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13 Jahre nach "Problembär" Bruno Braunbär nähert sich Bayern

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Er mochte Honig, verschmähte aber auch Schafe nicht: Das ausgestopfte Fell des Braunbären "Bruno" ist im Münchner Museum Mensch und Natur zu besichtigen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Auf den Tag genau 13 Jahre nach dem Abschuss von Problemtier Bruno steht im Süden Deutschlands neuer Besuch eines europäischen Braunbären bevor. Das Jungtier soll unweit der Zugspitze umherstreifen und könnte bald schon auf deutscher Seite auftauchen.

Mehr als ein Jahrzehnt nach dem Abschuss von Braunbär Bruno müssen sich die Behörden in Bayern erneut auf die mögliche Ankunft eines jungen Bären vorbereiten. Das fragliche Tier wurde zuletzt im österreichisch-deutschen Grenzgebiet bei Reutte in Tirol gesichtet. In welche Richtung der Bär weiterzog, ist unklar. Der aktuelle Aufenthaltsort ist unbekannt.

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Unrühmliches Ende: Der erste freilebende Bär Deutschlands nach 170 Jahren wurde 2006 erschossen.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Derzeit gibt es keine Hinweise, dass der Bär die Grenze nach Bayern passiert hat", sagte ein Sprecher des bayerischen Umweltministeriums. Dennoch halten sich die zuständigen Stellen bereit, das streng geschützte Tier bei Bedarf genauer zu beobachten. "Der Bär unterliegt nicht dem Jagdrecht", heißt es dazu beim bayerischen Landesamt für Umwelt. Sollten die Experten jedoch zu der Einschätzung kommen, dass von dem Tier eine Gefahr ausgeht, können besondere Maßnahmen ergriffen werden, etwa um den Bären aus dem Umfeld menschlicher Siedlungen zu vertreiben.

Die Rückkehr des Bären

Bärensichtungen an der Nordseite der Alpen sind selten, aber nicht vollkommen ungewöhnlich. Die nächsten bekannten Bären-Bestände liegen gut 120 Kilometer entfernt in den Bergtälern nördlich des Gardasees. Damit liegt Deutschland Experten zufolge durchaus in Reichweite umherwandernder Einzeltiere. Vor allem halbwüchsige Bärenmännchen könnten auf der Suche nach einem eigenen Territorium größere Strecken überwinden, heißt es.

Die meist als Einzelgänger umherstreifenden Allesfresser, die im Fall ausgewachsener Männchen bis zu 350 Kilogramm auf die Waage bringen können, ernähren sich hauptsächlich vegetarisch, etwa von Wurzeln, Knollen und Beeren. Dabei nutzen sie das saisonale Nahrungsangebot in ihrer Umgebung. Übergriffe auf Nutztiere kommen vor, heißt es. Wild wird nur "gelegentlich" erbeutet.

Menschenscheue Einzelgänger

In Konflikt mit den Behörden kommen die Pelzträger dabei vor allem durch eine ihrer besonderen Eigenschaften. "Bären sind äußerst lernfähig", fasst das Landesamt für Umwelt zusammen. "Besonders ausgeprägt ist ihr Geruchs- und Hörsinn." Ihren "Aktionsraum" richten die Tiere vor allem nach der Verfügbarkeit ihrer Lieblingsnahrung aus. In der Praxis bedeutet das: Bären, die gelernt haben, dass im Umfeld menschlicher Behausungen mit leicht erreichbarem Futter zu rechnen ist, kommen immer wieder. Dann können sie unter Umständen auch ihre natürliche Scheu vor dem Menschen verlieren.

Wildtierexperten stufen solche Tiere dann je nach Sachlage als "Schad-Bär", "auffälligen Bären" oder gar als "Risiko-Bär" ein. Im Extremfall können die Behörden in solchen Fällen dann auch - nach Freigabe durch die Umweltverwaltung - auch den Abschuss des Tieres anordnen. Details dazu sind unter anderem im "Managementplan Braunbären in Bayern" geregelt.

"Problembär" sitzt ausgestopft im Museum

In den bayerischen Alpen weckt die Sichtung eines Bären im Grenzgebiet Erinnerungen an den Sommer 2006: Auf den Tag genau vor 13 Jahren, am 26. Juni 2006, erschossen Jäger im rund 80 Kilometer weiter östlich gelegenen Rotwandgebiet den von den Medien so getauften "Problembär" Bruno. Wochenlang hatten die Behörden damals versucht, den Bären mit der amtlichen Kennung "JJ1" zu fangen.

Bruno war der erste Bär, der in Deutschland nach 170 Jahren in freier Wildbahn gesichtet wurde. Das überaus neugierige Tier riss bei seinen Wanderungen durch die Bayerischen Alpen mehrfach Schafe, plünderte Bienenstöcke und war am Ende so an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt, dass er auch bei Tageslicht durch Ortschaften lief. Nach dem Abschuss wurde er von Experten ausgiebig untersucht. Sein Fell wurde ausgestopft und anschließend im Münchner Museum "Mensch und Natur" ausgestellt.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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