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"Versagen auf ganzer Linie", heißt es in dem Bericht. Und auch "Verdacht gezielter Sabotage".
"Versagen auf ganzer Linie", heißt es in dem Bericht. Und auch "Verdacht gezielter Sabotage".(Foto: imago/Karina Hessland)

Einschätzung aus Thüringen: NSU-Morde wären zu verhindern gewesen

Scharfe Kritik an den Ermittlern, eine Entschuldigung und immer noch offene Fragen: Nach zweieinhalb Jahren Arbeit stellt der NSU-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtags den Behörden ein vernichtendes Zeugnis aus und spricht von einem "Desaster".

Die Mordserie der Neonazi-Terrorzelle NSU hätte nach Einschätzung des Thüringer Untersuchungsausschusses verhindert werden können, wenn die Ermittlungsbehörden vorher nicht so gravierende Fehler gemacht hätten. Es habe Fehlleistungen bei der Fahndung nach den drei Hauptverdächtigen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) gegeben - in einem erschreckenden Ausmaß.

Dorothea Marx bei der Vorstellung des Berichts.
Dorothea Marx bei der Vorstellung des Berichts.(Foto: imago/Karina Hessland)

Das sagte die Vorsitzende des Thüringer Landtagsausschusses, Dorothea Marx, bei der Vorlage des Abschlussberichts in Erfurt. Wenn die Ermittler bereits nach einem Fund von Sprengstoff 1998 in Jena richtig gehandelt hätten, wäre "der weitere Verlauf" mit hoher Wahrscheinlichkeit anders gewesen. "Das ist die schwere Schuld, die auf Thüringen lastet."

Polizei und Nachrichtendienste waren der Bande aus Thüringen, die für zehn Morde sowie für Sprengstoffanschläge und Banküberfälle bundesweit verantwortlich gemacht wird, jahrelang nicht auf die Spur gekommen. Sie flog erst Ende 2011 auf. Die Geschichte der Fahndung nach dem Trio sei "ein einziges Versagen" und ein "Fiasko" gewesen, heißt es in dem mehr als 1800 Seiten umfassenden Bericht.

Verdacht wiegt schwer

Die Häufung falscher oder nicht getroffener Entscheidungen ließen auch "den Verdacht gezielter Sabotage" bei der Suche nach dem untergetauchten Trio zu. Zumindest mittelbar hätten die Sicherheitsbehörden zudem den Aufbau rechtsextremer Strukturen in Thüringen begünstigt. Als Beispiel nennt der Bericht den Umgang mit dem rechtsextremen V-Mann Tino Brandt, der übermäßig hohe Prämien erhalten habe und offenbar vor gegen ihn gerichteten Ermittlungen gewarnt worden sei.

Der Thüringer Landtag bat die Angehörigen der Opfer um Entschuldigung. "Wir bitten Sie für die Verdächtigungen und für die lange Zeit fehlende Empathie um Verzeihung", sagte Landtagspräsidentin Birgit Diezel nach Entgegennahme des Berichts. Marx sagte, Thüringen trage als Land, aus dem die mutmaßlichen Täter stammten, "eine besondere Verantwortung und eine besondere Schuld".

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Quelle: n-tv.de

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