Wirtschaft
Apple-Chef Tim Cook.
Apple-Chef Tim Cook.(Foto: REUTERS)
Freitag, 02. Juni 2017

"Schlecht für die Wirtschaft" : US-Firmenbosse widersprechen Trump

Von Jan Gänger

Donald Trump sieht in der Klimaerwärmung eine Erfindung der Chinesen und in dem Abkommen von Paris eine Gefahr für Arbeitsplätze in den USA. Das sehen viele Unternehmenschefs allerdings anders.

"Der Rückzug liegt im ökonomischen Interesse der USA und wird für das Klima keine Rolle spielen." So begründet Donald Trump den Ausstieg aus dem Klimaabkommen von Paris. Doch viele Chefs von US-Unternehmen halten das für einen gewaltigen Irrtum.

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Kurz nachdem Trump seine Entscheidung verkündet hatte, zogen die Chefs von Tesla und Disney, Elon Musk und Robert Iger, Konsequenzen und gaben ihre Beraterfunktionen für den Präsidenten auf. "Der Klimawechsel ist real. Das Pariser Abkommen zu verlassen, ist weder gut für Amerika noch für die Welt", so Musk. Er habe alles getan, um Trump davon zu überzeugen, an dem Pariser Klimaschutzabkommen festzuhalten, hatte der Gründer des Elektroauto-Unternehmens bereits am Mittwoch gesagt.

Iger kündigte an, aus Prinzip müsse er das Beratergremium verlassen. Es sei entscheidend für die Zukunft, "unseren Planeten zu schützen". Der Chef von General Electrics, Jeff Immelt, twitterte, er sei enttäuscht, und ergänzte: "Die Industrie muss nun die Führungsrolle übernehmen und darf sich nicht abhängig von der Regierung machen."

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Das Abkommen hat zum Ziel, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Sogar Öl-Konzerne wie Exxon Mobil oder Chevron hatten sich öffentlich dafür eingesetzt, dass die USA sich nicht zurückziehen. Auch Ford und General Motors warben dafür.

Doch Trump ließ sich davon nicht überzeugen. Das ist durchaus konsequent, schließlich hatte er im Wahlkampf den Klimawandel als Erfindung der Chinesen bezeichnet, die damit der US-Wirtschaft schaden wollten.

Im Rosengarten des Weißen Hauses kritisierte er, dass der Vertrag das Land Millionen Arbeitsplätze koste. Länder wie China oder Indien aber dürften über Jahre immer mehr Treibhausgase ausstoßen. Die USA sind der weltweit zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen nach China.

"Schlecht für die Umwelt, schlecht für die Wirtschaft"

"Unter dem Strich ist das Abkommen in extremem Maße unfair gegenüber den USA", sagte Trump. Das jetzige Abkommen lade die Kosten bei den US-Bürgern ab. Die USA seien reich an Rohstoffen, und dieser enorme Reichtum solle dem Land mit dem Pariser Vertrag weggenommen werden, um ihn auf andere Staaten zu verteilen. Die Welt habe applaudiert, als die USA den Vertrag unterzeichnet hätten, kritisierte Trump. Aber nur, weil das Abkommen das Land zugunsten anderer schwäche. Andere würden daher über die USA lachen. "Sie werden es nicht mehr machen", sagte er.

Trump will das Klimaabkommen vor allem deshalb nicht umsetzen, da er annimmt, die Vereinbarung vernichte Jobs in den USA. Apple, Google und andere Top-Unternehmen widersprechen. "Indem die Märkte für innovative saubere Technologien geöffnet werden, sorgt die Vereinbarung für Jobs und Wirtschaftswachstum", heißt es in einem offenen Brief, der vor der Entscheidung Trumps veröffentlicht wurde. US-Unternehmen seien gut aufgestellt, um in diesen Märkten eine führende Rolle zu spielen. "Der Rückzug wird unseren Zugang erschweren und setzt uns der Gefahr von Vergeltungsmaßnahmen aus", heißt es in dem Brief. Zu den 25 Unterzeichnern gehören unter anderem auch Intel, Hewlett Packard, Mars, Morgan Stanley, Facebook und Microsoft.

Trumps Ankündigung veranlasste den Chef von Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, seinen ersten Tweet abzusetzen: "Die heutige Entscheidung ist ein Rückschlag für die Umwelt und für die US-Führungsposition in der Welt", schrieb er. Apple-Chef Tim Cook sagte, er habe am Dienstag mit Trump gesprochen und versucht, den Präsidenten davon zu überzeugen, das Abkommen nicht zu kündigen. "Aber es hat nicht gereicht", so Cook. Und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg postete: "Der Rückzug aus dem Pariser Abkommen ist schlecht für die Umwelt, schlecht für die Wirtschaft und gefährdet die Zukunft unserer Kinder."

Quelle: n-tv.de

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