Leben

Krebs kennt keine Pause Schöneberger: "Bloß keine Opferrolle!"

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"Wir sind im September mit fünf neuen Online Seminarformen in eine erste Pilotphase gestartet“, so Ruth Neri, DKMS LIFE Geschäftsführerin. (2.v.l.).

(Foto: imago images/Future Image)

Nach über einem Jahr Pandemie ist das Leben weiter eingeschränkt. Darunter leiden besonders Krebspatieninnen, denn viele Hilfsangebote finden nicht in gewohnter Form statt, dringend benötigte Spendengelder bleiben aus. Vor diesem Hintergrund hat DKMS LIFE eine neue Spendenkampagne lanciert, die zu Solidarität aufruft. Denn Stärke, Hoffnung, Lebensmut, Lebensfreude und Kraft können vor allem weibliche von Krebs betroffene Patienten dann wieder zurück gewinnen, wenn ihr Äußeres, beeinträchtigt durch Chemo-Therapien und Bestrahlungen, ihrem alten Ich - dem vor der Krankheit - nahe kommt. Viele prominente DKMS LIFE Botschafter und Botschafterinnen bitten daher um Spenden für die Seminare, die kostenlos sind. Sie dauern etwa 1,5 bis 2 Stunden und finden in kleinen Gruppen von maximal zehn Teilnehmerinnen online statt. Alle benötigten Materialien und Produkte werden kostenfrei nach Hause geschickt. Guido Maria Kretschmer, Lena Gercke, Sylvie Meis, Angelina Kirsch und Riccardo Simonetti wissen: www.krebsmachtkeinepause.org. Mit Barbara Schöneberger, die den Spendenevent seit Jahren moderiert, spricht ntv.de über die "look good feel better "Kosmetikseminare, darüber, wie sie mit dem Thema Krebs umgeht, aber auch über ihre Tournee, die gerade voll im Gange ist.

ntv.de: Deine Moderationen, es sind ja nicht wenige - wie und wann bereitest du dich nur immer darauf vor, bei so vielen unterschiedlichen Themen …

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Gewohnt gekonnt vermittelt La Schöneberger, dass mehr als 170.000 krebskranken Mädchen und Frauen durch DKMS LIFE geholfen werden konnte.

(Foto: imago images/Future Image)

Barbara Schöneberger: Einfach gar nicht (lacht). Es wäre jetzt wirklich falsch zu sagen, ich sei jedes Mal perfekt vorbereitet. Ich glaube daran, dass man mit dem Herzen dabei sein muss. Dann muss man auch nicht alle Fakten auswendig herbeten können. Ich lese das alles einmal durch und dann habe ich übrigens die Fakten drauf, zumindest die, die wirklich wichtig sind. Ich glaube, es muss die Mischung sein. In der Struktur ist sich das ja alles ähnlich: "Ich begrüße Sie! Frage. Wie toll dass du bei uns bist! Und jetzt die wichtigste Frage - zumindest an einem Tag, an dem es um Spenden geht : Wieviel Geld hast du, haben Sie, für uns dabei?" Und dann füttert man die Leute noch ein bisschen an.

Wie fütterst du?

Indem ich auch was von mir erzähle, das ist nur fair! Jeder, der sich mit mir unterhält, sollte das Gefühl haben: "Okay, ich geb' der was, aber die gibt mir auch was." Das einzige, was wirklich wichtig ist und was ich über die Jahre gelernt habe ist, dass es am besten klappt, wenn man die Ruhe bewahrt. Ohne Pläne im Hinterkopf lasse ich mich von dem natürlichen Flow leiten und dem, was mich zu dem Thema beschäftigt. Denn das ist wahrscheinlich genau dasselbe, was alle anderen auch beschäftigt, die im Saal sind. Wenn ich zum Beispiel ein Kleid anhabe, in das ich reingeschossen aussehe, dann denken sich das höchstwahrscheinlich auch 95 Prozent der Anwesenden (lacht). Dann ist es eine große Entlastung, für alle, wenn es man, also ich, am besten sofort anspricht.

Beim Thema "Krebs" und den Einspielern, die ihr gezeigt habt, herrscht an manchen Stellen auch absolute Ruhe im Saal. Wie schaffst du es, dich im Griff zu haben?

Manchmal gar nicht, aber dann sag' ich eben: "Gut, dann heulen wir jetzt mal 'ne Runde." In den Einspielern sehen wir Frauen, die schwer krank waren. Wir haben Frauen, die es schaffen, diese Krankheit zu überleben, wir hatten aber auch schon Frauen dabei, die nicht überlebt haben. Die auch schon auf der Bühne oder in den Filmen wussten, dass sie es nicht überleben würden. Das ist hart. Und es wäre dann geradezu unangebracht, die Fassung zu behalten.

Dein Engagement für DKMS - wie kam es dazu? Du machst das ja schon länger …

Man hat mich gefragt, noch bevor andere mich gefragt haben, und dann bin ich dabei geblieben. Außerdem wurde ich im Flugzeug gefragt, da konnte ich schlecht weglaufen (lacht). Es ging damals los mit dem "Dreamball", der momentan ja leider nicht veranstaltet werden kann aufgrund von Corona, und inzwischen fühle ich mich dem gesamten Team einfach sehr verbunden.

