Er glaubt an Gerechtigkeit: Für Werner Franke ist Doping eine Straftat.
(Foto: picture alliance / dpa)
Freitag, 29. Januar 2010
Gefürchtet und respektiert: Doping-Gegner Franke wird 70
Er engagiert sich für einen sauberen Sport: Deutschlands führender Anti-Doping-Kämpfer sieht sich selber nicht als Fahnder oder Provokateur, sondern als Aufklärer.Vorreiter oder Verräter, Experte oder Eiferer, Fahnder oder Fanatiker, Freund oder Feind: An Werner Franke scheiden sich die Geister. Als Zellforscher hat sich der Professor am Heidelberger Krebsforschungszentrum weltweit einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet. Als Deutschlands führender Anti-Doping-Kämpfer ist er bei Sportbetrügern, die er angeprangert, entlarvt und verklagt hat, seit Jahrzehnten verhasst. Von Funktionären, die er aufs Korn nimmt, wird er gefürchtet, von den Medien respektiert - und gern zitiert. Der "ostwestfälische Dickschädel", wie sich der gebürtige Paderborner selbst bezeichnet, kann austeilen und einstecken. Prof. Dr. Werner Franke feiert am 31. Januar seinen 70. Geburtstag.
"Ich bin gesund genug, um weiter zu forschen und mich auch gegen Doping zu engagieren. Da habe ich mir einen Rest-Glauben an Gerechtigkeit bewahrt", sagte der renommierte Molekular-Biologe. Von seinen Kollegen wird der Jubilar mit einem kleinen Empfang geehrt. Denn der Mann im Unruhestand arbeitet noch täglich in seinem Institut ("Ich fange spät an, bleibe aber lange"), seine Forschungsergebnisse für schwierige Fälle der Tumor-Diagnostik haben Maßstäbe gesetzt. Auch an Wochenenden sitzt der "Hochschullehrer des Jahres" 2007 am Schreibtisch: "So lange es notwendig und sinnvoll erscheint, werde ich meine Projekte vorantreiben."
Trotz Mission keine Vision
Rund 650 Veröffentlichungen in Fachzeitschriften sprechen und füllen Bände, dabei hat Franke trotz seiner Mission keine Vision - und noch nicht einmal ein Handy. Dafür ein phänomenales Gedächtnis, einen scharfen Sachverstand und Gerechtigkeitssinn. Doping ist für ihn eine "Verbrechenstat, eine Straftat, weil es sich um Körperverletzung oder Beihilfe zur Körperverletzung handelt". Selber sieht er sich aber weder als Fahnder oder gar Provokateur: "Ich bin ganz klar Aufklärer für die Öffentlichkeit und ein Feind der Missbraucher."
Franke war selbst Sportler, ein ganz guter Mittelstreckler, wie er behauptet. Später war er neben seiner wissenschaftlichen Arbeit als Forscher und Hochschullehrer auch Leichtathletik-Trainer beim USC Heidelberg. Er betreute damals auch seine spätere Frau Brigitte Berendonk, mit der er nach der Wende ein weltweit - in Ost und West - aufsehenerregendes Buch vorlegte: "Doping-Dokumente - von der Forschung zum Betrug". Auf der Grundlage bis dato geheimer Unterlagen ("Staatsplan 14.25") wurden von dem Ehepaar 1991 erstmals Beweise für das systematische Staatsdoping in der DDR publik gemacht. Da Ross und Reiter genannt wurden, musste das Duo ein Dutzend Zivil- und Strafverfahren abwehren - alle wurden gewonnen.
Das leidenschaftliche Engagement der rastlosen Aufklärer für einen sauberen Sport wurde 2004 gewürdigt: Brigitte Berendonk und ihr Mann wurden für ihren "langjährigen entschlossenen Kampf gegen Doping im Leistungssport in beiden Teilen des geteilten Deutschland" mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Für Franke kein Grund, kürzer zu treten. Eigentlich wollte er sich als Doping-Bekämpfer 2005 zurückziehen, aber der Balco-Skandal in den USA und die Affäre um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes ließen ihn nicht zur Ruhe kommen. "Über 20 Mal" ist Franke nach eigener Aussage bisher verklagt worden; mit Radprofi Jan Ullrich liegt er in Dauerfehde - der Streit wird jetzt vor dem Hamburger Landgericht ausgetragen.
Ralf Jarkowski, dpa
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