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Trump reagiert auf die Vorwürfe: "Falschinformationen - eine totale politische Hexenjagd."
Trump reagiert auf die Vorwürfe: "Falschinformationen - eine totale politische Hexenjagd."(Foto: AP)

Kreml dementiert Sexfallen: Moskau soll heikles Trump-Material besitzen

Donald Trump fährt bislang einen wohlwollenden Kurs gegenüber Moskau. Nun warnen US-Geheimdienste vor Material aus Russland, das ihn erpressbar machen könnte. Trump spricht von einer "Hexenjagd" und der Kreml dementiert.

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Zehn Tage vor der Amtseinführung von Donald Trump sind angeblich brisante Informationen über das Privatleben und die Finanzen des Immobilienmilliardärs an die Öffentlichkeit gelangt, mit denen Moskau den künftigen US-Präsidenten erpressen könnte. Trump sei vergangene Woche von den US-Geheimdienstchefs darüber unterrichtet worden, dass Russland kompromittierende Informationen über ihn habe, berichtete der Nachrichtensender CNN. Sowohl Trump als auch der Kreml dementierten die Angaben. Russland besitze keine kompromittierenden Dokumente zu Trump, sagte ein Kremlsprecher. Es handele sich um Falschinformationen mit dem Ziel, den Beziehungen Russlands zu den USA zu schaden.

Laut einer zweiseitigen Zusammenfassung, die Trump präsentiert worden sei, verfüge Moskau über Informationen zum Privatleben und den Finanzen Trumps, berichtete auch die "New York Times". Während CNN zu den Details dieser angeblichen Informationen, die seit Monaten in Washington zirkulieren sollen, keine Angaben machte, veröffentlichte das Medienportal "Buzzfeed" 35 Seiten, auf denen unter anderem von Sexvideos mit Prostituierten in einem Moskauer Luxushotel 2013 die Rede war. Buzzfeed-Chefredakteur Ben Smith sagte allerdings, es gebe "ernsthafte Gründe, an den Vorwürfen zu zweifeln". Man habe sich jedoch aus Gründen der Transparenz zu ihrer Veröffentlichung entschieden.

"Total politische Hexenjagd"

Das Material selbst stammt aus fragwürdiger Quelle: Ein ehemaliger britischer Agent des Auslandsgeheimdienstes MI6 soll die schmutzigen Geheimnisse im Auftrag von Trumps parteiinternen Rivalen bei den Republikanern und später im Auftrag des Clinton-Lagers zusammengetragen haben, berichteten unter anderem CNN, "New York Times" und die britische Tageszeitung "Guardian".

Wie CNN weiter schreibt, haben US-Geheimdienste Informationen des ehemaligen MI6-Mitarbeiters in der Vergangenheit als glaubwürdig eingestuft. Der Wahrheitsgehalt der nun im Raum stehenden Informationen soll nun von FBI-Ermittlern überprüft werden. Der fragliche Ex-Agent des britischen Geheimdienstes soll jedoch laut "Guardian" über exzellente Kontakte verfügen. Er sei seit Jahrzehnten in Russland und im postsowjetischen Raum aktiv, heißt es.

Das Material über Trump war von den US-Geheimdiensten zunächst als "nicht substanziell" - also nicht stichhaltig - eingestuft worden. Sowohl Trump selbst als auch Amtsinhaber Barack Obama seien jedoch informiert worden. Trump twitterte am vergangenen Abend: "Falschinformationen - eine totale politische Hexenjagd." Seine Beraterin Kellyanne Conway sagte im Sender CNN: "Die Berichte nennen keine Quellen, nichts ist bestätigt."

In den zur Debatte stehenden Unterlagen geht es nach Informationen der "New York Times" neben den Sexvorwürfe im Zusammenhang mit Moskauer Prostituierten aus dem Jahr 2013 auch um Informationen zu Trumps Geschäftsbeziehungen nach Russland. Die zweiseitige Zusammenfassung zum Umfang des belastenden Materials datiert den Berichten zufolge vom 20. Juni 2016. Zu diesem Zeitpunkt war der US-Wahlkampf noch in vollem Gange.

Trump sei von russischer Seite über Jahre mit guten Geschäften gelockt worden. "Bisher hat Trump alle Verlockungen zurückgewiesen", heißt es in dem Bericht. Es heißt aber auch: Der russische Geheimdienst FSB sei zu der Auffassung gelangt, Trump sei ausreichend kompromittiert worden, um eine Erpressung zu ermöglichen. Unter anderem soll der FSB Trump Sexfallen gestellt haben, in die der mittlerweile 70-jährige Milliardär getappt sein soll.

Nur Material über Clinton veröffentlicht

Zwar seien die Informationen nicht Teil der Ermittlungen wegen eines mutmaßlich russischen Hackerangriffs gewesen, berichtet CNN. Doch mit der Veröffentlichung wollten die Geheimdienste zeigen, dass Moskau zwar Informationen über beide damaligen US-Präsidentschaftskandidaten gesammelt habe, jedoch nur Material, das Clinton schade, veröffentlicht habe. Laut US-Sender soll es außerdem Beweise geben, dass enge Vertraute Trumps während der Wahlkampagne regelmäßige Kontakte zu Mittelsmännern der russischen Regierung hatten.

Das linke Magazin "Mother Jones" hatte Ende Oktober - also kurz vor dem US-Wahltermin - als erstes über das Dossier berichtet. In den vergangenen Wochen soll das 35 Seiten lange Dokument dann unter Washingtoner Journalisten kursiert sein. Laut CNN übergab der republikanische Senator John McCain eine Kopie des Materials am 9. Dezember FBI-Chef James Comey. McCain gilt als harscher Kritiker von Trumps Kuschelkurs mit Moskau.

FBI-Direktor James Comey nahm zu dem Thema am Dienstag vor einem Senatsausschuss keine Stellung. Er könne nicht zu laufenden Ermittlungen sprechen. Mit Spannung wird indes eine Pressekonferenz des designierten US-Präsidenten Trump erwartet (17 Uhr MESZ). Es ist sein erster öffentlichter Auftritt vor Medienvertretern seit dem vergangenen Juli.

Quelle: n-tv.de

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