Wirtschaft
An den Finanzmärkten ist die anfängliche Begeisterung über Trump der Sorge vor allem vor protektionistischen Maßnahmen gewichen.
An den Finanzmärkten ist die anfängliche Begeisterung über Trump der Sorge vor allem vor protektionistischen Maßnahmen gewichen.(Foto: REUTERS)
Montag, 23. Januar 2017

Verdoppelung des Wachstums?: Trump legt sich die Messlatte zu hoch

Von Max Borowski

Auf der Internetseite des Weißen Hauses gibt Donald Trump Zielmarken für seine Wirtschaftspolitik aus. Eine davon ist kaum erreichbar. Einem nachhaltigen Boom stehen nicht zuletzt Trumps eigene Wahlversprechen im Weg.

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Mit seinen vollmundigen Ankündigungen hat Donald Trump bereits vor seiner Amtsübernahme in der Wirtschaft große Hoffnungen geweckt. Nicht nur die Anleger an den Aktienmärkten reagierten mit Euphorie auf die Versprechen, die Konjunktur mit einem riesigen Konjunkturprogramm anzuheizen, gleichzeitig die Steuern massiv zu senken und die Bürokratie abzubauen. Viele Analysten erhöhten in den vergangenen Wochen ihre Prognosen für das US-Wirtschaftswachstum: Der Internationale Währungsfonds etwa nimmt an, dass das Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Staaten unter Trumps Führung in diesem Jahr 2,3 Prozent zulegen dürfte und im kommenden Jahr 2,5. Das sind 0,1 beziehungsweise 0,4 Prozent mehr als bisher geschätzt. Zum Vergleich: 2015 wuchs die größte Volkswirtschaft der Welt lediglich 1,6 Prozent, in diesem Jahr dürfte sie bei gut zwei Prozent liegen.

Trump könnte solch positive Prognosen von Wirtschaftswissenschaftlern als Erfolgsmeldungen verbuchen. Doch das reicht ihm offenbar nicht. In einem mit seiner Amtseinführung auf der Internetseite des Weißen Hauses veröffentlichten Wirtschaftsprogramm setzt er sich ein noch höheres Ziel: Sein Wirtschaftsplan soll das Wachstum auf vier Prozent hochschrauben und - innerhalb von zehn Jahren - 25 Millionen neue Jobs schaffen.

Auch wenn diese Zahl hoch erscheint, liegt sie tatsächlich kaum über dem, was Präsident Obama in den vergangenen Jahren an Arbeitsplätzen geschaffen hat. Laut der Statistik der privaten Arbeitsvermittlung ADP entstanden in der Privatwirtschaft seit 2015 knapp 200.000 Jobs pro Monat. Sollte die Wirtschaft unter Trump auch nur etwas schneller wachsen als zuletzt unter Obama, sind 25 Millionen Arbeitsplätze in zehn Jahren kein besonders ehrgeiziges Ziel. Angesichts einer derzeitigen Arbeitslosenquote von unter fünf Prozent könnten höchstens die Arbeitskräfte ausgehen, bevor es erreicht ist.

Trump konterkariert eigene Wachstumspolitik

Schwer erreichbar dagegen ist Trumps Wachstumsziel von vier Prozent. Nachdem er im Wahlkampf von 3,5 Prozent gesprochen hatte, hat er sich die Messlatte nach seinem Sieg selbst noch einmal höher gelegt.

Obama schaffte in der Erholungsphase nach Ende der Rezession der Jahre 2008 und 2009 lediglich ein Plus von 2,2 Prozent pro Jahr im Durschnitt. Eine umfassende Steuerreform, wie von Trump versprochen, könnte laut einer Schätzung der Weltbank einen Wachstumsimpuls von bis zu 0,8 Prozent für das kommende Jahr bringen. Wie auch bei dem angekündigten Infrastrukturprogramm und dem Bürokratieabbau gilt es jedoch als unwahrscheinlich, dass Trump seine weitgehenden Vorstellungen ohne Abstriche durch den Kongress bringen kann.

Zudem dürften zwei Faktoren Trumps Bemühungen bremsen, die US-Wirtschaft massiv zu beschleunigen: Zum einen hat die Zentralbank bereits begonnen ihre extrem lockere Geldpolitik zu straffen, mit der sie das Wachstum in den vergangenen Jahren stützte. Ziehen die Inflation, der Arbeitsmarkt und das Wachstum unter Trump weiter an, dürfte auch die Federal Reserve die Leitzinsen weiter anheben, um eine Überhitzung der Wirtschaft zu verhindern.

Zum anderen steht Trump seine eigene Politik im Weg. Denn mit seinen angekündigten protektionistischen Maßnahmen konterkariert er seine Konjunkturpolitik selbst. Allein die von ihm im Wahlkampf versprochenen Zölle würden das amerikanische Wachstum um etwa ein Prozent schmälern, schätzt etwa die amerikanische Citi Bank. Dazu kommt der möglicherweise desaströse Effekt von Gegenmaßnahmen der Handelspartner - allen voran China, das bereits mit einem Handelskrieg gedroht hat.

Quelle: n-tv.de

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