Politik

Ehrung des Mohammed-Karikaturisten: Muslime kritisieren Merkel

Deutschlands Muslime reagieren mit Empörung auf die Würdigung des Mohammed-Karikaturisten Westergaard durch Bundeskanzlerin Merkel. Die Kanzlerin gieße damit Öl ins Feuer. Merkel nutzte die Auszeichnung Westergaards für eine energische Verteidigung der Pressefreiheit gegen religiöse Fanatiker.

Köhler glaubt, Merkel habe einen Fehler begangen.
Köhler glaubt, Merkel habe einen Fehler begangen.(Foto: dpa)

Der deutsche Zentralrat der Muslime hat die Preisverleihung an den Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard durch Bundeskanzlerin Angela Merkel scharf kritisiert. "Damit wird nur wieder Öl ins Feuer gegossen", sagte der Vorsitzende Ayyub Axel Köhler der "Mitteldeutschen Zeitung". Mit der Auszeichnung des für seine umstrittenen Zeichnungen bekannten Dänen gebe Merkel der Islamfeindlichkeit neue Nahrung.

Die CDU-Politikerin verteidigte die Verleihung des Medienpreises am Mittwoch in Potsdam als Zeichen für die Pressefreiheit. Dies sei ein hohes Gut und könne nicht als selbstverständlich betrachtet werden. Die in den USA von einer kleinen Christengruppe geplante Koran-Verbrennung verurteilte die Regierungschefin als "respektlos, sogar abstoßend und einfach falsch".

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Der Vize-Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Andreas Schockenhoff, unterstützte in einem Gespräch mit n-tv Merkels Vorgehen: "Angela Merkel ist in einem totalitären Regime aufgewachsen, in dem es keine Pressefreiheit gab. Man kann über den Geschmack von Karikaturen, man kann über den Inhalt von journalistischen Kommentaren unterschiedlicher Meinung sein. Aber dass sie möglich sind, dass es zum Grundprinzip der Demokratie gehört, dass auch unterschiedliche, auch sehr kontroverse Meinungen geäußert werden können, das gehört zum Prinzip der Demokratie, zum Prinzip der Freiheit. Dazu steht die Kanzlerin."

Den Konflikt beschleunigt

Mit Blick auf die massenhaften Proteste mit Dutzenden Toten nach der Veröffentlichung seiner Zeichnungen im Jahr 2005 sagte Westergaard, der Zusammenstoß der Kulturen wäre früher oder später sowieso passiert. Die Bilder, auf denen unter anderem Mohammed mit einer Bombe in seinem Turban zu sehen war, hätten den Konflikt nur beschleunigt. Im "Kölner Stadt-Anzeiger" übte der unter Polizeischutz stehende Zeichner zudem erneut scharfe Kritik am Islam und sprach von einer reaktionären Religion. Er wolle aber weiter dafür eintreten, dass Menschen auch diese Religion ausüben könnten.

Der Zentralrat der Muslime forderte mehr Rücksicht für die Gefühle religiöser Menschen. Durch die in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" 2005 gedruckten Karikaturen seien Muslime pauschal als Terroristen dargestellt worden, sagte Generalsekretär Aiman Mazyek. Viele Muslime empfinden jegliche Abbildung des Religionsstifters des Islam als Beleidigung.

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Quelle: n-tv.de

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