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Kommentare
Im Kreuzfeuer der Kritik: Philipp Lahm.

Im Kreuzfeuer der Kritik: Philipp Lahm.
(Foto: picture alliance / dpa)

Samstag, 27. August 2011

Kritik nach bewährtem Muster: Lahm sucht nach Profil

ein Kommentar von Michael Kreußlein

In seiner Autobiographie "Der feine Unterschied" kritisiert Philipp Lahm ehemalige Trainer und stößt deswegen auf heftigen Gegenwind. Rätselraten herrscht vor allem über die Gründe für die Attacken des 27-Jährigen. Das wahrscheinlichste Motiv: Lahm will sich als Führungsspieler profilieren.

Nein, Rudi Völler gehört nicht zu den zurückhaltenden Vertretern des Profifußballs. Legendär ist seine Medienschelte vor laufenden Kameras, unmittelbar nachdem sich die von ihm betreute deutsche Nationalmannschaft gegen Island blamiert hatte. Plötzlich giftete "Tante Käthe" gegen Chef-Kritiker Günter Netzer und unterstellte TV-Veteran Waldemar Hartmann im Eifer des Gefechts auch noch eine zu stark ausgeprägte Liebe zum Weißbier. Der Wutausbruch stellte sämtliche Vulkane Islands in den Schatten.

Rudi Völler ist mal wieder außer sich vor Wut - zurecht.

Rudi Völler ist mal wieder außer sich vor Wut - zurecht.
(Foto: picture alliance / dpa)

Acht Jahre später holt erneut ein hochrangiger Vertreter des Auswahlteams zum Rundumschlag aus: In seinem Buch "Der feine Unterschied" feuert Kapitän Philipp Lahm mit scharfen Wortsalven auf ehemalige Trainer. Jürgen Klinsmann als Bayern-Coach? Ging gar nicht – schon nach kurzer Zeit hätte auch der Letzte im Team gemerkt, dass der Schwabe eine Luftnummer sei. Louis van Gaal? Ein Selbstdarsteller, dessen Vorstellungen von Menschenführung aus einem anderen Jahrhundert stammten. Felix Magath? Ein Schleifer, dessen Psychotricks nur eine kurze Halbwertszeit hätten.

Auch Rudi Völler bekam sein Fett weg – für seine Defizite bei der Trainingsarbeit. Grund genug für den derzeitigen Sportdirektor von Bayer Leverkusen, von der verbalen Keule Gebrauch zu machen. "Erbärmlich und schäbig" seien Lahms Äußerungen, polterte der 51-Jährige.

Die Suche nach leichten Opfern

Treffender hätte er es kaum formulieren können. Denn während Völlers Reykjavik-Fauxpas purer Emotion geschuldet war, drängt sich bei Lahm der Eindruck auf, er verfolge mit seinen pikanten Äußerungen eine Strategie. Ex-Welttorhüter Oliver Kahn scheint zu wissen, worum es geht: "Es gibt ja auch die Meinung, dass er irgendwie Profil gewinnen möchte", ließ er im ZDF verlauten. Und tatsächlich: Sich mit Äußerungen gegen mehr oder weniger Wehrlose ein raueres Image zu verschaffen, hat Lahm schon vorher versucht.

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(Foto: picture alliance / dpa)

Als die Nationalmannschaft bei der WM 2010 phasenweise mit Traumfußball glänzte, sprach niemand vom Leader Philipp Lahm – obwohl der Verteidiger das Kapitänsamt inne hatte. Das Herz der Mannschaft machten die meisten in Sechser Bastian Schweinsteiger aus. Prompt platzte Lahm mit einer Botschaft an den verletzten "Capitano" Michael Ballack heraus: Er werde die Kapitänsbinde nicht kampflos abgeben. Zunutze machte er sich dabei, dass auch von Ballack keiner sprach - wenn doch, ging es eher darum, ob für ihn überhaupt noch Platz im Mittelfeld von Bundestrainer Löw sei.

Das Risiko einer Attacke war überschaubar. Genauso wie ein gutes Jahr vorher, als Lahm das erste Mal gegen Jürgen Klinsmann geschossen hatte. Auch der bot ein dankbares Ziel, war frisch entlassen und genoss in der Öffentlichkeit längst kein großes Standing mehr. "Wir hatten keine Ordnung auf dem Platz", monierte Lahm im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Die Umstellung von National- auf Klubmannschaft sei Klinsmann "nicht gelungen". Seinen Willen, sich als Führungsfigur zu präsentieren, demonstrierte Lahm noch dazu. Zwei Mal ließ er seinen Gesprächspartner wissen, dass er Klinsmann stets seine Meinung klargemacht habe – ohne dass der Journalist danach gefragt hatte.  

