Wirtschaft
Ohne Worte: Mohamed El-Erian zieht einen Schlussstrich unter Pimco. Der Fonds hat im vergangenen Jahr über 40 Milliarden Dollar an Mitteln verloren.
Ohne Worte: Mohamed El-Erian zieht einen Schlussstrich unter Pimco. Der Fonds hat im vergangenen Jahr über 40 Milliarden Dollar an Mitteln verloren.(Foto: REUTERS)

Überraschender Chefwechsel bei Allianz-Fondstochter: El-Erian verlässt Pimco

Das Gesicht von Mohamed El-Erian kennt in der internationalen Finanzwelt jeder, er ist das Aushängeschild des Anleihefonds Pimco. Als Chef bewegt er Milliarden. Nach einem Horrorjahr nimmt er seinen Hut. Pimco-Mitgründer und Chef-Anlagestratege Bill Gross bleibt.

Der zur Allianz gehörende US-Vermögensverwalter Pimco vollzieht einen überraschenden Führungswechsel. Mohamed El-Erian erklärte am Vorabend seinen Rücktritt per Mitte März. Der 55-Jährige ist seit sechs Jahren zusammen mit der Investment-Legende Bill Gross das Aushängeschild von Pimco, den weltgrößten Anleihefonds Pimco Total Return.

Der Fonds hat zuletzt das schlechteste Jahr der vergangenen zwei Jahrzehnte hinter sich gebracht. El-Erian kehrte 2007 als Vorstandschef zu Pimco zurück, nachdem er zwei Jahre das Stiftungsvermögen der Harvard-Universität verwaltet hatte. Er habe "eine wirklich wundervolle Zeit" bei Pimco gehabt, schrieb El-Erian in einer E-Mail.

"Bill Gross geht nirgendwo hin"

Bill Gross hat aufs "falsche Pferd" gewettet.
Bill Gross hat aufs "falsche Pferd" gewettet.(Foto: REUTERS)

Zu den Beweggründen äußerte El-Erian sich nicht. Der Allianz soll er in anderer Funktion erhalten bleiben, wie der Konzern in München mitteilte. El-Erian werde den Vorstand um Michael Diekmann in globalen Wirtschafts- und Politikfragen beraten. Dabei galt El-Erian für lange Zeit als designierter Nachfolger des fast 70 Jahre alten Gross als Manager des Total Return Funds. Nun verwirklicht sich El-Erians Prognose von Anfang 2012, als er Reuters sagte: "Bill (Gross) wird nirgendwohin gehen. Ich mache oft Witze, dass er mich hier noch überleben wird."

Gross, der Pimco 1971 im kalifornischen Newport Beach gründete, versuchte Spekulationen über seine Nachfolge mit einer Twitter-Meldung zu zerstreuen: "Pimco ist voll engagiert. Batterien 110 Prozent geladen. Ich bin für weitere 40 Jahre bereit!" Das Unternehmen stellte ihm allerdings zwei Stellvertreter als Deputy Chief Investment Officer zur Seite, die schon länger als Hoffnungsträger bei Pimco gelten. Andrew Balls leitet von London aus das Europa-Geschäft. Er ist seit 2006 bei Pimco. Daniel Ivascyn, der seit 1998 für den Vermögensverwalter arbeitet, ist vom Analysehaus Morningstar gerade zum Fondsmanager des Jahres im Bereich festverzinsliche Wertpapiere in den USA gekürt worden.

Alle Nachfolger aus dem eigenen Haus

El-Erians Nachfolger als Vorstandschef der Pacific Investment Management Company (Pimco) wird der bisher für das operative Geschäft zuständige Douglas Hodge - mit 25 Jahren im Unternehmen ein Urgestein. Auch zwei Manager mit Deutschland-Erfahrung rücken auf. Jay Jacobs, ehemals Chef des Deutschland-Geschäfts, wird Präsident. Craig Dawson, der heutige Pimco-Chef im deutschsprachigen Raum und Italien, wird Strategiechef und wechselt nach Kalifornien. "Es spricht für die Stärke und Vielfalt von Pimco, dass sämtliche Positionen mit internen Kandidaten besetzt werden konnten. Mit dieser Kontinuität sind wir für die Zukunft gut gerüstet", erklärte Allianz-Vorstand Jay Ralph.

Pimco hatte sich nach der Übernahme vor 14 Jahren in dem Versicherungskonzern stets eine große Autonomie erhalten - auch weil die Amerikaner zuverlässig Gewinne in München ablieferten. Die Tochter verwaltete zuletzt fast zwei Billionen Dollar, davon 1,6 Billionen für Kunden außerhalb des Konzerns. Die Allianz erwartet aus der Vermögensverwaltung für 2013 einen operativen Gewinn von drei Milliarden Euro.

Gross setzte aufs falsche Pferd

Gross, der El-Erian selbst aus Harvard zurückgeholt hatte, blickte auf die gemeinsamen Erfahrungen zurück: "Zusammen haben wir in einer Zeit das Unternehmen geführt und unseren Kunden gedient, die von deutlichen Veränderungen in der Weltwirtschaft und an den Finanzmärkten geprägt war." Das bekam der Pimco Total Return Fund zu spüren: 2011 zogen Anleger aus dem damals rund 250 Milliarden Dollar schweren Fonds erstmals mehr Geld ab als sie einlegten. Gerade in der Finanzkrise war er stark gewachsen.

Im vergangenen Jahr zogen die Anleger unter dem Strich sogar 41,1 Milliarden Dollar aus dem Total Return Fund ab, der den höchsten Wertverlust seit 1994 hinter sich hat. Gross hatte vor allem auf US-Staatsanleihen gesetzt hatte. Doch sie gaben nach, weil Investoren auf eine Verringerung der milliardenschweren Bondkäufe durch die US-Notenbank spekulierten.

Quelle: n-tv.de

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