Panorama

Regen und sogar Schnee Der Herbst fährt Karussell über Deutschland

Noch Anfang der Woche lag vielleicht manch einer noch am Badesee, doch die warm-goldenen Herbsttage sind erst mal passé. Ein sogenanntes Tiefdruck-Karussell hält die kommenden Tage kühles Regenwetter über Deutschland. Und in manchen mittleren Lagen wird es sogar schon ein bisschen weiß.

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Dresden-Besucher brauchen schon am Freitag einen Schirm.

(Foto: dpa)

ntv.de: Das ruhige und warme Wetter scheint vorüber zu gehen. Macht der Herbst 2020 jetzt Ernst?

Björn Alexander: So ist es. Das vorerst letzte Spätsommerhoch "Manfred" hat sich zur Wochenmitte von unseren Wetterkarten verabschiedet und damit ist der Weg frei für einen durchgreifenden und nachhaltigen Wetterwechsel. Inzwischen sind wir nämlich auf dem Weg in eine sogenannte VB - gesprochen "Fünf B" - Wetterlage.

Was heißt das konkret?

Dass die Tiefdruckaktivität samt wettersteuernder Strömung bis runter ans zentrale Mittelmeer reicht. Gleichzeitig bringt diese Troglage kalte Luft weit runter in den Süden. Dabei bildet sich dann über Norditalien ein neues Tief, das wiederum mit viel Feuchtigkeit nach Norden ziehen kann. Und weil die wettersteuernde Strömung, also der Jet-Stream, noch einige Tage in dieser Lage verweilt, drehen sich die nachfolgenden Tiefs wie im Karussell über Deutschland.

Was bedeutet das Tiefdruck-Karussell für uns?

Immer wieder Regen, kühle Temperaturen sowie ein teils kräftiger Wind. Außerdem sorgt die kalte Luft dafür, dass die Schneefallgrenze in den Alpen sowie im Süden Deutschlands gegen 1200 Meter oder sogar etwas darunter sinkt.

Wie viel Schnee ist möglich?

In den Lagen oberhalb von 1500 Metern sind übers Wochenende gerne mal 50 bis 100 Zentimeter drin. In den Hochlagen vielleicht sogar etwas darüber. Wer am Wochenende eine Bergtour plant, wird diese wohl verschieben müssen. Zudem ist auf den höheren Passstraßen jetzt definitiv Winterausrüstung angesagt.

Gilt das auch für den Schwarzwald?

Zumindest sind im Bereich der Mittelgebirge im Süden - also Schwarzwald, Bayerischer Wald und Erzgebirge - ebenfalls die ersten nassen Flocken drin. Zum Teil kann es somit auch dort vorübergehend mal rutschig werden.

Björn Alexander

ntv-Meteorologe Björn Alexander

Ist das eigentlich eher früh oder eher spät für den ersten Wintereinbruch?

Im Prinzip passt das Ende September oder Anfang Oktober ganz gut. Also im Anschluss an den klassischen Altweibersommer mit dem Übergang zur ersten herbstlichen Wetterlage mit Tiefdruckeinfluss und kühlerer Luft. Außerdem ist der Regen natürlich dringend nötig. Mal abgesehen vom Süden, der im Sommerhalbjahr zum Teil über 1000 Liter Regen pro Quadratmeter bekommen hat, sind die Böden nämlich teilweise knochentrocken. Somit sind das jetzt auch erste Schritte, um unsere Trinkwasser-Speicher und das Grundwasser aufzufüllen.

Wie lange müssen wir denn auf das sonnigere Wetter verzichten? Stichwort: Goldener Oktober.

Zur Mitte der kommenden Woche und zum Oktoberbeginn hat der Süden ganz gute Chancen auf den Oktober der goldenen Art. Zuvor könnte der Norden auch mal länger freundlich und trocken bleiben. Ansonsten stehen die Zeichen aber überwiegend auf wechselhaft und teils auch ziemlich nass.

Welche Regenmengen kommen denn bis zum Monatsende noch runter?

Am meisten bekommt erneut der Alpenrand. Im Süden Bayerns sind durchaus 120 bis 140 Liter pro Quadratmeter drin. Ansonsten berechnen die Wettercomputer verbreitet zwischen 30 und 70 Liter pro Quadratmeter. Insofern bietet der September 2020 noch die Option, dass Deutschland zumindest mal auf eine halbwegs ausgeglichene Regenbilanz kommt. Ebenfalls spannend ist übrigens der Blick auf die Regensummen bis einschließlich des ersten Oktober-Wochenendes.

Warum?

Deutschlandweit könnten wir inklusive der ersten Oktobertage häufig auf 50 bis 100 Liter kommen. In manchen Staulagen der Mittelgebirge wären demnach sogar bis zu 150 Liter möglich. Das wäre schon mal eine richtige Entspannung in Sachen Trockenheit und Dürre. Insofern heißt es: Daumen drücken für die Regentiefs. Auch wenn man dazu sagen muss, dass die Wettercomputer mit dieser Wetterlage ihre Schwierigkeiten haben. Sprich: die Unsicherheiten bei den Details sind durchaus vorhanden.

Auch mit Unsicherheiten: Wie sind denn die Trends für unser Wochenende?

Der Samstag bringt im Nordwesten neben Schauern auch einige sonnige Lücken mit. Ansonsten dominieren die Wolken und besonders im Osten und Süden regnet es teils kräftig. Dabei sinkt die Schneefallgrenze auf 1200, vielleicht sogar bis auf 1000 Meter. Dabei weht ein teilweise kräftiger Wind und rundet das Bild vom Voll-Herbst bei mitunter nasskalten 6 bis 16 Grad ab.

Und am Sonntag?

Zeigen sich der Nordosten und der Osten weiterhin nass. Im übrigen Land ist es nicht ganz so grau. Insgesamt bleibt es aber durchwachsen bei nicht mehr ganz so unterkühlten 9 bis 19 Grad. Am mildesten zeigt sich interessanterweise der Norden, während der Süden nach wie vor am kühlsten ist.

Mit welchem Wetter geht es in der nächsten Woche weiter?

Meistens bleibt es wolkig oder unbeständig und es kann wiederholt regnen, zum Teil auch kräftig. Das gilt am Montag insbesondere in der Landesmitte. Dienstag und Mittwoch steigt im Süden die Wahrscheinlichkeit für ein paar sonnigere und trockene Tage.

Was machen die Temperaturen?

Die steigen schrittweise etwas an. Mittwoch und Donnerstag erwarten uns oft 15 bis 21 Grad. Die Nächte werden ebenfalls frisch mit Tiefstwerten von 11 bis 5 Grad. Dementsprechend beginnt die Heizperiode in diesem Jahr relativ zeitig.

Quelle: ntv.de