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Der Bruch zwischen Kohl und Merkel ist irreparabel.
Der Bruch zwischen Kohl und Merkel ist irreparabel.(Foto: dpa)

Mal wieder das Richtige tun: Kohl rührt an die CDU-Seele

ein Kommentar von Solveig Bach

Bundeskanzlerin Merkel muss sich von ihrem einstigen Ziehvater harsche Kritik anhören. Sie verbittet sich - ganz und gar nicht mehr das "Mädchen" - höflich, aber bestimmt die Einmischung des Ex-Partei-Patriarchen. Doch bei aller eitler Selbstbespiegelung: Kohl hat in manchen Fragen recht.

Der Tag hätte ein guter für Angela Merkel sein können, Merkel stürzt Obama vom Thron , und im Magdeburger Dom bekam sie den Kaiser-Otto-Preis für ihre Verdienste um die Einigung Europas. Doch es kam anders.

Merkel in Magdeburg.
Merkel in Magdeburg.(Foto: dapd)

Merkel kennt diese Hochgefühle inzwischen wahrscheinlich, immerhin ist sie seit November 2005 Bundeskanzlerin und hatte während ihrer Amtszeit durchaus gute Tage. Doch bisher war auch regelmäßig auf den Moment der Desilliusionierung Verlass. Während Merkel noch die Blumen in die Vase stellen ließ, zitierten diverse Medien genüsslich aus einem Interview, das  Kohl kanzelt Merkel ab .

Die Staatspräsidentin der Republik Litauen, Dalia Grybauskaite, hatte in ihrer Magdeburger Laudatio gesagt: "Nicht nur die Zukunft Deutschlands, sondern auch die Zukunft Europas liegt heute auf den Schultern der Bundeskanzlerin." Die Bemühungen Merkels "werden in die Geschichte als ein ehrenvolles Kapitel eingehen". Unabhängig vom Wahrheitsgehalt klang das nach Weltpolitik, nach Visionen und nach persönlicher Größe.

Kohl hat einen komplett anderen Blick auf die Frau, die er einst für die Politik entdeckte und die ihn persönlich tief enttäuscht hat. Ohne sie auch nur beim Namen zu nennen, wirft er ihr fehlenden Führungs- und Gestaltungswillen vor, ein "erschreckendes Maß an Mutlosigkeit gegenüber den heutigen Herausforderungen und Möglichkeiten" sowie einen "eklatanten Mangel an historischem Wissen und Bewusstsein".

Zieht man die etwas selbstgefällige Erinnerung des Altkanzlers ab, bleibt immer noch sein vernichtendes Urteil über Merkel – sie kann Kanzlerin nicht. Hinzu kommt, dass Kohl offenbar ausspricht, was auch andere in der Union denken. Der Chef der Jungen Union, Philipp Mißfelder, warnte denn auch davor, Kohls Kritik einfach beiseite zu wischen. Es gebe bei vielen Parteimitgliedern viele Fragezeichen, was den politischen Kurs der Partei angehe. Insofern seien Kohls Äußerungen nicht nur Ausdruck von Sorge, sie zeigten auch, "dass in der Union "gerade etwas los" ist. Das darf man wohl als freundliche Umschreibung dafür verstehen, dass vielen in der CDU das Merkelsche Zick-Zack zu viel wird.

Der Atomausstieg, der dann doch noch richtig wurde, die zögerliche Unterstützung für das libysche Volk in seinem Bemühen, den Diktator endlich abzuschütteln und das Taktieren in der Euro-Krise – um nur drei Beispiele zu nennen - haben viele verunsichert. Die nächste Wahl kommt immer schneller, als man glaubt. Und man gewinnt sie mit Visionen und Taten gleichermaßen. Aus der CDU-Fraktion hieß es am Mittwoch plötzlich, Merkel habe sich leidenschaftlich an die Abgeordneten gewandt. Möglicherweise hat die Kanzlerin verstanden, dass Kohl bei aller Rachsucht auch eine unbequeme Wahrheit ausgesprochen hat.

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Quelle: n-tv.de

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