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Die Börsianer waren auf den Zinsschritt vorbereitet.
Die Börsianer waren auf den Zinsschritt vorbereitet.(Foto: REUTERS)

"Schrittchen aus dem Keller": Zinserhöhung lässt Wall Street kalt

Nach fast zehn Jahren erhöht die US-Notenbank die Leitzinsen - und die Börse gibt sich entspannt. Nur am Devisenmarkt fällt die Reaktion etwas stärker aus.

Es kam wie erwartet: Die Zinserhöhung in den USA ist an den Märkten eher unaufgeregt aufgenommen worden. Zwar zeigten Aktien, Anleihen und Gold in ersten Reaktionen leichte Rücksetzer, überall war aber kurz danach das Ausgangsniveau wieder erreicht. Am Ende schlossen die US-Aktienmärkte sogar deutlich im Plus.

Etwas stärker waren die Bewegungen auf dem Devisenmarkt: Der Dollar schwankte zwischen Gewinnen und Einbußen hin und her innerhalb der Spanne zwischen 1,09 und 1,10 je Euro. Zuletzt kostete der Euro nur noch 1,09 Dollar. Zwischenzeitlich hatte der Dollar nicht nur zum Euro nachgegeben, getreu dem Motto "Buy the rumour, sell the fact", ehe ihn die Aussicht auf weiter steigende US-Zinsen letztlich doch etwas steigen ließ.

Die US-Notenbank hatte den sogenannten Zielkorridor für den Leitzins von 0,00 bis 0,25 auf 0,25 bis 0,50 Prozent angehoben.  Händler werten den Schritt als Vertrauensbeweis der US-Notenbank in die Robustheit der US-Konjunktur.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss mit einem Plus von 1,28 Prozent auf 17.748 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 1,45 Prozent auf 2073 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq ging mit plus 1,52 Prozent bei 5071 Stellen aus dem Handel.

"Janet Yellen hat die am besten vorbereitete Zinserhöhung der Geschichte vollzogen. Sie hat geliefert, was versprochen und am Markt erhofft war. Mit der Aussicht auf eine positive US-Wirtschaft und mögliche, aber längst nicht sichere Zinsschritten 2016 können die Investoren gut leben", sagte Daniel Saurenz von Feingold Research gegenüber n-tv.de. "Da die Aktienmärkte zudem in den letzten Jahren ab Mitte Dezember freundlich tendierten, steht einer kleinen Weihnachtsrally nichts im Weg. Yellen macht damit wieder gut, was Kollege Mario Draghi in Frankfurt Anfang Dezember kommunikativ misslungen war. Da alles gut vorbereitet war überrascht es auch kaum, dass weder Euro noch Gold signifikante Sprünge hinlegen. Nicht vergessen darf man obendrein, dass ein erster Mini-Zinsschritt noch längst nicht ein Umfeld hoher Zinsen bedeutet sondern nur ein Schrittchen aus dem Keller", ergänzte Saurenz.

"Die ersten Marktreaktionen auf diesen Schritt sollte man nicht überinterpretieren", sagte Stefan Kreuzkamp, Chief Investment Officer im Asset Management der Deutschen Bank. "Diese spiegeln viel eher kurzfristige Neupositionierungen einiger Investoren und den dünnen Handel in der Vorweihnachtszeit wider, als dass sie für eine grundsätzliche Neueinschätzung stehen, in welche Richtung sich die US-Wirtschaft entwickelt."

"Wir rechnen mit zwei weiteren Zinserhöhungen der amerikanischen Notenbank", so Kreuzkamp mit Blick auf 2016. Es werde wieder spannender, die Fed zu beobachten, als noch in den vergangenen Jahren.

