Wirtschaft
Da kann man sich nur an den Kopf fassen: immer wieder kommt es zu Computerpannen an den Finanzmärkten.
Da kann man sich nur an den Kopf fassen: immer wieder kommt es zu Computerpannen an den Finanzmärkten.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 21. August 2013

Goldman Sachs versetzt Börse in Aufruhr: Panne erschüttert US-Optionshandel

Elektronische Systeme bestimmen den Handel an den weltweiten Finanzmärkten. Das ist allerdings alles andere als risikolos, wie immer neue Pannen zeigen. Das diese nicht billig sind, beweist ein neuer Zwischenfall bei Goldman Sachs.

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat durch eine technische Panne erheblichen Wirbel im Handel mit Optionen ausgelöst. Versehentlich wurde am Dienstag nach Börsenstart eine große Menge von Optionsgeschäften getätigt, die einige Kurse massiv drückten, wie Börsenbetreiber mitteilten. Sie betrafen Optionen auf Aktien, deren Börsensymbole mit den Buchstaben H bis L beginnen.

Die fehlerhaften Aufträge könnten für Goldman ziemlich teuer werden. Die Bank selbst teilte lediglich mit, dass dem Unternehmen kein großer Verlust drohe und lehnte eine weitere Stellungnahme ab.

Allerdings könnte die Panne auf Änderungen an der eigenen Software am Montag zurückzuführen sein. Informanten zufolge werden mit dem Softwareprogramm Interessensbekundungen von Kunden für den Kauf und Verkauf von Optionen aufgenommen. Versehentlich habe das System aber das Interesse der Kunden als tatsächliche Aufträge in den Handel zu einem völlig falschen Preis gegeben. In einigen Fällen habe der Preis sogar erheblich unter denen des Marktpreises gelegen.

Verlust in dreistelliger Millionenhöhe droht

Eine mit den Problemen vertraute Person, die nicht namentlich genannt werden wollte, führte die fehlerhaften Aufträge auf eine Computerpanne zurück. Diese habe dazu geführt, dass bloße Interessensbekundungen an den Optionen irrtümlich als Orders an die Handelsplätze versandt worden seien. Möglicherweise drohe Goldman ein Verlust von mehreren Hundert Millionen Dollar. Noch sei jedoch völlig unklar, wie viele Geschäfte betroffen seien. Branchenexperten zufolge handelte es sich unter anderem um Optionen auf Blue Chips wie Johnson & Johnson, JP Morgan Chase und Kellogg.

Große Derivatebörsen der Betreiber CBOE, Nasdaq OMX und Nyse Euronext erklärten, die Geschäfte zu überprüfen. Die Handelsplätze können rückwirkend Geschäfte annullieren oder die Preise anpassen, falls sie versehentlich ausgeführt wurden.

Kein Einzelfall

Pannen beeinflussen immer wieder das Marktgeschehen. Im April legten zum Beispiel ein Software-Probleme die Derivate-Börse CBOE aus Chicago für einen halben Tag lahm. Im Sommer 2012 sorgte der US-Aktienhändler Knight Capital für Schlagzeilen. Knight-Rechner hatten damals unbeabsichtigt den Markt mit Orders geflutet und für Chaos gesorgt. Dem Unternehmen entstand ein Verlust von 440 Millionen Dollar. Das Handelshaus stand dadurch vor dem Kollaps, musste von mehreren Investoren gerettet werden. Mittlerweile ist es vom Makler Getco übernommen worden.

In Erinnerung ist an der Wall Street zudem noch der sogenannte Flash Crash aus dem Jahr 2010. Damals fiel der Kurs des Standardwerte-Index Dow Jones binnen Minuten um rund 1000 Punkte. Hier lösten Computerprogramme von Hochfrequenz-Händlern eine Verkaufskaskade aus, während deren der Preis für einige Aktien auf null Dollar fiel. Nach etwa einer halben Stunde war der Spuk vorbei - und der Dow fast wieder dort, wo er vor seinem Absturz gelegen hatte. Der Skandal hat die Turbohändler ins Visier der Regulierer gebracht, die die Daumenschrauben angezogen haben.

Immer abhängiger von Computern

Der neue Fall unterstreicht einmal mehr die zunehmende Abhängigkeit der Börsen von Computer-Programmen. Beim Hochfrequenzhandel kaufen oder verkaufen Computer selbsttätig binnen Sekundenbruchteilen Aktien und andere Wertpapiere. In den USA gehen mittlerweile etwa 70 Prozent der Börsenumsätze auf Turbo-Händler zurück, in Deutschland sind es etwa 40 Prozent.

Hinzu kommen regelmäßig Manipulationen. Der Handelsskandal um den so genannten "Wal von London" brockte etwa der US-Großbank JPMorgan einen Verlust von satten 6,2 Milliarden Dollar ein. Der Händler aus der britischen Finanzmetropole, der seinen Spitznamen wegen riesiger Derivate-Positionen bekam, hat der Bank auch einen enormen Imageverlust eingebracht. Außerdem sollen Händler zahlreicher global agierender Geldhäuser den Interbanken-Zinssatz Libor manipuliert haben, auf dem unzählige Finanzgeschäfte beruhen.

Quelle: n-tv.de