Autobiographie ein Bumerang

Habe den Sprung in den Vereinsfußball nicht geschafft: Jürgen Klinsmann

Habe den Sprung in den Vereinsfußball nicht geschafft: Jürgen Klinsmann
(Foto: picture alliance / dpa)

In seiner Autobiographie geht Lahm nach bewährtem Schema vor. Seine "Opfer" sind in der Öffentlichkeit mehr oder weniger abgemeldet. Klinsmann wird nach wie vor als der Trainer belächelt, der auf dem Trainingsgelände des FC Bayern Buddha-Figuren aufstellte, van Gaal gilt sowieso als beratungsresistenter Sturkopf. Felix Magath hat in seinem zweiten Jahr bei Schalke 04 viel  an Glanz eingebüßt und fällt vor allem durch rätselhafte Kauforgien auf. Und auch Völler darf man ärgern – der ist und bleibt eben "Tante Käthe".

Zu einem "Tough Guy" des deutschen Fußballs wird Lahm mit seiner Taktik allerdings nie mutieren. Schließlich klopft niemand dem auf die Schulter, der hinterrücks auf nichtsahnende Menschen einprügelt.

Angst vor der eigenen Courage?

Und wer hat schon Respekt vor dem, der ehemalige Weggefährten bloß stellt, während er den für ihn relevanten Entscheidungsträgern Honig um den Mund schmiert? Genau dies tut Lahm, wenn er inmitten seiner Tiraden zum Loblied auf den aktuellen Bundestrainer ansetzt: "Jogi Löw erweist sich schon bei den ersten Trainingseinheiten als gewiefter Taktiker. Es ist interessant, was er über jede einzelne Position zu sagen weiß, vor allem für einen Spieler, dem bisher kein Trainer Anregungen gegeben hat, wie er die Position des linken Verteidigers vielleicht interpretieren könnte'".

Wer in der öffentlichen Wahrnehmung als Führungspersönlichkeit gelten will, sollte die Dinge anprangern, die ihm aktuell Bauchschmerzen bereiten. Diesen Ansatz hat Lahm ausprobiert, als er dem FC Bayern im November 2009 offen das Fehlen einer Philosophie vorwarf. Das Ergebnis: Alpha-Tier Uli Hoeneß zürnte, Lahm kuschte - und entschuldigte sich: "Philipp hat eingesehen, dass es besser gewesen wäre, mit seiner Meinung direkt den Weg zum Vorstand zu suchen", hieß es in einer Pressemitteilung. Eine Philosophie lassen die Münchner noch heute vermissen. Deswegen müsste Philipp Lahm eigentlich in Kürze der Kragen platzen – in guter alter Rudi Völler-Manier. Eigentlich.

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Kommentare
karlheinz schreibt:
27.08.2011 12:37

Von Ballack rede ich jetzt nicht. Aber nicht nur für mich hatte sich Lahm mit seiner zu einer völligen Unzeit erfolgten Kanditaturanmeldung auf den Kapitänsposten lebenslang disqualifiziert. Ich ersuche n-tv, alle Meldungen, in denen der Name dieses laufenden Meters vorkommt, einfach zu löschen. Das wäre ein Beitrag zur Erhöhung der journalistischen Qualität von n-tv.


Kordes schreibt:
27.08.2011 13:03

kleine Menschen wollen auch gesehen und gehört werden, egal auf welcher Art und Weise. Seine Kapitänsbinde sollte er freiwillig abgeben. Das wäre ein wunderbarer Zug von ihm.


SamDr schreibt:
27.08.2011 13:19

Ich verstehe die Presse nicht. Der Inhalt interresiert weniger wie die Frage wie ein Philipp Lahm so was schreiben kann, und was er damit erreichen will. Ist denn dass war er schreibt falsch? Über die hier erwähnten Opfer wird lediglich die Wahrheit berichtet und das macht sie zu Opfern??? Ich finde es richtig und auch gut dass jemand den Mut hat die Maske von sog. Legenden etwas anzuheben und uns ein Stück vom wahren Gesicht dieser Menschen zeigt.


Thomas-Paulus schreibt:
27.08.2011 13:23

Ich kann mich dem Kommentar von Karlheinz nur anschliessen! Lahm kann einen nur noch leid tun. Fussballspielen kann er einigermassen, aber mehr auch nicht! Meiner Meinung nach hat null Ausstrahlung auf dem Platz und definitiv kein Führungsspieler und Capitano! Von seinem Capitano würde ich mir als Mitspieler nichts sagen lassen! Wer oder was ist Lahm ???


werner zdravko schreibt:
27.08.2011 13:59

Wer würde denn schon ein Buch wollen,das von dem kleinen lagweiligen Lahmdas ist der mit der langweiligen Spielveranlagung verfasst ist? Es sei denn,das man vorher sagt,das im Buch über ehmalige Trainer und Kolegen hinterpforzig negatives und aktuelle Trainer schleimhaft positives steht!


Norbert schreibt:
27.08.2011 14:32

Löw sollte diesem um Profil ringenden unsportlichen Lahm die Kapitänsbinde abnehmen. Es kann doch nicht sein,daß dieses Verhalten ungestraft bleibt.


SamDr schreibt:
27.08.2011 14:34

Dass Lahm einigermassen Fussballspielen kann, kann nur von jemand kommen der keine Ahnung hat. Dass er mit seiner stets fairen und ruhigen Art nicht die Presse auf sich zieht heißt nicht dass er kein Führungsspieler ist. Wie hat er es denn eigentlich sowohl in der Nationalmanschafft als auch bei Bayern an Klose, Schweini, ... vorbei geschafft??? Allein die Spieleinsätze zeigen doch dass er absolute Weltklasse spielt, und dass bei nicht ganz unwichtigen Vereinen und Länderspiele. Diesen Spieler hier so zu kritisieren zeigt dass für viele nicht die wirkliche Leistung zählt, sondern wie gut jemand auftritt ...


kati schreibt:
27.08.2011 15:12

..einfach nur charakterlos der Lahm und auch sehr schwach vom DFB nicht zu reagieren. Aus Lahms Äusserungen zu seinen ehemaligen Bundertrainern entnehme ich auch eine gewisse Kritik am DFB, da dieser ja für die Einstellung der Nationaltrainer verantwortlich ist. Trainer schlecht, ergo DFB unfähig gute gemessen an Phillip Lahms Vorstellung eines perfekten Trainers Trainer einzustellen. Statt Magath zu kritisieren, sollte er vielmehr Dankbar sein, dass dieser ihn zum Bundesliga-Spieler gemacht hat. Was aber wieder mit Charakter zu tun hat, den Phillip Lahm nicht hat. Einfach nur erbärmlich, da hat Herr Völler absolut recht!


NN schreibt:
27.08.2011 20:39

wer im Umfeld des DFB gegen den Strom schwimmt, wird niedergemacht. Wer genau liest, der weiß das er Recht hat. Auch die Funktionäte im Umfeld des DFB müssen daran denken, dass ausschl. so herausragende Spieler wie Lahm ihre Jobs und ihr Image sichern - also selten sie selbst. Jeder hat das REcht, seine sachliche Meinung zu artikulieren - aber wer will schon Mitschwimmer hören - oder?


Maulheld schreibt:
27.08.2011 22:47

Hat schon jemand von den Postern das Buch gelesen um sich eine faire Meinung zu bilden? Oder erfolgt die Meinung ausschließlich basierend auf diese Nachricht? Nur mal zum nachdenken ...


C. schreibt:
28.08.2011 02:19

Was ist daran so schwer zu verstehen? Lahm ist ehrgeizig und er will öffentliche Anerkennung. Wie sehr muss es Lahm da wurmen dass er zwar die Binde ergattert hat, aber trotzdem schaut niemand auf ihn wenn der FCB oder die Nationalmannschaft auf dem Platz stehen. Auf dem Platz da, wo es wirklich zählt schaut alles auf Bastian Schweinsteiger, er ist Kopf, Herz und Motor beider Mannschaften. Und weil Lahm auf dem Platz nicht punkten kann, versucht er es eben anders: mittels seiner Partnerschaft mit der Bild-Zeitung oder eben jetzt mittels dieser Abrechnung mit Ex-Trainern. Das Ganze ist ebenso durchschaubar wie billig und ein verzweifelter Versuch, mehr aus sich zu machen als da ist. Da kann er noch so viele glattgebügelte Inverviews geben oder Bücher schreiben, er wird trotzdem immer im Schatten von Schweinsteiger stehen. Und das zu Recht! Nebenbei: Ohne Schweinsteigers wohlwollende Billigung des Status Quo würde Lahms Stern als Kapitän ganz schnell sinken!


ich schreibt:
28.08.2011 02:24

Ein Kevin Kuranyi wurde mit Schimpf und Schande aus dem Kader der Nationalmannschaft ausgeschlossen, weil er im Affekt ein Stadion verlassen hat. Aber ein Philipp Lahm darf ungestraft mit Kalkül gegen Ex-Trainer, seinen Verein und den DFB nachtreten?! Das MUSS Konsequenzen haben!


Mike schreibt:
28.08.2011 10:16

Ich hätte mal da einen Tip!Erst das ganze Buch lesen und dann Urteilen.Das ganze hat ja nur Bildungslücken Niveau was hier im großteil geschrieben wird.Das Lahm ein richtig guter Kicker ist läßt sich anhand der Einsätze sehen und so schlecht kann sein Charakter nicht sein!!!Oder der Fußball wäre Charakterlich auch erbärmlich!!!!!Siehe Reaktionen.....und was ist dann eigentlich ein Weidenfeller?????


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