Das meint auch Christopher Probyn, Chefökonom bei State Street Global Advisors. "Die Zinserhöhung wird eine volatile Phase einleiten. Der Markt wird von nun an vor jedem Treffen der Federal Reserve darüber spekulieren, ob die Notenbank eine Anhebung der Zinsen verkündet oder doch lieber abwartet. Zwar belasten Zinsanstiege die Aktienmärkte leicht, jedoch erhöhen Notenbanken Zinsen in der Regel nur in Zeiten einer robusten Konjunktur. Deshalb sollten sich die Erträge weiterhin akzeptabel entwickeln". Der Dollar hingegen werde gestärkt, zu Lasten von Schwellenländern. Mit steigenden Renditen in den USA würden die Kapitalausflüsse aus den Schwellenländern weiter erhöht.

Unter den Einzelaktien legen First Solar um mehr als 9,7 Prozent zu. Für Fantasie sorgt hier, dass der Kongress zur Kompensation für die Aufhebung des Erdölexportverbots erneuerbare Energien steuerlich besser stellen will.

Walt Disney steigen um 1,5 Prozent zum Kinostart der neuesten Episode der Saga "Krieg der Sterne". Valeant Pharmaceuticals International zeigen sich nach einem gesenkten Ausblick des Pharmakonzerns mit einem Plus von 8 Prozent. Amgen gewinnen nach einer angehobenen Dividende 0,5 Prozent. Der Industrieausrüster Dover hat seinen Gewinnausblick gesenkt, die Aktie büßt 1,1 Prozent ein.

Honeywell hat sich kurz vor der jährlichen Investorenkonferenz für 2016 optimistischer als 2015 geäußert und damit die Markterwartungen getroffen. Die Aktie klettert um 5,7 Prozent. Global Payments verlieren 8,9 Prozent, während Heartland um 11,6 Prozent zulegen, nachdem Global Payments die Übernahme von Heartland Payment Systems für 4,3 Milliarden Dollar angekündigt hat.

Dax im Plus

Mit leichten Gewinnen verabschiedete sich der Dax aus dem historischen Börsentag. Zwischenzeitlich mit einem Plus von mehr als einem Prozent waren es am Ende noch 0,2 Prozent Zuwachs, die den Dax auf 10.469 Punkte schoben. Belastend wirkte sich einmal mehr der Ölpreis aus. Nachdem die wöchentlichen Rohöllagerbestände in den USA deutlich oberhalb der Markterwartung ausgefallen waren, fiel der Preis nach seiner jüngsten Erholung wieder.

Frankfurt: Mode-Aktien geraten unter Druck

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Der Dax schloss am Ende mit einem Plus von 0,2 Prozent und stieg auf 10.469 Punkte. Für den MDax ging es um 0,9 Prozent nach oben auf 20.664 Zähler. Auch der TecDax legte zu und verbesserte sich um 0,2 Prozent auf 1793 Punkte. Um ebenfalls 0,2 Prozent nach oben ging es für den Euro-Stoxx-50, der auf 3247 Punkte kletterte.

Stärkster Wert im Dax waren RWE, die um 3,4 Prozent zulegten. Auch Eon standen mit einem Plus von 1,4 Prozent weit oben im Dax. Auf der Verliereseite fanden sich Infineon wieder, die mit einem Minus von 3,0 Prozent die rote Laterne innehatten. Weiterer Verlierer waren Beiersdorf mit einem Minus von 0,8 Prozent.

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Mit Steilmann und Adler Modemärkte hatten gleich zwei börsennotierte Unternehmen in Deutschland ihre Prognosen gesenkt. Die Kurse des westfälischen Modeherstellers und des unterfränkischen Bekleidungshauses gerieten unter Druck: Im Xetra-Handel verloren Steilmann rund 16 Prozent, Adler Modemärkte gaben um 6,4 Prozent nach. Auch Gerry Weber büßten 1,6 Prozent ein, Tom Tailor verloren 7,8 Prozent.

Aktien von Rocket Internet büßten 2,8 Prozent ein nach Ergebnissen der Startup-Schmiede in den ersten neun Monaten 2015. Die Proven Winners, die am weitesten fortgeschrittenen Beteiligungen von Rocket Internet, haben beim Umsatz um 120 Prozent zugelegt. Vor drei Monaten betrug das Wachstum noch 142 Prozent.

