Wirtschaft
Auch die Feldarbeit wird digital: Ein vernetzter Traktor am Stand von Claas zieht bei der CeBIT-Highlight-Tour die Aufmerksamkeit der Presse auf sich.
Auch die Feldarbeit wird digital: Ein vernetzter Traktor am Stand von Claas zieht bei der CeBIT-Highlight-Tour die Aufmerksamkeit der Presse auf sich.(Foto: imago/Future Image)

Industrie verpasst den Anschluss: BDI warnt vor digitalem Rückstand

Die deutsche Industrie muss sich sputen, um mit der digitalen Revolution Schritt halten zu können. Zu diesem Schluss kommen die Wirtschaftsforscher vom BDI und HWWI. Internet-Riesen wie Google stünden schon bereit, um das Zepter zu übernehmen.

Die deutsche Industrie könnte nach Ansicht des Bundesverbands der Industrie (BDI) den Anschluss an die digitale Revolution verpassen. In diesem Falle würde das "industrielle Herz der deutschen Wirtschaft" bis 2025 Wertschöpfungs-Einbußen in Höhe von 220 Milliarden Euro erleiden, berichtete die "Welt am Sonntag" vorab aus einer vom BDI in Auftrag gegeben Studie der Unternehmensberatung Roland Berger.

Insbesondere die Automobil- und Logistikindustrie wären betroffen. "Fest steht, die Internet-Unternehmen aus dem Silicon Valley stehen bereit und haben das Potenzial der einst fremden Branchen längst erkannt - beispielsweise Google", zitiert das Blatt aus der Studie.

Sollten es die Auto- und Maschinenbauer dagegen schaffen, den Anschluss zu halten, könnte Europa in dem Zeitraum einen Zuwachs von 1,25 Billionen Euro an industrieller Wertschöpfung verzeichnen. "Die Wirtschaft fordert, zügig den digitalen Binnenmarkt mit einheitlichen Regeln zu verwirklichen", erklärte BDI-Präsident Ulrich Grillo dem Blatt zufolge.

Auch das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut sieht bei der Digitalisierung der Industrie neben den Chancen auch erhebliche Risiken. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sollten Strategien entwickeln, um den Prozess des Wandels aktiv zu gestalten, mahnt HWWI-Direktor Christian Growitsch. Weitreichende Auswirkungen der Digitalisierung seien schon heute im Handel mit Waren zu beobachten, so der HWWI-Experte. "Räumliche Marktgrenzen verschwinden und selbst für lokale Nischenprodukte kann sich ein globaler Absatzmarkt bieten."

Die Marktstrukturen veränderten sich schneller als in früheren Phasen des technologischen Wandels. "Die Entwicklung ist keineswegs abgeschlossen und die Zukunft des digitalisierten Handels ist mit vielen Fragezeichen versehen", sagte Growitsch. Nach wie vor sei unklar, wie die Geschäftsmodelle der Zukunft aussehen werden.

Was ist Industrie 4.0?

Die Digitalisierung der Industrie ist eines der Hauptthemen auf der Cebit, die am Montag in Hannover beginnt. Die Bezeichnung "Industrie 4.0" soll die vierte industrielle Revolution zum Ausdruck bringen. Die erste bestand in der Mechanisierung mit Wasser- und Dampfkraft, darauf folgte die zweite industrielle Revolution: Massenfertigung mit Hilfe von Fließbändern und elektrischer Energie. Daran schloss sich die digitale Revolution an, die den Einsatz von Elektronik und IT zur weiteren Automatisierung der Produktion beschreibt.

Heute steht das Schlagwort Industrie 4.0 für ein Zukunftsbild, in dem die industrielle Produktion mit Hilfe der digitalen Vernetzung und intelligenten Systemen flexibler und effizienter wird. "Damit werden Produktivität und Innovation in der Industrie zunehmen", sagte Growitsch. Auf der anderen Seite erhöhe sich der Wettbewerbsdruck aus Schwellen- und anderen Industrieländern und klassische Geschäftsmodelle könnten unter Druck geraten.

Quelle: n-tv.de

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