Donnerstag, 22. September 2011
Ein Getriebener stoppt sich selbst: Ralf Rangnick verdient Respekt
ein Kommentar von Stefan Giannakoulis
Ralf Rangnick ist am Ende seiner Kraft, sagt das auch, hört als Trainer des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 auf und erntet dafür Respekt. Und das mit Recht. Denn was normal sein sollte, ist es in der Welt des Hochleistungssports noch lange nicht.
Also alles völlig normal? Nein, ist es nicht: Ralf Rangnick.
(Foto: dpa)
Man könnte ja auch sagen: Na und? Da ist ein Fußballtrainer am Ende seiner Kraft, sagt das seinem Arbeitgeber und tritt zurück. Ralf Rangnick ist krank, er muss sich erholen. Alles andere ist egal. Und das berufliche Risiko hält sich in Grenzen. Wird er gesund, bekommt er auch wieder einen Job in der Bundesliga. Bis dahin wird sich niemand melden, der seine Entscheidung nicht gutheißt. Sein Verein, der FC Schalke 04, reagiert verständnisvoll. Manager Horst Held sagt: "Wir können ihm nur zusichern, dass wir weiter engen Kontakt halten und ihn bei seiner Gesundung unterstützen werden."
Also alles völlig normal? Nein, ist es nicht. Nicht in der normalen Arbeitswelt, erst recht nicht im Hochleistungssport, und schon gar nicht in der Stressbranche Profifußball. Es ist mutig, sich zu seinen Schwächen zu bekennen. Sich hinzustellen und zu sagen: Es tut mir leid, aber ich kann nicht mehr. Der Druck ist zu groß, ich komme damit nicht klar. Das dürfte auch Ralf Rangnick nicht leicht gefallen sein. Vor allem deshalb nicht, weil er das aufgrund seiner exponierten Position in aller Öffentlichkeit tun musste. Sein ebenso überraschender wie spektakulärer Entschluss deutet darauf hin, dass der Leidensdruck enorm gewesen sein muss.
Eigentlich wollte er nach Hoffenheim pausieren
Denn Ralf Rangnick war keiner, der sich ausruhte. Ein Blick in seine Vita als Trainer zeigt das. Seit mehr als 16 Jahren war er nahezu ununterbrochen im Amt. Die sechs Monate nach seiner Trennung von Hannover 96 von März bis September 2004, als er erstmals beim FC Schalke antrat, waren seine längste Auszeit. Wie sehr ihm sein Beruf wirklich zugesetzt hat, haben wir nun erfahren.
Noch im Januar dieses Jahres, nachdem er sich im Unfrieden von der TSG Hoffenheim getrennt hatte, sprach er davon, nun zumindest bis zum Sommer pausieren zu wollen. Doch schon im März trat er die Nachfolge von Felix Magath in Gelsenkirchen an. Als er im Februar 2001 als Trainer des VfB Stuttgart in die Kritik geriet und ihn die eigenen Fans auspfiffen, kündigte er. Und sprach in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" davon, "leer und ausgelaugt" zu sein.
Burnout als Ergebnis einer langen Entwicklung
Mediziner beschreiben das Burnout-Syndrom als Ergebnis einer Entwicklung, die oft mit idealistischer Begeisterung beginnt und über frustrierende Erlebnisse zu Desillusionierung, Apathie, Depression, Aggressivität und erhöhter Suchtgefahr führen kann. Menschen, die lange an ihrer Leistungsgrenze arbeiten, sich extrem engagieren oder hohe Erwartungen an sich haben, sind Kandidaten für eine Erkrankung. Auf den ehrgeizigen, rastlosen, bisweilen getrieben wirkenden Ralf Rangnick treffen diese Merkmale zu. Aber er hat das Beste getan, was er machen konnte, das einzig Vernünftige. Er hat sich selbst gestoppt.
Und so könnte seine Entscheidung doch auch eine Chance sein. Zuallererst für Ralf Rangnick selbst. Vielleicht aber hat er auch ein Signal für andere gesetzt. Oder wie Leverkusens Trainer Robin Dutt es sagte: " Wir müssen alle akzeptieren, dass Fußball nicht das Wichtigste auf der Welt ist." Ralf Rangnick hat gezeigt, dass man aufhören kann, wenn es nicht mehr weitergeht. Dass man aufhören muss, bevor es zu spät ist. Dafür gebührt ihm Respekt. Denn normal ist das nicht.
Der Arme tut mir leid! Leider habe ich nicht so viele Millionen auf dem Konto, dass ich es mir leisten könnte, meinem Chef zu sagen, dass ich mal dringend eine Auszeit brauche. Ich frage mich, was diese Jammerartikel über unsere wirklich sehr reichen Mitbürger sollen.
Es wäre schön gewesen, wenn die Vereinsführung von Schalke 04 im Zusammenhang mit den m.E. geschmack- und charakterlosen Fanproteste gegen ihren früheren Leistungsträger Manuel Neuer ebenso viel Mitgefühl und Verständnis gezeigt hätte. Abgesehen davon gebührt den häufig zu Unrecht und zu scharf kritisierten Profi-Trainern selbstverständlich auch dann Respekt, wenn sie nicht gesundheitliche Probleme haben. Die Hire-and-Fire-Politik in diesem Geschäft ist nicht nur menschenverachtend, sondern, wie man im Falle von Herrn Rangnick sieht, auch grob gesundheitsgefährdend. Ansonsten ist es interessant zu sehen, dass dem Rücktritt eines Fußball-Trainers in den deutschen Medien fast genauso viel Raum beigemessen wird wie dem offiziellen Besuch eines deutschen Papstes in seinem Heimatland. Da sieht man wieder einmal, wie hoch der Stellenwert des Fußballs in diesem Land ist.
