Politik
Das Raketenprogramm des Irans gilt als Trumpf.
Das Raketenprogramm des Irans gilt als Trumpf.(Foto: REUTERS)

Kriegs-Quartett am Persischen Golf: Wenn der Ajatollah auf den König trifft

Von Issio Ehrich

Abbruch der diplomatischen Beziehungen, Stellvertreterkriege, Wirtschaftssanktionen - der Konflikt zwischen Iran und Saudi-Arabien spitzt sich immer stärker zu. Was passiert, wenn die Lage weiter eskaliert?

Zwischen Iran und Saudi-Arabien tobt ein Kalter Krieg. Und seit Jahren wird die Lage immer gefährlicher. Ein entscheidender Grund: Das Haus Saud fürchtet schon seit der Islamischen Revolution im Iran 1979 zusehends um den Einfluss des sunnitischen Islams und damit des eigenen Regimes im Nahen Osten. Genährt wurde diese Angst, als die USA den Sunniten Saddam Hussein im Irak stürzten und Platz für eine neue schiitische Elite machte. Die unterdrückte forthin die vielen Sunniten im Land. Während des arabischen Frühlings verloren dann noch sunnitische Machthaber wie Ägyptens Hosni Mubarrak die Kontrolle. Seit sich Teheran und der Westen auf einen Atom-Deal einigen konnten, kann der Iran seit Jahren des Darbens erstmals obendrein wieder auf wirtschaftliches Aufblühen hoffen. Etliche Sanktionen und Embargos stehen zur Disposition.

In eine neue Phase trat der Konflikt ein, als das saudische Regime Anfang Januar den einflussreichen schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr köpfen ließ und Teheran mit "göttlicher Rache" drohte. Die Erzrivalen kappten ihre wirtschaftlichen und diplomatischen Beziehungen. Was, wenn die Lage weiter eskaliert?

Schon seit Jahren führen die selbsternannten Schutzpatronen des schiitischen und sunnitischen Islams Stellvertreterkriege - darunter die Gefechte in Syrien und Jemen. Diese Konflikte scheinen die gesamte Region zu destabilisieren. Viele der Auseinandersetzungen im Nahen Osten lassen sich zwar nicht nur, aber auch wegen des religiös aufgeladenen Zwists der beiden Mächte nicht auflösen.

Eine der wenigen Versicherungen dafür, dass die Lage nicht vollends explodiert und aus dem kalten ein heißer Krieg wird, ist wohl, dass sich sowohl die Führung des Irans als auch die Spitze Saudi-Arabiens einem allzu unberechenbaren Gegner gegenübersehen. Es ist kaum abzuschätzen, wer letztlich der Stärkere der beiden ist.

Iran ist versiert in der asymmetrischen Kriegsführung

Wirft man, wie beim beliebten Quartett-Spiel, einen Blick auf die blanken Zahlen zu den Streitkräfte, erscheint die Lage zunächst klar: Der Iran verfügt über deutlich größere Reserven. Nach Angaben des International Instituts for Strategic Studies (IISS) hat Teheran rund 523.000 Soldaten, Riad nur 227.000. Dieser quantitative Unterschied spiegelt auch die Bevölkerungsgröße der beiden Staaten wieder. Im Iran leben knapp 80 Millionen Menschen, in Saudi-Arabien lediglich 30 Millionen. Hinzu kommt, dass die Truppen des Irans im Gegensatz zu denen Saudi-Arabiens über solide Kampferfahrung verfügen. Das Militär des Hauses Saud sammelt diese erst jetzt durch die Intervention im Jemen und Syrien.

Vom International Institute for Strategic Studies (IISS) heißt es allerdings: "Die Streifkräfte des Irans, nicht nur das reguläre Militär, sondern auch die Revolutionsgarden, müssen sich seit langem mit veralteter Ausrüstung herumschlagen." Teheran führte die meisten Waffensysteme bereits in den vorrevolutionären Zeiten des Shahs, in den 1970er Jahren, ein. Unzählige Embargos erschweren seither die Modernisierung der Systeme.

Um dieses Defizit auszumerzen, setzt die Führung des Irans deshalb auf spezielle Technologien: Dazu gehört das aufwendige Raketenprogramm des Landes. Zudem verfügt der Iran im Gegensatz zu Saudi-Arabien über U-Boote - ein nicht zu unterschätzender strategischer Vorteil am Persischen Golf.

Das IISS führt zudem Fähigkeiten der asymmetrischen Kriegsführung als Trümpfe Teherans auf. Nadelstichartige, nicht klassische militärische Aktionen also, wie sie auch aus dem Ukraine-Konflikt bekannt sind. Prädestiniert dafür sind die al-Quds-Spezialeinheiten, kleine Raketenboote und Fähigkeiten der Cyber-Kriegsführung.

Saudi-Arabien kann dagegen auf neueste Technologien zurückgreifen, auch aus Deutschland. 2012 schloss Riad einen Mega-Deal mit den Vereinigten Staaten ab, der laut dem IISS 24 Milliarden US-Dollar schwer sein könnte. Dabei ging es um die Modernisierung der F15-Kampfjets und der AH-64 Apache Kampfhelikopter.

"Es ist schwer, die militärischen Fähigkeiten der beiden Staaten direkt zu vergleichen", heißt es vom IISS auf Anfrage von n-tv.de. Saudi-Arabien würde in einem konventionellen Krieg angesichts der modernen Waffen siegen. Das Institut mahnt aber, die Fähigkeiten der asymmetrischen Kriegsführung, die der Iran in nunmehr 30 Jahren perfektioniert hat, nicht zu unterschätzen. Fallen durch den Atom-Deal wirtschaftliche Sanktionen weg, dürfte zudem wieder reichlich Geld ins Land kommen, das Teheran auch in die Streitkräfte investieren könnte. In einer unkonventionellen Auseinandersetzung, wie sie jetzt zu beobachten ist, dürfte der Iran deshalb weiter erstarken.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen