Donnerstag, 29. Juli 2010
Am liebsten "weggebeamt": Müllers Diskus-Debakel
Sie kam als Favoritin und ging als Verliererin. Ein Jahr nach Platz sechs bei der Heim-WM in Berlin erlebt Diskuswerferin Nadine Müller ein Debakel. Nur Achte bei der EM in Barcelona. Am liebsten hätte sie sich mit der Fernbedienung aus dem Olympiastadion gebeamt.
"Muss das an diesem Tag passieren?" Nadine Müller.
(Foto: dpa)
Nach dem Diskus-Debakel stellte sich Nadine Müller tapfer den Reportern und quälte sich sogar ein Lächeln ab. Doch als sie endlich raus war aus der Mixed Zone, da rollten die Tränen. "Das war der Punkt, wo alles raus musste, all die Emotionen. Da stand dann mein Trainer, und ich habe einfach losgeheult", gestand die 24-Jährige. Platz acht statt Medaille - am Ende des Tages stand die Mitfavoritin im Diskusring mit leeren Händen da. "Das war eine herbe Enttäuschung, dann kann man auch Debakel sagen. Ich war heute ganz, ganz schlecht", sagte Müller.
Die lange Blonde fand im Diskus-Finale der Leichtathletik-Europameisterschaften einfach einfach nicht den richtigen Dreh. Ausgerechnet beim Saisonhöhepunkt in Barcelona nur schlappe 57,78 - genau zehn Meter unter ihrer Weltjahresbestleistung. "Den ganzen Tag möchte ich nicht aus meiner Erinnerung streichen, aber den Wettkampf schon", meinte die Hallenserin, die in der Qualifikation noch ganz souverän aufgetreten war. "Da hat mir Franka Dietzsch gleich eine SMS geschickt und mir Mut gemacht. Das fand ich nett", bedankte sich Nadine Müller bei der dreifachen Weltmeisterin.
"Aber ich muss das jetzt abhaken"
Schon beim Einwerfen hatte die WM-Sechste von Berlin so ein komisches Gefühl. "Das lief schlecht. Und dann fragst du dich: Muss das an diesem Tag passieren? Am liebsten hätte ich mich mit einer Fernbedienung an einen anderen Ort gebeamt." Nach drei Versuchen musste sie mit dieser Trainingsweite sogar zittern, überhaupt ins Finale der besten Acht zu kommen. Besser wurde es danach auch nicht. "Aber ich muss das jetzt abhaken. Und vor allem weiß ich: So etwas passiert mir nur ein Mal." Die Bilanz eines verkorksten Abends klang fast wie ein Schwur.
Vielleicht war der Druck, endlich die überfällige erste Medaille für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) holen zu müssen, einfach zu groß. "Alle haben vorher gesagt: 'Mülli', du packst das, da geht heute was. Das bleibt dann irgendwie im Hinterkopf", erklärte Nadine Müller, für die nun der Leichtathletik-Alltag wieder beginnt: Training und Wettkampf. "Ich starte noch bei zwei Meetings der Diamond League, in London und Brüssel", kündigte die 1,93 Meter große Athletin aus Halle an der Saale an. Außerdem plant die deutsche Meisterin Auftritte in Sondershausen, Bad Köstritz und Neubrandenburg.
Ralf Jarkowski, dpa
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