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Macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt: Donald Trump.
Macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt: Donald Trump.(Foto: imago/ZUMA Press)
Freitag, 02. Juni 2017

Was stimmt, was nicht?: Trumps Klimarede strotzt vor Fehlern

Die USA steigen aus dem Pariser Klimapakt aus - und Präsident Donald Trump begründet dies mit wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Argumenten. Doch viele davon sind schlicht falsch.

Donald Trumps Ausstieg aus dem Pariser Klimapakt schockt die Welt. Ohne die USA fehlt einer der größten CO2-Sünder bei dem gemeinsamen Vorhaben, den Ausstoß klimaschädlicher Stoffe zu verringern. Politiker auf der ganzen Welt sind konsterniert.

Konsterniert sind jedoch auch Fachleute, die Trumps Ausführungen im Rosengarten verfolgt haben. Eilig machten sich die Faktenprüfer daran, seine Aussagen zu checken. Das Ergebnis ist verheerend: Trump spricht kaum einen Satz, der inhaltlich haltbar wäre. Eine Auswahl:

"Wir steigen aus, aber wir werden neu verhandeln. Und wir werden sehen, ob wir einen fairen Deal bekommen können."

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Im Pariser Abkommen haben sich die Staaten individuell auf Klimaziele verpflichtet. Diese Ziele richten sich nach dem, was jeder Staat zu erreichen bereit ist. Ex-Präsident Barack Obama hat das ebenso getan wie andere Staats- und Regierungschefs. Es ist technisch möglich, diese Ziele im Nachhinein unilateral abzuändern. Neue Verhandlungen sind also unnötig, falls Trump die Ziele für die USA zu ambitioniert findet. Was und warum er also neu verhandeln will, bleibt unklar.

"Selbst wenn das Pariser Abkommen vollständig und von allen Nationen umgesetzt würde, wird geschätzt, dass es lediglich eine Reduktion von 0,2 Grad der globalen Temperatur bis zum Jahr 2100 geben würde. Eine klitzekleine Menge."

Trump bezieht sich auf eine Studie des renommierten Masschusetts Institute of Technology. Die "Washington Post" hat mit dem Autoren der Studie gesprochen. Er "widerspricht vollkommen", dass 0,2 Grad bis 2100 eine klitzekleine Menge wären. Denn sie zeigt lediglich, um wie viel die Pariser Zusagen von 2015 den Temperaturanstieg zusätzlich verringern. Nicht einberechnet sind Klimaschutzeffekte bereits getroffener Zusagen.

Trump stellt implizit die 0,2 Grad gegen das viel zitierte Zwei-Grad-Ziel. Das jedoch sagt etwas vollkommen anderes aus, nämlich die anvisierte Begrenzung der globalen Erwärmung auf weniger als zwei Grad gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung.

Die Studie geht zudem davon aus, dass die teilnehmenden Staaten ihre Versprechen bis 2030 noch anpassen werden - verbunden mit der Hoffnung, dass sie noch ambitionierter werden. Trump interpretiert den Tenor der Studie also vollkommen frei um.

"China darf Hunderte neue Kohlekraftwerke errichten. Wir dürfen das nicht."

Das ist teils richtig, in seiner Grundaussage aber falsch. Ja, China darf gemäß des Pariser Abkommens Kohlekraftwerke errichten und hat das auch vor. Die USA dürften das aber auch. Das Abkommen definiert lediglich Reduktionsziele. Wie sie erreicht werden, ist Angelegenheit der einzelnen Staaten. Die USA werden an dieser Stelle nicht anders behandelt als jedes andere Land.

Die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens "könnte Amerika bis 2025 bis zu 2,7 Millionen Jobs kosten".

Trump bezieht sich hier auf eine Studie von Klimaschutzgegnern. Sie ist einseitig und lässt mögliche positive Effekte außer Acht - also auch denkbare neue Jobs durch die Implementierung neuer Technologien. Und dass es solche Jobs geben wird, ist unstrittig.

Trump lästert über den "Green Climate Fund" der Uno: "Netter Name. Wir werden Milliarden und Milliarden und Milliarden Dollar bezahlen, und wir tragen weit mehr bei als alle anderen. Viele Länder haben nichts dazugegeben und werden niemals einen Heller dazuzahlen."

Dass nicht alle Staaten in den Fonds einzahlen, ist korrekt - aber auch gerade dessen Sinn. Er soll ärmere Länder dabei unterstützen, Klimazusagen umzusetzen. Mit 3 Milliarden Dollar haben die USA tatsächlich die größte Summe zugesagt. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl stemmen andere Staaten aber eine größere Last.

"Wir werden die Saubersten sein. Wir werden die sauberste Luft haben. Wir werden das sauberste Wasser haben."

Trumps Versprechen, sich trotz des Ausstiegs aus dem Pariser Abkommen für den Umweltschutz einzusetzen, ist angesichts seiner bisherigen Entscheidungen ziemlich unglaubwürdig. Seine konkreten Ankündigungen, bald das sauberste Wasser und die sauberste Luft zu haben, sind mindestens optimistisch. Studien zufolge liegen die USA hierbei jeweils weit von der Spitze entfernt.

Quelle: n-tv.de

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