Panorama

Erster Blick aufs Pfingst-Wetter Frühsommer verlässt den Norden gen Süden

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(Foto: imago images / blickwinkel)

Weniger Regen und mehr Sonne. So lautet die Vorhersage für die kommenden Tage. Doch so richtig klettern die Temperaturen noch nicht. Und auf der Zugspitze liegt bemerkenswert viel Schnee. Der kommende Monat könnte derweil wärmer beginnen, wie n-tv Meteorologe sagt.

Weniger Regen und mehr Sonne. So lautet die Vorhersage für die kommenden Tage. Doch so richtig klettern die Temperaturen noch nicht. Und auf der Zugspitze liegt bemerkenswert viel Schnee. Der kommende Monat könnte derweil wärmer beginnen, wie n-tv Meteorologe sagt.

n-tv.de: Der Regen scheint vorbei und die Sonne zeigt sich wieder häufiger. Bleibt der Trend auch für das Wochenende bestehen?

Björn Alexander: Zumindest hat die Sonne auch am Wochenende ihre Anteile am Himmel. Und das wird in Anbetracht der grauen Maibilanz bisher auch Zeit.

Wie sieht die Bilanz denn bisher aus?

Für einen Wonnemonat doch eher gruselig. Mehr als zwei Grad Celsius zu kalt. Im Vergleich zum Klima in diesem Jahrhundert sind es sogar drei Grad unterm Durchschnitt. Unterdessen ist schon jetzt das Regensoll erfüllt - zumindest im deutschlandweiten Mittel. Bei der Sonne fehlen hingegen noch mehr als 40 Prozent oder rund 80 Stunden. Und an einer Verbesserung der Sonnenbilanz wird jetzt erst einmal gearbeitet.

Auf wie viel Stunden Sonnen können wir uns denn freuen?

Trotz der leicht wechselhaften Aussichten holen wir bis einschließlich Sonntag immerhin an die 30 Stunden auf und auch die Temperaturen bewegen sich endlich im Normalbereich. Und das heißt: endlich mal wieder draußen sitzen ohne Gänsehaut.

Und ohne Regenschirm und Hochwasser. Letzteres brachte diese Woche ja vor allem dem Süden unseres Landes. Meteorologisch betrachtet: wie außergewöhnlich waren die Regenmengen und war es denn so schlimm wie befürchtet?

Björn Alexander

n-tv Meteorologe Björn Alexander

Von den Niederschlagsmengen wurden die Vorhersagen der Wettercomputer fast exakt getroffen mit Spitzen von 230 Litern in 72 Stunden. In Vorarlberg wurden neue Rekorde für 48stündige Regenmengen aufgestellt und damit die Werte von 1999 vom Pfingsthochwasser sogar übertroffen. Auch die Einschätzung und die Auswirkungen waren größtenteils zutreffend. Einzig die Thematik mit dem Schmelzwasser, das die Lage noch dramatischer machen sollte, wurde wahrscheinlich überschätzt.  

Woran lag das?

Einerseits lag der Schnee auch auf 2000 Meter noch so hoch, dass der "Schwammeffekt" gegriffen hat. Also: die Schneedecke saugt das Regenwasser eher auf und gibt nur wenig ab. Zum anderen sank die Schneefallgrenze im Laufe des Dauerregens von 2500 Meter unter 2000 Meter (also tiefer als erwartet), sodass auch das Schmelzen in diesen Regionen am Alpenrand sehr überschaubar blieb. Selbst bei Regen und nur drei Grad zeigte sich eine kompakte Frühjahrsschneedecke zudem ziemlich robust und unanfällig für schnelles Schmelzen. Gleichzeitig ist die Schneedecke auf der Zugspitze mit den Niederschlägen sogar nochmals dicker geworden.

Wie viel Schnee liegt dort?

