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Ralf Wohlleben ist im NSU-Prozess angeklagt: Offenbar will er sein Schweigen brechen, um "Dinge klarzustellen".
Ralf Wohlleben ist im NSU-Prozess angeklagt: Offenbar will er sein Schweigen brechen, um "Dinge klarzustellen".(Foto: picture alliance / dpa)

"Dreiste Lügen aufdecken": Wohlleben will im NSU-Prozess aussagen

Beate Zschäpes Ankündigung, ihr Schweigen zu brechen, könnte eine Kehrtwende im NSU-Prozess bedeuten. Nun kündigt der mitangeklagte Ralf Wolleben an, ebenfalls aussagen zu wollen.

Im Münchner NSU-Prozess will nach Beate Zschäpe auch der wegen Beihilfe zum Mord angeklagte Ralf Wohlleben sein Schweigen brechen. Das kündigten seine Anwälte in einer Erklärung an, die auf einer Facebook-Seite der NPD zu finden war. Einer seiner Verteidiger, Olaf Klemke, bestätigte die Echtheit des Dokuments.

Darin heißt es, Wohlleben müsse "einige Dinge klarstellen, um den dreisten Lügen einiger Zeugen und zweier Mitangeklagter" entgegenzutreten. Damit sind Carsten S. und Holger G. gemeint, die bisher als einzige der fünf Angeklagten im Prozess um die Morde des "Nationalsozialistischen Untergrunds" ausgesagt haben. Überschrieben ist die Erklärung der Wohlleben-Verteidiger mit den Worten "Der Wahrheit eine Gasse: Ralf Wohlleben wird sein Schweigen brechen". Wohlleben werde "selbst aussagen", heißt es darin.

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"Akt der Notwehr"

Im Briefkopf stehen die Namen seiner drei Verteidiger: Nicole Schneiders, Olaf Klemke und Wolfram Nahrath. Nach Darstellung der Verteidiger ist "Herr Wohlleben seinen Idealen und politischen Überzeugungen treu geblieben und wird dies auch in Zukunft bleiben". Daran ändere auch seine Aussage nichts. Sie sei "ein Akt der Notwehr gegen Lügen und Unterstellungen".

Wohlleben soll in den 1990er Jahren der rechtsextremen "Kameradschaft Jena" angehört haben und war später Funktionär der NDP. Nebenklage-Anwalt Yavuz Narin sagte, "sollte die Aussage Wohllebens tatsächlich der Wahrheit dienen, wäre sie zu begrüßen". Er äußerte sich aber skeptisch, dass Wohlleben "alles sagen wird, was er weiß". Narin vertritt im NSU-Prozess die Frau und die Tochter des in München ermordeten Theodoros Boulgarides.

Vor allem der mitangeklagte Carsten S. hatte Wohlleben belastet. Er hatte im Prozess gesagt, Wohlleben habe ihn beauftragt, in einem Szeneladen in Jena die Pistole vom Typ "Ceska" zu kaufen, mit der die mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt neun ihrer zehn Mordopfer erschossen haben sollen. Wohlleben habe S. auch das Geld für den Kauf der Waffe gegeben.

Sagt André E. nun auch aus?

Die Bundesanwaltschaft hält Wohlleben für eine "steuernde Zentralfigur" im Hintergrund des NSU. Seit Beginn des Prozesses hatte Wohlleben ebenso wie Beate Zschäpe die Aussage verweigert. Zschäpe hatte erstmals vor einem halben Jahr in einem Brief an das Gericht durchblicken lassen, sie könne sich inzwischen vorstellen, doch "etwas" auszusagen. Das Gericht stellte ihr daraufhin den Münchner Anwalt Mathias Grasel als vierten Pflichtverteidiger zur Seite.

Grasel erklärte inzwischen, Zschäpe werde "frühestens am 8. Dezember" eine Aussage verlesen lassen. Sie werde auch "Fragen des Gerichts" beantworten. Zschäpe ist die Hauptangeklagte im NSU-Prozess. Sie muss sich als mutmaßliche Mittäterin an der Serie von zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen verantworten.

Nach Wohllebens Ankündigung hält jetzt nur noch einer der fünf Angeklagten an seiner Schweigestrategie fest, der ebenfalls wegen Beihilfe angeklagte André E. Es sei auch "eher nicht" damit zu rechnen, dass er jetzt ebenfalls reden werde, sagte einer seiner Anwälte am Rande eines der letzten Verhandlungstermine.

Quelle: n-tv.de

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