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Demonstranten in Beirut zeigen das Bild Al-Nimrs.
Demonstranten in Beirut zeigen das Bild Al-Nimrs.(Foto: REUTERS)

Saudi-Arabien zieht Zorn auf sich: Wer war der hingerichtete Nimr al-Nimr?

Er ist einer der 47 Menschen, die Saudi-Arabien hinrichten ließ. In der schiitischen Welt tragen Demonstranten sein Konterfei vor sich her: Der Geistliche Nimr Baker al-Nimr. Wer war dieser Mann?

Mit der Hinrichtung von Nimr Baker al-Nimr hat sich das saudiarabische Herrscherhaus eines unbequemen Kritikers entledigt, doch belastet die Exekution des charismatischen schiitischen Geistlichen das ohnehin schwierige Verhältnis zu den Schiiten. Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei warnte das Königreich vor der "Rache Gottes", während Iraks oberster schiitischer Geistliche Ayatollah Ali al-Sistani die Hinrichtung als "Ungerechtigkeit und Aggression" verurteilte.

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Wer war der Mann, dessen Hinrichtung derart heftige Reaktionen auslöst? Der Schiit aus dem Osten Saudi-Arabiens war nach der iranischen Revolution 1979 zu theologischen Studien in den Iran gegangen. Erst 1994 kehrte er als islamischer Rechtsgelehrter in sein Heimatdorf Awamija zurück, wo er die Leitung der Imam-Hussein-Moschee übernahm. Wegen seiner Predigten, in denen er mehr Rechte für die schiitischen Minderheit forderte, wurde der graubärtige Gelehrte seit 2003 immer wieder festgenommen.

Die Schiiten klagen in Saudi-Arabien, in dem eine besonders strenge Auslegung des sunnitischen Islam gilt, seit langem über religiöse und soziale Diskriminierung. Riad verdächtigt die Schiiten wiederum, Sympathien für den Iran zu hegen. Al-Nimr habe eine "besondere und herausgehobene Stellung" unter den Schiiten gehabt, sagte sein Bruder Mohammed al-Nimr. Er sei "ein bescheidener, religiöser Mann gewesen, der ein einfaches Leben führte, was ihn für die Jugend attraktiv gemacht hat".

Im Jahr 2009 zog al-Nimr den Zorn des Herrscherhauses auf sich, als er forderte, die östlichen Provinzen Katif und Al-Ihsaa, in denen die meisten der rund zwei Millionen Schiiten Saudi-Arabiens leben, an das mehrheitlich schiitische Nachbarland Bahrain anzuschließen. Als im Frühjahr 2011 der Arabische Frühling begann, organisierte al-Nimr auch in Saudi-Arabien Proteste. Nach dem Tod mehrere schiitischer Demonstranten rief er dazu auf, friedlich für mehr politische Rechte zu kämpfen.

"Mögen die Würmer ihn fressen"

Als al-Nimr 2012 den Tod von Innenminister Prinz Najef bin Abdulasis begrüßte, brachte dies das Fass zum Überlaufen. "Mögen die Würmer ihn fressen", sagte al-Nimr in einem Video, das im Internet Verbreitung fand. Zudem kritisierte er Riads Vorgehen in Saudi-Arabien und Bahrain, wo saudiarabische Truppen im Frühjahr 2011 eine schiitische Protestbewegung niedergeschlagen hatten.

Am 8. Juli 2012 wurde al-Nimr schließlich festgenommen, wobei ihm wegen "Widerstands" ins Bein geschossen wurde. Seine Festnahme löste tagelange Proteste in seiner Heimatregion aus, doch ließ sich Riad nicht beirren. Wegen Aufwiegelung, Ungehorsams und illegalen Waffenbesitzes wurde al-Nimr im Oktober 2014 zum Tode verurteilt. Am Samstag wurde er nun im Alter von 56 Jahren zusammen mit 46 weiteren Männern exekutiert. Seinem Sohn Ali, der mit nur 17 Jahren ebenfalls festgenommen und in Haft angeblich gefoltert wurde, droht ebenfalls die Hinrichtung.

Al-Nimrs Tod löste in seiner Heimatregion Proteste aus. Auch im Iran, im Irak, im Libanon und in Bahrain gingen zahlreiche wütende Schiiten auf die Straße. Al-Nimrs Bruder sagte, ihm sei gesagt worden, die Familie werde die Leiche nicht zur Beerdigung zurückerhalten.

Sein Bruder habe "Worte gesprochen, die womöglich hart waren", doch hätte er dafür "politisch zur Rechenschaft gezogen" und nicht hingerichtet werden sollen, sagte Mohammed al-Nimr.

Quelle: n-tv.de

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