Panorama
Mit unorthodoxen Methoden kann die Lücke im Deich endlich geschlossen werden.
Mit unorthodoxen Methoden kann die Lücke im Deich endlich geschlossen werden.(Foto: dpa)

Flutkosten engen Finanzspielräume ein: Deich bei Fischbeck dicht

In den Hochwassergebieten Deutschlands stehen die Zeichen auf Entspannung. Während vielerorts schon aufgeräumt wird, gehen bei Fischbeck die Arbeiten am gebrochenen Elbdeich weiter. Die spektakuläre Abdichtung mit drei versenkten Schiffen war erfolgreich.

Video

Nach tagelangem Kampf ist das gewaltige Loch im Deich bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt wieder nahezu dicht. Die noch verbliebene kleine Lücke an der mehr als 60 Meter breiten Bruchstelle will die Bundeswehr mit großen Betonröhren und Sandsäcken verschließen, wie eine Sprecherin des Krisenstabes der Landesregierung in Magdeburg sagte.

Am Wochenende waren bereits drei Schiffe vor dem gebrochenen Deich versenkt worden, um die ausströmenden Wassermassen einzudämmen. Dadurch verkleinerte sich laut Krisenstab die Fläche des überfluteten Gebietes binnen 24 Stunden um 5 auf 145 Quadratkilometer.

Hinter dem gebrochenen Deich waren in den vergangenen Tagen viele Dörfer evakuiert worden. Sonntagabend wurden die Einwohner von zwei weiteren Ortschaften aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Es bestand die Gefahr, dass die Dörfer Garz und Warnau vom Wasser eingeschlossen werden, teilte der Krisenstab mit.

Flut treibt Neuverschuldung

Bundeskanzlerin Angela Merkel räumte unterdessen erstmals ein, dass die Flut den finanziellen Spielraum der nächsten Bundesregierung einengen könnte. Mit Blick auf die geplante Anleihe von bis zu acht Milliarden Euro, mit der Bund und Länder je zur Hälfte die Flutschäden bewältigen wollen, sagte Merkel im Gespräch mit RTL. "Das bedeutet schon, dass unsere Neuverschuldung wächst. Das wird unsere Spielräume sicher noch einmal verkleinern, was können wir uns darüber hinaus noch leisten." Ähnlich hatte sich Bundsfinanzminister Wolfgang Schäuble am Wochenende mit Blick auf versprochene Sozial- und Familienausgaben im geplanten Unions-Wahlprogramm geäußert.

Merkel lehnte erneut die Forderung nach Steuererhöhungen ab. "Angesichts der Hilfsbereitschaft der Bevölkerung, der vielen Solidarität wäre es ganz falsch, jetzt die Steuern zu erhöhen." Zudem wolle sie sicherstellen, dass die Rückzahlung der Anleihe mit sehr klaren Konditionen verbunden werde. "Innerhalb eines Jahrzehnts werden wir das schaffen, wenn man den Willen hat",

Das große Aufräumen

Die Lage in den Hochwassergebieten in Brandenburg und in Norddeutschland entspannte sich unterdessen weiter. Der Elbe-Pegel in der Prignitz bei Wittenberge sinkt weiter. Der Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern hob am Mittag den Katastrophenalarm auf. In den niedersächsischen Elbe-Anrainerkreisen war dies bereits am Wochenende geschehen.

Vielerorts sollten am Dienstag die Schulen nach tagelangen Schließungen wieder öffnen. Sie waren als Unterkünfte für die Tausenden Helfer benötigt worden. Die Sicherungsarbeiten an den Deichen gingen aber noch weiter, da die Wasserstände immer noch hoch waren.

In Lauenburg in Schleswig-Holstein transportieren Helfer Sandsäcke ab, nach und nach soll auch der Strom wieder angestellt werden. Im Lauf des Tages sollen große Abfallcontainer in der Altstadt bereit stehen, darunter auch solche für Sonderabfälle wie verdorbene Lebensmittel oder Parkettreste. Der Katastrophenalarm bleibt zunächst aber bestehen.

In Brandenburg warnte das Koordinierungszentrum Krisenmanagement in Potsdam anhaltende Gefahr für die Deiche durch Treibgut auf der Elbe. Ganze Baumstämme würden von der Flut mitgerissen und könnten die Deiche ernsthaft beschädigen, hieß es im Krisenstab.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen