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Peschmerga-Kämpfer beteiligen sich an dem Vormarsch auf Mossul - einige von ihnen wurden von der Bundeswehr ausgebildet.
Peschmerga-Kämpfer beteiligen sich an dem Vormarsch auf Mossul - einige von ihnen wurden von der Bundeswehr ausgebildet.(Foto: REUTERS)
Montag, 17. Oktober 2016

Bundeswehr-Ausbildung und Waffen: Kurden kämpfen mit Berlins Hilfe in Mossul

An der Offensive auf die letzte IS-Hochburg im Irak sind auch von der Bundeswehr ausgebildete Milizen beteiligt. Zudem kommen in Mossul Waffen aus Lieferungen an die Peschmerga zum Einsatz. Nicht zum Einsatz kommt die Türkei - obwohl sie gern würde.

Bei der Offensive zur Rückeroberung der irakischen Großstadt Mossul kommen auch von der Bundeswehr ausgebildete Peschmerga-Kämpfer sowie von Deutschland gelieferte Waffen zum Einsatz. Im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat hatten Bundeswehrsoldaten im September 2014 in der nordirakischen Stadt Erbil begonnen, bisher insgesamt 11.000 Menschen im Umgang mit deutschem Kriegsgerät auszubilden. Am Sturm auf Mossul beteiligen sich bis zu 4000 Peschmerga-Kämpfer.

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Nach derzeitigem Mandat dürfen bis zu 150 Bundeswehrsoldaten im Nordirak Streitkräfte der kurdischen Regionalkräfte sowie der irakischen Armee ausbilden. Neben den Schulungen in Erbil wurden einige Peschmerga zusätzlich in Deutschland trainiert, wo auch im Kampf verletzte Kurden behandelt wurden. Außerdem liefern "Tornado"-Aufklärungsflugzeuge der Bundeswehr Daten für die Militäroperationen gegen den IS im Irak.

Panzerabwehrraketen und Sturmgewehre

Neben "Milan"-Panzerabwehrraketen und Panzerfäusten lieferte Deutschland mehrere tausend Sturmgewehre vom Typ G36 und P1-Pistolen sowie mehrere Millionen Schuss Munition in den Irak. Des Weiteren erhielten die Peschmerga gepanzerte "Dingo"-Truppentransporter, Funkgeräte, Nachtsichtgeräte und Zelte. Bis Anfang Oktober gelangte so deutsches Kriegsgerät im Umfang von mehr als 2200 Tonnen in den Irak. Nach Angaben des Ministeriums sind wegen der Offensive in und um Mossul zunächst keine weiteren Waffenlieferungen geplant.

Irakische Militärverbände hatten am Morgen die womöglich entscheidende Großoffensive im Kampf gegen den IS gestartet. Die Regierungstruppen und ihre Verbündeten rückten auf Mossul vor, um die letzte Hochburg der Extremisten in dem Land zurückzuerobern. Unterstützung erhält das Bündnis von Kampfflugzeugen der US-geführten Anti-IS-Koalition. Es wird mit wochenlangen Kämpfen gerechnet. Die Uno und Hilfsorganisationen warnten vor einer humanitären Katastrophe.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sprach von einem möglichen "Wendepunkt im Kampf gegen den IS im Irak". Die Offensive sei aber eine "sehr komplexe Herausforderung". Nach US-Angaben befinden sich bis zu 4500 IS-Kämpfer in und um Mossul. Es wird befürchtet, dass die Extremisten in der ganzen Stadt Minen deponiert haben. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen rechnet mit einem langen Kampf um Mossul. "Es wird ein schwerer Kampf werden, den IS aus Mossul zu vertreiben", sagte sie bei einer Bundeswehrtagung in Berlin. Ziel sei es, das Leiden der Menschen in der zweitgrößten irakischen Stadt zu beenden und durch einen Erfolg in Mossul die staatliche Einheit des Landes zu stärken.

Türkei beharrt auf Teilnahme

Auch die USA rechnen nicht mit einem schnellen Erfolg. Die Rückeroberung werde Wochen oder "womöglich länger" dauern, erklärte der für den Kampf gegen den IS in Syrien und im Irak zuständige General Stephen Townsend. US-Verteidigungsminister Ashton Carter hob hervor, der Einsatz sei ein "entscheidender Moment", um der IS-Miliz eine bleibende Niederlage beizubringen. "Die Zeit des Sieges ist gekommen, und die Operationen zur Befreiung von Mossul haben begonnen", sagte der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi im Staatsfernsehen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bestand derweil auf einer Teilnahme von Truppen des Landes an der Offensive. "Wir werden bei der Operation dabei sein, wir werden am Tisch sitzen, es ist nicht möglich, dass wir außen vor bleiben", sagte er bei einer Rede auf dem internationalen Juristenkongress in Istanbul. Zugleich warnte er: "Wir sind nicht verantwortlich für mögliche Konsequenzen einer Operation, an der die Türkei nicht teilnimmt." Die Türkei hat gegen den Willen der irakischen Regierung in Baschika nahe Mossul Soldaten stationiert. Sie bilden dort Peschmerga und sunnitische Milizen aus.

Nachdem die Regierungstruppen die sunnitische Extremistengruppe aus Städten wie Ramadi, Falludscha und Tikrit vertrieben haben, ist Mossul die letzte große Stadt im Irak, die noch vom IS kontrolliert wird. Die Stadt am Tigris ist von großer strategischer Bedeutung, vor allem wegen der umliegenden Ölfelder und Raffinerien. Brisant ist die Frage, wer nach dem Ende der IS-Herrschaft die Kontrolle übernimmt, die sowohl von Kurden als auch von der Zentralregierung in Bagdad beansprucht wird.

Quelle: n-tv.de

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