Derzeit liegen auf knapp 3000 Meter Höhe etwas über sechs Meter Schnee. Und das ist die größte Schneehöhe der vergangenen Monate und die höchste Mai-Schneedecke seit 20 Jahren. Schließlich - und das wurde von den Kollegen, die von vor Ort berichteten auch mehrfach erwähnt - wurde der Hochwasserschutz nach dem Pfingsthochwasser 1999 in den damals betroffenen Gebieten am Alpenrand deutlich verbessert. Und diese Maßnahmen haben offensichtlich auch gegriffen.

Entwarnung an der Hochwasserfront, verbesserte Schutzmaßnahmen, die auch gewirkt haben und außerdem mehr Sonne. Eigentlich ist die Wetterwelt in Ordnung. Doch haben die großen Wassermassen in manchen Landesteilen auch die Trockenheit beendet, die uns das Jahr 2018 hinterlassen hat?

In den oberen Bodenschichten wird die Trockenheit inzwischen immer geringer. In den tieferen Bodenschichten zwischen 1 und 2 Metern ist das Wasserdefizit dagegen weiterhin groß bis sehr groß. Unterm Strich ist es schon der Wahnsinn, wie lange die Dürre dort bestehen bleibt. Außerdem ist das deutschlandweite Niederschlagsmittel im Mai inzwischen zwar bei knapp 100 Prozent angelangt - das entspricht durchschnittlich etwa 70 Liter pro Quadratmeter. Doch das liegt daran, dass der bisher meist zu trockene Norden und Nordwesten einer zu nassen bis deutlich zu nassen Südhälfte gegenübersteht.  

Dann blicken wir doch mal nach vorn: wie sind die Details für unser Wochenende?

Vor allem im Norden geht es nach dem frühsommerlichen Intermezzo rasch wieder etwas runter. Sowohl in punkto Temperaturen als auch was die Sonnenscheindauer betrifft. Der Süden merkt derweil am wenigsten davon. Hier stören höchstens mal einzelne Schauer und Gewitter, die sich im Tagesverlauf schon mal bilden können.

Was machen die Temperaturen?

Im Vergleich zur ersten Wochenhälfte ist es insgesamt ganz in Ordnung. Im Norden werden es Werte um die 15 Grad, knapp 20 Grad gibt es in der Mitte und bis zu 23 am Oberrhein und in Bayern.

Das ist nicht mehr kalt, aber richtiger Sommer ist auch anders. Wie sieht es in der nächsten Woche aus?

Von Montag bis Mittwoch sind die Wolken mit Regen überall häufiger und es wird auch wieder kühler. Oft bringen uns die Temperaturen nämlich kaum noch 20 Grad. Wenn es ganz schlecht läuft, dann könnte sich in den Alpen sogar neuerlich eine Wetterlage mit Starkregen einstellen. Zuerst mit einer ansteigenden Schneefallgrenze, die im Anschluss sogar wieder sinken dürfte. 

Das hört sich nicht gut an. Wie sieht es in der zweiten Wochenhälfte aus? Schließlich steht ja ein langes Wochenende bevor.

Ganz vage optimistisch. Allerdings mehr in der Richtung, dass es wieder etwas besser wird als Montag bis Mittwoch. Auch die Temperaturen dürften immerhin Richtung 20 Grad oder etwas darüber steigen. Hier gilt der Grundsatz: wenn die Erwartungen nicht allzu hoch sind, dann steigen die Chancen, dass diese auch erfüllt werden können. 

Die letzte Frage - frei nach Rudi Carrell: wann wird's mal wieder richtig Sommer?

Nach dem Monatswechsel deuten die Wettermodelle im Lauf der ersten Juniwoche wärmere Zeiten an. Aber bis dahin ist es ja noch ziemlich lang hin und die Unsicherheiten sind dementsprechend groß. Jedoch sollten wir nach dem Dauersommer im letzten Jahr nicht vergessen, dass der Sommer ja eigentlich auch erst im Juni beginnt.

Quelle: ntv.de