Sport
Kindergarten an der Seitenlinie: Roger Schmidt.
Kindergarten an der Seitenlinie: Roger Schmidt.(Foto: dpa)

BVB gewinnt das Top-Duell: Leverkusens Trainer Schmidt sorgt für Eklat

Fußballerisch ist das in Ordnung, was die Leverkusener und Dortmunder im Spitzenspiel der Bundesliga zeigen. Für Aufregung allerdings sorgt Bayers Trainer Roger Schmidt. Weil er sich weigert, den Innenraum zu verlassen, unterbricht der Schiedsrichter die Partie.

Die Dortmunder Borussia hat das von einem Eklat überschattete Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga bei Bayer 04 Leverkusen mit 1:0 (0:0) gewonnen und Platz zwei zementiert. Bayers Trainer Roger Schmidt hatte sich hitzige Wortgefechte mit dem vierten Unparteiischen an der Seitenlinie geliefert und wollte nach dem Siegtor von Pierre-Emerick Aubameyang in der 64. Minute trotz Anweisung nicht auf die Tribüne gehen. Daraufhin unterbrach Schiedsrichter Felix Zwayer die Partie für fast zehn Minuten.

Video

"So ein Spiel zu unterbrechen und so eine Hektik reinzubringen, ist völlig unnötig", sagte Bayers Sportdirektor Rudi Völler. "Ich verlange von Herrn Zwayer, dass er das unserem Trainer erklärt." Stattdessen habe der Schiedsrichter Leverkusen einen klaren Handelfmeter verweigert, echauffierte sich Völler. Stefan Kießling, der Schmidt die Zwayer-Anweisung überbringen sollte, sagte: "Ich möchte das gar nicht groß kommentieren. Es war insgesamt eine Scheiß-Situation und unnötig. Er hätte auch hingehen und ihm das sagen könnten." Sein Dortmunder Kapitänskollege Mats Hummels berichtete aus der Kabine: "Es war relativ relaxt." Dass der Freistoß vor dem 1:0-Siegtreffer zu weit vom eigentlichen Tatort ausgeführt wurde, wie von Bayer moniert, sei in der Bundesliga aber nichts ungewöhnliches. Bei einem Handelfmeter für Bayer hätte sich der BVB nicht beschweren können, gab Hummels zu.

Neben dem drohenden Nachspiel vor dem DFB-Sportgericht gingen die Leverkusener einmal mehr nicht als Sieger vom Platz. Seit dem 2:1 vom 19. Mai 2007 gelang gegen Dorrtmund kein Erfolg. Der BVB vergrößerte im mit 30.210 Zuschauern ausverkauften Stadion den Abstand zum Werksklub auf 16 Punkte und liegt weiter acht Zähler hinter dem FC Bayern. Leverkusen rutschte von Champions-League-Platz drei hinter die Berliner Hertha. Und klar, sie haben auch Fußball gespielt. Für eine Überraschung sorgte Dortmunds Trainer Thomas Tuchel. Im Vergleich zum Europaligaspiel gegen den FC Porto (2:0) änderte er die Startelf auf fünf Positionen. Er ließ Marco Reus, Marcel Schmelzer auf der Bank und nominierte Gonzalo Castro nicht einmal für den Kader. Für ihn ein Affront: Es wäre seine erste Rückkehr zum Ex-Klub gewesen, bei dem er 16 Jahre spielte. Bei Leverkusen kehrte Torjäger Javier Hernandez zurück, passen musste Spielmacher Hakan Calhanoglu wegen einer Zehenentzündung.

Chicharito verpasst den Ausgleich

Die Top-Partie hatte lange wenig Klasse, viele Szenen spielten sich im Mittelfeld ab, wo die Gastgeber engagiert attackierten und nach den Europacup-Einsatz drei Tage zuvor bei Sporting Lissabon (1:0) konzentrierter wirkten. Die neu formierte BVB-Elf konnte dem nicht viel entgegensetzen; durchdachte Spielzüge gab es wenige. "Vom Spiel her kann man sicherlich etwas enttäuscht sein, beide Mannschaften können mehr", lautete der Halbzeit-Kommentar von Bundestrainer Joachim Löw bei Sky. Angetan war er hingegen von Bayer-Innenverteidiger Jonathan Tah, der sich mit seiner Leistung einmal mehr für die Nationalmannschaft empfahl: "Er ist ein Spieler mit viel Potenzial und macht einen sehr konzentrierten, aufmerksamen Eindruck."

Auch Bernd Leno dürfte bei ihm einen guten Eindruck hinterlassen haben. Eine Nachlässigkeit des Bayer-Torhüters in der 7. Minute, als Hendrikh Michitarjan vor dem Tor den Ball abluchste, machte er wenig später wieder gut: Weit vor dem Strafraum klärte er gegen Pierre-Emerick Aubameyang in höchster Not. Der Gabuner hatte kurz vor dem Pausenpfiff auch die beste Chance vor der Halbzeit. Nach einem Querpass stand er völlig allein vor Leno, schoss aber aus 14 Metern vorbei. In der zweiten Hälfte wurde die Partie schwungvoller, aber bot keineswegs große die Unterhaltung für einen "tollen Nachmittag", den sich Bayers Sportdirektor Rudi Völler gewünscht hatte.

Allerdings zahlte sich die Einwechslung von Nationalspieler Marco Reus aus: Er initiierte mit seinem Pass auf Erik Durm, der zu Aubameyang weiterleite das 1:0. Nach dem Führungstreffer kam es dann zum Eklat. Weil Leverkusens Trainer Roger Schmidt, der sich einige erregte Debatten mit dem fünften Mann an der Seitenlinie geliefert hatte, auf Anordnung von Zwayer nicht auf die Tribüne gehen wollte, unterbrach der Berliner Schiedsrichter. Danach hatte Reus kurz vor Schluss das 2:0 auf dem Fuß, Leno rettete erneut. In der Nachspielzeit vergab Chicharito das Leverkusener 1:1.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen