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Milliardenschwere Flottenplanung: Die Lufthansa sortiert vor allem ihre Spritfresser mit vier Triebwerken aus.
Milliardenschwere Flottenplanung: Die Lufthansa sortiert vor allem ihre Spritfresser mit vier Triebwerken aus.(Foto: REUTERS)

Größte Order der Unternehmensgeschichte: Lufthansa ordert Spritspar-Jets

Der Ankauf neuer Passagierjets zählt zu den wichtigsten strategischen Weichenstellungen im Airline-Geschäft: Die Lufthansa enthüllt nun zukunftsweisende Großaufträge. Die Details des Flottenausbaus verraten viel über die Nöte und Zwänge der Luftfahrtbranche.

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Die Deutsche Lufthansa erweitertet ihre Flugzeugflotte im Langstreckenbereich und bestellt dazu für umgerechnet rund 14 Milliarden Euro knapp 60 neue Maschinen. Das Unternehmen wolle insgesamt 59 Maschinen ordern, davon 25 vom europäischen Hersteller Airbus und 34 vom US-Rivalen Boeing, teilte die Lufthansa mit und bestätigte damit entsprechende Spekulationen. Es ist der umfangreichste Flugzeugauftrag in der Unternehmensgeschichte.

Der Großauftrag umfasst demnach 34 Boeing-Flugzeuge des Typs "777-9x" sowie 25 Airbus "A350-900". Bis die neuen Jets zum Einsatz kommen, müssen sich Piloten und Passagiere noch in Geduld üben: Die erste Maschine des neuen Großauftrags werde 2016 ausgeliefert.

Bis 2025 soll die Auslieferung der neuen Jets abgeschlossen sein. Die Lufthansa will damit vor allem ältere Maschinen mit höherem Spritverbrauch ersetzen. Ausgemustert werden zum Beispiel die großen vierstrahligen Jets wie etwa der "Jumbo" vom Typ Boeing 747-400 und der Airbus A340. Der Verbrauch soll um 25 Prozent sinken, der Lärmteppich um 30 Prozent geringer werden. Lufthansa sprach von der größten privaten Einzelinvestition in der deutschen Industriegeschichte.

Jets im Wert von 14 Milliarden

Der Ankauf von neuen Flugzeugen zählt in der Luftfahrtbranche zu den gewichtigsten strategischen Entscheidungen. Sie legen eine Fluggesellschaft auf Jahre auf bestimmte Angebotskapazitäten in den einzelnen Segmenten Kurz-, Mittel- und Langstrecke fest. Die Investition sichere allein bei der Lufthansa 13.000 Arbeitsplätze, erklärte der Konzern.

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Den Gesamtwert der Investition bezifferte Lufthansa auf 14 Milliarden Euro nach Listenpreisen. Aus Unternehmenskreisen hatte es vorab geheißen, allein der Listenpreis für die 34 Boeing-Maschinen liege bei rund sieben Milliarden Dollar (rund 5,2 Milliarden Euro). Beim Verkauf von Flugzeugen dieser Größenordnung ist es allerdings üblich, dass die Hersteller dem Kunden umfangreiche Abschläge einräumen.

Bei den 25 georderten Flugzeugen des Boeing-Wettbewerbers Airbus dürfte es sich ähnlich verhalten: Experten gehen davon aus, dass die Lufthansa als wichtiger Prestigekunde und Großabnehmer beim Einkauf der "A350-900" deutlich unter dem Listenpreis bleiben wird. In der Branche sind hohe zweistellige Rabatte bei Großbestellungen üblich. Die tatsächlichen Preise für die neuen Maschinen lägen deutlich tiefer, erklärte Lufthansa-Chef Christoph Franz.

Für die Boeing 777 neuester Bauart schwingt sich die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa sogar zum Erstkunden auf. Die "777-9x" sollen erst ab 2020 in Dienst gestellt werden. Airbus kann mit dem Großauftrag nun auf insgesamt 707 Festbestellungen für die A350 verweisen, die erst am 14. Juni ihren Jungfernflug absolviert hatte. Aus der Flotte scheiden mit dem Jumbo Boeing 747-400 und der Airbus A340 ausschließlich Jets mit vier Triebwerken aus.

Für die Lufthansa ist die Flottenerweiterung ein wichtiger Meilenstein - und das nicht nur in Bezug auf das finanzielle Volumen: Die im Dax notierte Fluggesellschaft lud aus diesem Anlass extra zu einer eigenen Pressekonferenz ein, bei der der scheidende Lufthansa-Chef Christoph Franz persönlich die Auswahlentscheidung erläutern wollte. Am Vortag hatte der Aufsichtsrat unter anderem über die geplante Flottenerweiterung beraten.

Quelle: n-tv.de

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