Ralf, der Kommentar Schreiber, Du bist doch ne ganz arme Sau. Du kannst deinen Chef ruhig fragen ob er dich entbehren kann, für dich gibt es bestimmt genug Ersatz.
Hey Ralf, du solltest auch mal eine Auszeit nehmen.
@Ralf Auch Reiche haben ihre Sorgen. Wie du siehst macht Geld allein nicht glücklich. Außerdem ist das auch ein mensch wie du und ich, der an einer schlimmen phsychischen Erkrankung leidet. Was soll also diese abfällige bemerkung. Hast du etwa was gegen unsere reicheren Mitbürger oder bist etwa ein Kommunist?
Es gibt andere, die sich täglich Anti Depressiva einwerfen müssen um den nächsten Tag bestehen zu können. Eine Auszeit muss man sich auch leisten können. Und was machen die, die es nicht können ? - zum Arzt rennen, sich selbst zum Spinner erklären lassen, da man in unserer Gesellschaft gefälligst zu funktionieren hat und wer´s nicht packt...ist halt so....
Ich finde einige Kommentare sehr interessant. Ich denke jeder Arbeitnehmer kann sich krank schreiben lassen wenn er tatsächlich unter Burn-Out, Depressionen etc. leidet. Der Arbeitsplatz wird erhalten. Krankenkassen zahlen Therapien etc....ich kenne leider viele Menschen die unter o.g. Symptomen leiden arm und wohlhabend aber nicht den Mut haben sich selbst und ihrem Umfeld einzugestehen das es so ist. Das erfordert Mut und Ehrlichkeit, vor allem sich selbst gegenüber. Jeder der für sich und seine Gesundheit einsteht hat meinen vollsten Respekt, egal wie viel Geld er auf dem Konto hat. RR wünsche ich beste Genesung!
Mein Verständnis hat der RR ja. Aber Respekt? Er hat sich diesen Job ausgesucht und er lässt sich dafür auch sehr gut bezahlen. Im Gegensatz zu Otto Normalverdiener wird er nach seiner Auszeit keine Probleme haben, erneut eine Anstellung zu finden. Das sei ihm auch alles gegönnt, aber mehr als eine Fußnote ist das ganze kaum wert, sicherlich aber nicht einen derart verherrlichenden Artikel wie diesen. Um das ganze mal mit einem Wort aus dem Internet-Slang zusammenzufassen: Wayne?
Natürlich kann man argumentieren, Herr Rangnick sei in der komfortablen Situation, sich keine finanziellen Sorgen machen zu müssen. Aber der Artikel beeindruckt mich unter einem ganz anderen Hintergrund: Hat die Sensationsjournaille nach dem Selbstmord von Robert Enke die geradezu historische Gelegenheit verpasst, das Thema psychische Krankheiten aus der Tabu-Ecke zu holen, so ist der Artikel heute über Rangnick ein meines Erachtens gut gelungener Beitrag, das Thema authentisch zu beleuchten. Burn-Out wird viel zu oft in völlig falschem Kontext verwendet, dient viel zu oft als Ausrede für mangelnden Leistungswillen oder schlichtweg Faulheit. Aber beides kann man Rangnick nicht nachsagen, und so wäre schön, wenn am Beispiel dieses doch offenbar beliebten Sportlers ein Umdenken in den Medien, in der Bevölkerung generell und im Umgang miteinander angestossen werden könnte.
Großer Respekt an R.R.,sicherlich gibt es im Leben Anspannung und Entspannung, jedoch die innere Ruhe und Gelassenheit zu fühlen braucht Sensibilität auf höchster Ebene. Ich kann Ihn nur gratulieren, jetzt braucht dieser Mensch seinen Ausgleich, sei es im Teil-Aktiven Bereichen in der Form mit Natur..., Wandern, Skifahren, Malen, Musik spielen oder eine neue Sprache lernen. Toi, toi, toi der ehrliche Schritt eines Menschen gebührt egal in welcher Einkommensklasse er steht: Anerkennung und bitte keine Neider siehe oben der Kommentar. Es liegt in jedem selbst wie er sein Leben gestaltet. In diesem Sinne buen Camino und Lachen net vergessen. Ich wünsche R.R. viel Erfolg aber vor allem Ruhe und der nächsten Zeit.
Also ihr habt doch echt alle eine am Beutel. Er hat sich vielleicht den Job ausgesucht, aber seine Krankheit nicht. Eine Krankheit kann man nicht mit Millionen heilen. Ihr habt über das Krankheitsbild und möglich Folgen überhaupt keine Ahnung. Also hört auf mit diesen lächerlichen Kommentaren und informiert euch besser, bevor ihr so einen Schmarrn schreibt.
Für mich geht die Bewertung des Rücktritts RR - egal was man lesen und hören kann- an der eigentlichen Sache vorbei. Es wird von Respekt vor der Entscheidung gesprochen...als hätte RR in seiner gesundheitlichen Situation eine andere Wahl gehabt. Die Beurteilung der Entscheidung durch Dritte ist anmaßend, gibt man dem Kranken doch immer das Gefühl sich rechtfertigen zu müssen. Was Burnout wirklich bedeutet, wohin es führen kann und welche Konsequenzen für den weiteren Lebensweg damit verbunden sind...nur wenige können sich ein wirkliches Bild um die Situation der Betroffenen machen, aber so viele Denken darüber Bescheid zu wissen, setzen in Unkenntnis die Krankheit mit persönlichem Arbeitsstress und -belastung/ schwere Krankheit mit wohltuender Auszeit vom Beruf gleich.