viel für sie und ihre Mannschaft getan worden ist", schrieb Trump. Rapinoe solle "erst mal GEWINNEN, dann REDEN", und ihre Arbeit erledigen. "Bisher habe ich sie oder die Mannschaft nicht eingeladen - jetzt tue ich es, ob Sieg oder Niederlage", antwortete Trump.

Trump behauptete in seinen Tweets, Sport-Mannschaften liebten es, ins Weiße Haus zu kommen. Es gibt jedoch Gegenbeispiele: Die Basketballer der Golden State Warriors verzichteten nach dem NBA-Titel 2018 auf einen Besuch. Die Football-Champions der Philadelphia Eagles wurden von Trump nach einer Hymnen-Kontroverse ausgeladen.

Solidarität mit Football-Star

Die Offensivspielerin, die das US-Team am Montag beim 2:1 über Spanien mit zwei Elfmetern ins WM-Viertelfinale geschossen hatte, bezieht immer wieder politisch Stellung und macht sich damit nicht nur Freunde. Im September 2016 hatte sich Rapinoe als eine der ersten weißen Sportlerinnen dem Protest des Footballers Colin Kaepernick angeschlossen, der sich aus Protest gegen Polizeigewalt und rassistische Diskriminierung bei der US-Nationalhymne hingekniet hatte.

Inzwischen hat der US-Fußballverband seinen Spielerinnen diese Geste verboten. Rapinoe singt die Hymne jedoch nicht mit und steht mit den Armen hinter dem Rücken da, statt die rechte Hand auf das Herz zu legen, wie es sonst bei US-Sportlern üblich ist. Rapinoe ist eine Vorkämpferin für eine gleiche Bezahlung von Fußballerinnen, sie hat mit anderen Nationalspielerinnen deswegen den US-Verband verklagt. Im Juni 2018 posierte sie mit ihrer Lebensgefährtin, der Basketballspielerin Sue Bird, als erstes gleichgeschlechtliches Paar nackt auf dem Cover der "Body Issue" des US-Sportmagazins "ESPN".

Quelle: ntv.de, ter/sid