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Notenbank schreibt Geschichte: Fed wagt Zinswende

Von Jan Gänger

Es ist eine Zäsur: Zum ersten Mal seit mehr als neun Jahren hebt die US-Notenbank die Leitzinsen an. Das ist der Anfang vom Ende der ultralockeren Geldpolitik.

Sie hat es getan: US-Notenbankchefin Janet Yellen hat eine Zeitenwende eingeleitet und nach langem Zögern die Leitzinsen erhöht. Seit dem Höhepunkt der Finanzkrise gab es in den USA Zentralbankgeld praktisch zum Nulltarif, doch diese Zeit geht jetzt zu Ende.

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Die Notenbank Fed hob das sogenannte Zielband auf 0,25 bis 0,5 Prozent an. Das ist zwar weiterhin äußerst niedrig, aber seit sieben Jahren hatte es lediglich zwischen null bis 0,25 Prozent gelegen. Der Grund: Die Fed wollte die gebeutelte US-Wirtschaft wieder in Gang bringen und den kollabierten Immobilienmarkt Leben einhauchen. Und nach Ansicht der Notenbanker ist das nach langer Zeit endlich gelungen.

Als in den USA die von der Finanzkrise ausgelöste Rezession Ende 2009 endete, war die Arbeitslosenquote auf zehn Prozent geklettert. Mittlerweile ist sie auf fünf Prozent gefallen. Auch der Häusermarkt hat sich erholt. Und so ist es nach Ansicht der Notenbanker an der Zeit, langsam zur geldpolitischen Normalität zurückzukehren.

Überraschend kommt der Zinsschritt nicht, die Fed-Banker haben die Märkte seit langem auf diesen Schritt vorbereitet. Die Märkte reagierten gelassen. Spannend ist, wie es weitergeht. Allgemein wird damit gerechnet, dass die Zinsen im nächsten Jahr langsam weiter steigen.

Bereits im September stand die Zinserhöhung kurz bevor, wurde aber wegen der Börsenturbulenzen in China verschoben. Doch auch wenn allgemein mit der Zinserhöhung gerechnet wurde, sie wird Konsequenzen haben.

Das liegt vor allem daran, dass es wegen der höheren Zinsen nun attraktiver geworden ist, in den USA Geld anzulegen. Vor allem aus den Schwellenländern – aber auch aus der Eurozone - waren deshalb in letzter Zeit hohe Summen abgezogen worden und in den Dollarraum geflossen. So flossen in diesem Jahr dem Bankenverband IFF zufolge bisher mehr als 500 Milliarden Dollar aus China ab und damit so viel wie nie zuvor. Allein im vierten Quartal summiere sich der Kapitalabfluss auf 150 Milliarden Dollar. Diese Entwicklung könnte nun an Fahrt gewinnen, den Dollar weiter stärken und am Devisenmarkt für Turbulenzen sorgen.

Doch nicht nur der Devisenmarkt, auch die Aktienmärkte bekommen die Zinswende zu spüren. Schließlich gilt das Geld zum Nulltarif in den USA, Europa und anderswo als der wesentliche Schmierstoff für die Börsen. Daran ändert auch wenig, dass die Europäische Zentralbank ihre Nullzinspolitik jüngst zementiert hatte. "Mit der Zinserhebung endet eine Dekade des billigen Geldes, auch in vielen aufstrebenden Volkswirtschaften", sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer voraus. Mit anderen Worten: Wegen der Kapitalflucht könnten sich andere Notenbanken gezwungen sehen, die Zinsen ebenfalls anzuheben.

Yellen sieht die Zinserhebung zwar als Signal der Stärke der US-Wirtschaft. Doch zuletzt hat sich die Konjunktur abgekühlt. Die Wirtschaft legte im Sommer aufs Jahr hochgerechnet nur noch um 2,1 Prozent zu, nachdem es im Frühjahr noch 3,9 Prozent waren. Allerdings sehen viele Volkswirte darin kein Grund, die Zinswende hinauszuzögern. Denn der private Konsum, der rund zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung ausmacht, zog weiter an. "Die Verbraucher sind angesichts einer deutlich verringerten Verschuldung gut auf steigende Zinsen vorbereitet", so die Commerzbank-Volkswirt Krämer.

(Hinweis für Mobilnutzer: Die Infografik zur Entwicklung der US-Leitzinsen finden Sie hier.)

Quelle: n-tv.de

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