Wirtschaft

Abschied von Top-Managern Banken durchfilzen ihre Devisenabteilungen

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Etliche Banken durchleuchten derzeit ihre Devisenabteilungen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Handel mit Devisen zieht seit einiger Zeit das Interesse der Aufsichtsbehörden auf sich. Nun schalten die Ermittler nochmals einen Gang hoch. Und etliche Geldhäuser trennen sich von Mitarbeitern - mitunter trifft es die erste Reihe.

Die Aufarbeitung der möglichen Manipulation von Devisenkursen durch Banken gewinnt nochmals an Schwung. Gleich bei mehreren Banken wurden Devisenhändler vor die Tür gesetzt oder gingen selbst. Zudem verstärkten die amerikanischen Behörden ihren Druck. Mehr als ein Dutzend Geldhäuser wurden aufgefordert, Dokumente bei der Finanzdienstleistungsaufsicht des Bundesstaates New York einzureichen.

Bereits am Morgen war bekannt geworden, dass die Deutsche Bank wegen des Skandals um mögliche Wechselkursmanipulationen drei Devisenhändler vor die Tür gesetzt hat. Die Mitarbeiter, die in New York gearbeitet hatten, waren vor kurzem bereits suspendiert worden.

Teils langjährige Mitarbeiter entlassen

Am Nachmittag folgte dann der Chef der Devisenmarktabteilung bei der Citigroup. Das Institut wird den hochrangigsten Banker in diesem Geschäft verabschieden. Seit 28 Jahren ist der Manager bei der Citigroup, seit 7 Jahren leitet er das Devisengeschäft. Nun heißt es in einem internen Memo, der Betroffene werde sich "anderen Interessen" widmen. Der Manager war für eine Erklärung zu seinem Abgang nicht zu erreichen. Aus Kreisen hieß es, mit den laufenden Ermittlungen der Behörden habe sein Ausscheiden nichts zu tun.

Am frühen Abend traf es dann Goldman Sachs. Der Partner und Chef des Devisenhandels bei der Investmentbank steht vor seinem Ausscheiden, wie ein Informant berichtete. Auf telefonische Nachfrage wollte dieser nicht sagen, in welchem Beschäftigungsverhältnis er sich aktuell bei Goldman befindet oder welche Karrierepläne er hat. Auch er war langjährig bei seinem Arbeitgeber beschäftigt. Bei Goldman war es der erste Abgang eines hochrangigen Händlers im Devisenmarktbereich, seit der Verdacht von Manipulationen vergangenen Herbst aufgekommen war.

Die Aufsichtsbehörden gehen weltweit dem konkreten Verdacht nach, dass Banker bei den viel beachteten Referenzkursen für Währungen getrickst haben könnten. Mehr als ein Dutzend große Banken wurden deshalb um Auskünfte gebeten. Mehrere Finanzinstitute hatten als Reaktion auf die Ermittlungen bereits vor einigen Monaten insgesamt mehr als ein Dutzend Mitarbeiter suspendiert oder entlassen.

New York schließt sich Ermittlungen an

Den Ermittlungen der Behörden weltweit schloss sich am Mittwoch der Bundesstaat New York an. Der dortige Finanzmarktregulierer forderte mehr als Dutzend Banken auf, Dokumente über ihre Praktiken im Devisenhandel offenzulegen. In einem Brief forderte der Chef der Aufsicht, Benjamin Lawsky, die Banken Goldman Sachs, Deutsche Bank, Credit Suisse und weitere auf, Unterlagen auszuhändigen. Goldman und Credit Suisse wollten dies nicht kommentieren, bei der Deutschen Bank in den USA war niemand zu erreichen.

Laut einem Informanten hat Lawsky seine eigenen Ermittlungen aufgenommen, weil auch andere Behörden weltweit dem Verdacht auf Manipulationen am Devisenmarkt nachgehen.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