Alle, die sich für dieses Thema einsetzen, wirken sehr engagiert …

Mich hat heute ein Satz von Angelina Kirsch sehr nachdenklich gemacht: Sie hat gesagt, dass die L'Oréal-Veranstaltungen Frauen eine sehr große Sicherheit geben. Und das ist wahr, das kann man auch als nicht betroffene Frau nachvollziehen. Wenn man eine schlimme Diagnose bekommt, dann weiß man wenigstens einen Ort, an den man sich wenden kann, wo es darum gehen soll, dass es dir wieder besser geht, dass du dich besser fühlst. Dass es weiter geht. Dass man nicht alleine ist.

Wie geht man mit Betroffenen am besten um? Mit dem Nachbarn, der Freundin, einer Angehörigen …

Ich glaube, ich bin darin nicht so super. In meinem Freundeskreis gelte ich als diejenige, die immer sagt: "Ist doch nicht so schlimm, reiß dich mal zusammen." Ich muss mich noch bewähren, fürchte ich. Grundsätzlich glaube ich daran, dass es in den meisten Situationen am besten ist, sich möglichst normal, natürlich und authentisch zu verhalten. Ich würde jedenfalls nicht bedauert werden wollen, ich hätte keinen Bock auf die Opferrolle.

Vielleicht auch mal sagen, dass man nicht weiß, was man sagen soll?

Ja, wahrscheinlich ist das am besten. Die, die ich kenne, die so etwas durchmachen mussten, haben meist ihr Leben durchgezogen wie sonst auch.

Ist es grundsätzlich schwerer im Augenblick, witzig zu sein?

Mit der momentanen Haltung, dass man bloß nichts Falsches, nicht Unkorrektes, sagen darf, öffnet man zumindest keine Schleusen für extreme Witzigkeit. Was gerade Trend ist ist ja, einem die Worte aus dem Zusammenhang zu reißen und dann darauf rumzureiten: "Schau mal, was die da gesagt hat, geht ja gar nicht!" Man muss sich dem Zeitgeist natürlich ein bisschen anpassen, schon richtig, aber möglichst, ohne den Humor zu verlieren. Man muss sich ab und zu entscheiden: Amüsieren sich jetzt zehn Leute aus dem Rundfunkrat, oder zwei Millionen vor dem Fernseher? Ich wüsste auf der Stelle, wofür ich mich entscheide (lacht)!

Für einen guten Witz würde ich auch was riskieren …

Ja, und natürlich sind nicht alle Blondinen doof und alle dicken Kinder Nerds, das sind Klischees, aber die braucht man nunmal, um einen Witz transportieren zu können. Wenn ich auf keine Klischees mehr zurückgreifen kann, dann wird es schwierig auf der Bühne. Und vielleicht gibt es ja eine neue Art von Humor, und ich sollte mich darauf einlassen, aber ich weiß nicht, ob ich dafür jung genug bin …

Deine Tour startet …

Ja, und ich hoffe, dass ich die Songs drauf haben werde (lacht). Ich freue mich sehr, vor allem da man mir glaubhaft zu versichern versucht, dass das Publikum derart ausgehungert sei, dass ich mich so oder so auf große Resonanz verlassen kann.

Was hast du mitgenommen aus der Corona-Zeit?

Ich habe gemerkt, dass ich das richtige Leben lebe, anders kann ich das gar nicht sagen. Es ist sehr viel hochgekommen in der Zeit: manche haben festgestellt, dass sie in der falschen Stadt mit dem falschen Typen in der falschen Wohnung mit dem falschen Job leben, keine Freunde haben und ihre Familie doof finden. Das alles kann ich zum Glück verneinen. Darüber bin ich sehr froh. Mein Mann macht Homeoffice und ich bin bekloppt wie eh und je: Ich renne nach jeder Veranstaltung schnellstmöglich nach Hause, um mich ins Familiengeschehen wieder einzufädeln. Ich habe ab und zu einfach mal nichts tun können - so wie alle in dieser Zeit. Und das konnte ich genießen. Aber jetzt genieße ich die Energie auch wieder, dass alles losgeht. Sich nur in seinem eigenen Saft zu drehen ist auch schwierig (lacht).

Du ziehst also Energie daraus, dass wir wieder durchstarten ...

Ja, ich liebe es, Hände zu schütteln, alle wiederzusehen und nah bei Menschen zu sein. Sogar, wenn die das gar nicht wollen (lacht).

Mit Barbara Schöneberger sprach Sabine Oelmann

Weitere Informationen unter www.dkms-life.de/seminare und www.dkms-life.de/pilotseminare. Barbara Schöneberger spielt am 5.10. in Berlin, am 10. in Stuttgart und am 11. in Weimar, am 15. ist sie in Düsseldorf und am 16. Oktober in Hannover.

Quelle: ntv.de

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