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Kriminalitätsstatistik 2015: Begehen Ausländer mehr Straftaten?

Mehr Wohnungseinbrüche, mehr Diebstahldelikte: Eine Statistik belegt einen Anstieg der Kriminalität im Jahr 2015. Thomas Bliesener, Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts, erklärt im Interview, wie der Zuwachs zu erklären ist und was das alles mit den Flüchtlingen zu tun hat.

n-tv.de: Die Kriminalitätsstatistik 2015 zeigt: Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist zum Vorjahr um zehn Prozent gestiegen, auf mehr als 167.000. Woran liegt das?

Thomas Bliesener ist Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts.
Thomas Bliesener ist Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts.(Foto: picture alliance / dpa)

Thomas Bliesener: Wohnungen sind ein immer attraktiveres Ziel. Sie sind nach wie vor relativ schlecht gesichert. Es gibt eine hohe Zahl von Ein-Personen-Haushalten, in denen tagsüber niemand anwesend ist. Ein weiterer Grund ist, dass wir aufgrund der technischen Entwicklung heute zunehmend eine Ausstattung mit hochwertigen Konsumgütern haben, die klein und leicht zu bewegen sind.

Können Sie ein paar Beispiele nennen?

Vor 20 Jahren war es schwieriger einen großen Röhrenfernseher aus einer Wohnung zu schleppen als heute Smartphone oder Tablett. Auch kleine, aber teure Fotoapparate gehören inzwischen zur Standardausstattung. Insgesamt geht der Trend der Technik zu Kleinheit und Kompaktheit. Das nutzen auch Einbrecher aus.

Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Niedersachsen verzeichnen besonders starke Zuwächse bei den Wohnungseinbrüchen von bis zu 20 Prozent im Vergleich zu 2014. Warum?

Das kann ich nicht sagen, dafür gibt es keine einfachen Erklärungen.

2015 gab es mehr Wohnungseinbrüche, mehr Diebstahldelikte, mehr Straftaten insgesamt. Hat der Anstieg etwas mit Flüchtlingen zu tun?

Absolut, sicherlich. Wenn wir mehr Menschen in Deutschland haben, gibt es auch mehr potentielle Straftaten und Straftäter. Das ist unumstritten. Für die Gefährdung des einzelnen ist die absolute Zahl aber nicht so relevant. In meinem Alltag hab ich ja immer nur mit einer bestimmten Anzahl von Menschen zu tun. Unter denen hat sich die Zahl der potenziellen Straftäter nicht erhöht. Wir müssen uns immer auf die relativen Zahlen beziehen, auf die sogenannten Häufigkeitszahlen – und da sind die Anstiege nicht gravierend.

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Begehen Ausländer mehr Straftaten als Deutsche?

Da muss man unterscheiden. Es gibt einzelne Delikte, die tatsächlich häufiger von Ausländern begangen werden. Das sind zum Beispiel Kfz-Diebstahls- und Kfz-Einbruch-Diebstahlsdelikte. Auch Taschendiebstähle werden häufiger von Ausländern begangen. Aber es gibt natürlich auch Delikte, die nur von Ausländern begangen werden können, zum Beispiel Verstöße gegen aufenthaltsrechtliche Bestimmungen.

Welche Nationalitäten sind besonders auffällig?

Wir wissen relativ wenig über die Täter, da die Aufklärungsquoten etwa beim Einbruchdiebstahl weit unter 20 Prozent liegen. Von den wenigen Fällen auf die Gesamtheit zu schließen ist problematisch. Die Polizei erfasst standardmäßig, ob jemand einen deutschen Pass hat oder nicht, über einzelne Nationalitäten ist damit wenig bekannt. Die Ergebnisse von Sondererfassungen in verschiedenen Regionen sind dagegen nicht sehr einheitlich.

Was raten Sie Menschen, die sich besser gegen Einbrüche schützen wollen?

Man kann sich von der Polizei über technische Möglichkeiten beraten lassen, um ein Haus besser zu schützen. Es gibt Verriegelungsanlagen und Sicherungen von Fenstern, Terrassen- und Balkontüren durch spezielle Beschläge, die sich schwieriger aufhebeln lassen. Auch eine gute Nachbarschaft ist wichtig. Aus Untersuchungen wissen wir, dass aufmerksame Nachbarn eine abschreckende Wirkung auf Einbrecher haben. Im Vorfeld eines Einbruchs findet häufig ein Ausbaldowern statt. Wenn die Täter von Nachbarn gefragt werden "Zu wem wollen Sie denn? Kann man Ihnen helfen?", lassen sie eher ab von einem Ziel.

Heißt das, dass Großstädte mit anonymeren Nachbarschaften anfälliger sind als kleine Städte oder ländlichere Regionen, wo man die Nachbarn eher kennt?

Tendenziell ja. Aber auch auf dem Land gibt es alleinliegende Häuser, wo die Beaufsichtigung durch die Dorfgemeinschaft nicht immer gegeben ist.

Es gibt diesen alten Tipp. Licht anlassen, wenn man die Wohnung oder das Haus verlässt. Sinnvoll?

Ja, das ist hilfreich. Das gilt für alles, das den Anschein vermeidet, dass das Haus leer steht oder die Bewohner nicht anwesend sind. In Urlaubszeiten sollte man deshalb lieber Nachbarn bitten, abends die Jalousien runter zu lassen und den Briefkasten zu leeren. Sonst ist schnell ersichtlich, dass niemand da ist und ein Haus oder eine Wohnung schon seit Tagen leer steht.

Mit Thomas Bliesener sprach Christian Rothenberg

Quelle: n-tv.de

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