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Der Sozialist und die Konservative duzen sich. Die deutsch-französische Freundschaft macht's möglich.
Der Sozialist und die Konservative duzen sich. Die deutsch-französische Freundschaft macht's möglich.(Foto: dapd)

Deutsch-französische Freundschaft: Merkel bietet Hollande "Du" an

Die deutsch-französische Freundschaft hat schon einige Bundeskanzler und Präsidenten zusammengebracht, die eigentlich gar nicht zusammenpassten. Das aktuelle Paar ist jetzt beim Du gelandet. Dass die Chemie zwischen ihnen stimme, sei "unser bestgehütetes Geheimnis", so Merkel.

Pünktlich zum 50-jährigen Bestehen des Élysée-Vertrags sind Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande nun auch Duzfreunde. Die CDU-Vorsitzende bot dem gleichaltrigen Sozialisten - beide sind 58 - am Montagabend bei einem Essen im Berliner Restaurant Lutter & Wegner das "Du" an.

Hollande nahm sofort an. Bei einer Pressekonferenz am folgenden Tag im Kanzleramt leitete Merkel dann bereits in der neuen, vertraulichen Anrede weiter: "Du hast das Wort." Seit längerer Zeit reden sich die beiden schon mit Vornamen an. Hollande sagt "Ooonschela".

Angesichts der Berichte über angeblich immer noch unterkühlte Beziehungen sagte Merkel: "Es ist ja vielleicht unser bestgehütetes Geheimnis, dass die Chemie stimmt." Der französische Präsident fügte hinzu: "Der Strom zwischen uns fließt, ohne dass es dazu Elektrizität braucht." Merkel hatte sich vergangenes Jahr für eine Wiederwahl von Hollandes konservativem Vorgänger Nicolas Sarkozy stark gemacht. Der Sozialist setzte sich dann aber bei der Wahl im Mai klar durch.

Merkel will Französisch lernen

Am Montag hatte Merkel bei einem Treffen mit Jugendlichen gesagt, sie würde später gern Französisch lernen. Sie sei ein wenig neidisch, dass sich die junge Leute untereinander französisch oder deutsch verständigen könnten. "Ich würde das vielleicht gern einmal lernen, wenn ich nicht mehr so viel zu tun habe wie jetzt", sagte die Kanzlerin.

Höhepunkt der deutsch-französischen Feierlichkeiten in Berlin ist eine gemeinsame Sitzung von Bundestag und französischer Nationalversammlung im Reichstag. Am Morgen war Merkel von Hollande in der französischen Botschaft am Pariser Platz am Brandenburger Tor empfangen worden. Anschließend begrüßte Bundespräsident Joachim Gauck den Franzosen mit militärischen Ehren im Schloss Bellevue.

Freundschaft wird noch ausgebaut

Der Elysee-Vertrag ist die Grundlage der deutsch-französischen Beziehungen. Er regelt unter anderem die regelmäßig stattfindenden Regierungskonsultationen. Merkel und Hollande vereinbarten, die Zusammenarbeit der beiden Länder weiter voranzutreiben. Bis Mai wollen beide Regierungen gemeinsame Vorschläge für eine tiefere wirtschaftspolitische Kooperation in Europa vorlegen.

Beide Seiten seien sich der großen Verantwortung bewusst, die Situation in Europa zu verbessern und die Schuldenkrise im Euroraum zu überwinden, sagte Merkel. Die Vorschläge sollen auf dem EU-Gipfel im Juni beraten werden.

Hollande sagte: "Es gilt, Europa Vertrauen in seine Zukunft zu vermitteln." Konkret vereinbart wurde die Einsetzung einer Beratergruppe für mehr Wettbewerbsfähigkeit, der Vertreter von Arbeitgebern und Gewerkschaften angehören sollen.

Zudem soll das Budget des Deutsch-Französischen Jugendwerks um zwei Millionen Euro aufgestockt werden. Ziel ist vor allem, junge Menschen stärker anzusprechen, die aus eher bildungsfernen Schichten kämen. In Bordeaux soll ein deutsch- französisches Berufsgymnasium eingerichtet werden. In Kehl, der Nachbarstadt von Straßburg, soll sich eine neue Stelle um die Vermittlung von Arbeitsplätzen in der Grenzregion kümmern.

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Quelle: n-tv.de

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