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"Die Folgen sollten uns mahnen": Merkel dankt Westergaard, auch Joachim Gauck (Mitte) würdigte den dänischen Zeichner.
"Die Folgen sollten uns mahnen": Merkel dankt Westergaard, auch Joachim Gauck (Mitte) würdigte den dänischen Zeichner.(Foto: dpa)

Mohammed-Karikaturist: Merkel würdigt Westergaard

Inmitten der Debatte über muslimische Zuwanderer und die geplante Koran-Verbrennung in den USA würdigt Kanzlerin Merkel den dänischen Mohammed-Karikaturisten Westergaard. Merkel ruft dazu auf, verantwortungsvoll mit der Würde des Menschen und der Religionsfreiheit umzugehen. Deutsche Muslime kritisieren die Auszeichnung.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Mut des Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard gewürdigt. "Die Folgen für den Zeichner sollten uns mahnen", sagte Merkel. Sie sprach sich deutlich für Toleranz aus. Als Zeichner dürfe Westergaard derartige Zeichnungen fertigen. Die europäischen Staaten seien ein Ort, wo dies möglich sei. "Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut", sagte die Kanzlerin.

Der Däne wurde mit dem diesjährigen Potsdamer Medienpreis für seine unbeugsame Haltung ausgezeichnet. Merkel war Hauptrednerin des Potsdamer Medienforums M100. Zugleich verurteile die Kanzlerin die Ankündigung radikaler Christen in den USA, den Koran öffentlich zu verbrennen. "Das ist schlicht respektlos. Abstoßend - einfach falsch", sagte Merkel. Sie erinnerte an Grundrechte wie die Würde des Menschen und die Religionsfreiheit. Die unterschiedlichen Interessen müssten verantwortungsvoll abgewogen werden.

Westergaard lebt seit seiner Zeichnung unter ständigem Polizeischutz.
Westergaard lebt seit seiner Zeichnung unter ständigem Polizeischutz.(Foto: AP)

Westergaards Zeichnung zeigt Mohammed mit einer Bombe als Turban. Die Veröffentlichung der Karikatur sowie der von Kollegen war 2005 als Provokation empfunden worden und hatten weltweit gewaltsame Proteste von Muslimen ausgelöst. Westergaard wird von radikalen Islamisten mit dem Tode bedroht und steht seit fünf Jahren unter Polizeischutz.

Muslime kritisieren Merkel

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat die Preisverleihung an Westergaard durch Bundeskanzlerin Merkel kritisiert. Der Däne habe alle Muslime mit Füßen getreten, sagte Generalsekretär Aiman Mazyek im Deutschlandradio Kultur. Die Auszeichnung sei in einer aufgeladenen und erhitzten Zeit hochproblematisch.

"Damit wird nur wieder Öl ins Feuer gegossen", sagte zudem der Zentralrat-Vorsitzende Ayyub Axel Köhler der "Mitteldeutschen Zeitung". Merkel gebe der Islamfeindlichkeit ebenso Nahrung wie Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin, der Volksverhetzung betreibe.

Auf Skepsis stößt Merkels Auftritt auch bei den Grünen. "Ich hätte es nicht gemacht", sagte Bundesfraktionschefin Renate Künast am Rand der Grünen-Fraktionsklausur in Mainz. Zwar herrsche Meinungsfreiheit auch in der Karikatur. "Aber wenn eine Bundeskanzlerin auch noch eine Rede dazu hält, verschärft sie den Ton."

"Ein Zeichen setzen"

Laudator Joachim Gauck dankte Westergaard dagegen ebenfalls für seinen Mut, sich nicht von den Todesdrohungen einschüchtern zu lassen. "Jeder sollte sich fragen, ob wir den Mut immer ausrichten für die Freiheit", sagte der ehemalige rot-grüne Präsidentenkandidat und langjährige Beauftragte für die Stasi-Unterlagen.

"Der Preis soll ein deutliches Zeichen setzen", erklärte Potsdams Oberbürgermeister Jann Jacobs. Für den den M100-Beirat sei Westergaard zum "Symbol der Presse- und Meinungsfreiheit" geworden.

Die Vereinigung vergibt ihren Preis jährlich an Persönlichkeiten, die aus ihrer in Europa und der Welt "Fußspuren" hinterlassen haben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören der einstige Außenminister Hans-Dietrich Genscher und die kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt.

Westergaard sehr geehrt

Die Auszeichnung bedeute ihm sehr viel, sagte Westergaard. "Das ist die größte Anerkennung, die ich bekommen habe, und ich glaube, sie ist gut für die Meinungsfreiheit." Der 75-Jährige betonte: "Ich habe kein Problem mit anderen Religionen." Er habe nur ein Problem mit Islamisten und werde immer dafür kämpfen, dass Menschen ihre Religion friedlich leben könnten.

Generell würde der Karikaturist gerne auch mit toleranten Muslimen ins Gespräch kommen, sagte er. Dies hält er derzeit aber kaum für möglich. "Ich bin stigmatisiert", sagte Westergaard. Enttäuscht zeigte er sich über das Verhalten intellektueller Kreise in der islamischen Welt. "Von der eigenen Klasse gab es wenig Solidarität. Dabei leben sie von der Meinungsfreiheit", sagte Westergaard.

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Quelle: n-tv.de

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