Papiere von Carl Zeiss Meditec verteuerten sich um 7,0 Prozent. Der Hersteller von Medizintechnik hat den Gewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr um 8 Prozent auf 130,6 Millionen Euro gesteigert. Dialog Semiconductor gaben um 4,8 Prozent nach. Mit Bryan Garnier, Kepler Cheuvreux und Exane-BNP hatten gleich drei Broker die Kursziele für die Aktie gesenkt.

Asien: Nikkei wieder über 19.000

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Unterschiedlich präsentieren sich zur Wochenmitte die Börsen in Asien. Die Vorgaben aus den USA sind gut; die bevorstehende Fed-Zinswende scheint ihren Schrecken verloren zu haben. Überdies hat der Ölpreis am Dienstag seine Erholung fortgesetzt.

In Tokio setzt der Nikkei-225 seine Klettertour fort. Der japanische Leitindex gewinnt 2,6 Prozent und schließt bei 19.050 Punkten. Er profitiert dabei auch von dem wieder schwächeren Yen.

Vergleichsweise bescheiden fällt das Plus in China aus. Der Shanghai Composite steigt um 0,2 Prozent und schließt bei 3516 Zählern, in Hongkong verliert der Hang Seng 0,2 Prozent auf 21.274 Punkte. Chinesische Anleger setzen auf Exportwerte, die Nutznießer eines festeren Dollar wären und überdies von der stärkeren Kaufkraft der US-Verbraucher profitieren dürften.

Die höchsten Gewinne verbuchen Aktien der Textil- und Ölbranche. Die Erholung der Ölpreise beflügelt in ganz Ostasien die Aktien der Energiebranche. In Hongkong gewinnen CNOOC 3,8 und Sinopec 9,4 Prozent. In Hongkong bricht der Kurs von Prada um über 8 Prozent ein. Der Luxusgüterhersteller hat enttäuschende Geschäftszahlen vorgelegt.

Rohstoffe: Die Ölpreis-Erholung ist vorüber

Am Ölmarkt, von wo zuletzt die stärkeren Impulse ausgingen für den Aktienmarkt, nähern sich die Preise für US-Leichtöl der Sorte WTI und europäisches Referenzöl der Sorte Brent an. WTI verbilligte sich im Vergleich zum späten US-Handel am Dienstag um über 2 Prozent auf zuletzt 35,63 Dollar je Fass, Brent in ähnlicher Größenordnung auf 37,38 Dollar.

In der jüngeren Vergangenheit war die Preisdifferenz stets deutlich höher ausgefallen. Hintergrund der Entwicklung sind Pläne des US-Kongresses, das seit 40 Jahren geltende Verbot von Ölexporten zu beenden. Damit will die US-Politik verhindern, dass das Erdölkartell Opec mit der Flutung der Märkte die US-Konkurrenz in die Knie zwingt. An der Ölschwemme dürfte sich mit dem Schritt jedoch nichts ändern - im Gegenteil.

Devisen: Euro klar unter 1,10 Dollar

Am Devisenmarkt schwankte der Dollar zwischen Gewinnen und Einbußen hin und her innerhalb der Spanne zwischen 1,09 und 1,10 je Euro. Zuletzt kostete der Euro nur noch 1,09 Dollar.

Wirtschaftsdaten aus dem Euroraum und aus den USA hatten keinen nachhaltigen Effekt auf die Wechselkurse. Die Unternehmensstimmung in der Eurozone hatte sich von einem hohen Niveau aus etwas eingetrübt. Der Preisauftrieb war im November etwas stärker ausgefallen als bisher errechnet. Aus den USA gab es positive Signale vom Häusermarkt. Im November waren überraschend viele Hausbauten begonnen und neue Häuser genehmigt worden. Die Industrieproduktion war dagegen stärker als erwartet gesunken.

Quelle: n-tv.de

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