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Teenager-Morde von Bodenfelde Jan O. kommt nie wieder raus

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Das Gericht hat den Täter zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

(Foto: dapd)

Im Prozess um den gewaltsamen Tod der 14-jährigen Nina und des 13-jährigen Tobias aus Bodenfelde schickt das Landgericht Göttingen den Angeklagten Jan O. lebenslang hinter Gitter mit anschließender Sicherheitsverwahrung. Zudem wird der 26-Jährige in der Psychiatrie untergebracht. O. hatte aus kannibalistischen Motiven gemordet.

Das Landgericht Göttingen hat den Angeklagten Jan O. zu lebenslanger Haft, Unterbringung in der Psychiatrie und Sicherungsverwahrung verurteilt. Der psychisch kranke 26-Jährige hat Ende 2010 in Bodenfelde die 14-jährige Nina und den ein Jahr jüngeren Tobias umgebracht. In seinem Geständnis hatte er kannibalistische Handlungen an den Opfern zugegeben.

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Jan O. soll keine Gelegenheit mehr bekommen, straffällig zu werden.

(Foto: dapd)

Mit dem Urteil ging das Landgericht über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus, die nur eine 15-jährige Haftstrafe verlangt hatte. Die Anklage hatte dies mit der "schweren Persönlichkeitsstörung" des Mannes begründet, die von einem psychiatrischen Sachverständigen festgestellt worden war. Die Verteidigung hatte auf eine niedrigere Haftstrafe und Unterbringung in der Psychiatrie ohne Sicherungsverwahrung plädiert.

Jan O. soll die Jugendlichen auf der Suche nach Vergewaltigungsopfern zufällig ausgewählt, in ein Waldstück am Rand von Bodenfelde geschleppt, misshandelt und getötet haben. Dabei soll es O. vor allem darum gegangen sein, kannibalistische und vampiristische Handlungen an den noch lebenden und später an den bereits toten Opfern zu begehen.

Ein vom Gericht bestellter Gutachter hatte O. eine "ausgeprägte kombinierte Persönlichkeitsstörung" nach einem völlig zerrütteten Lebensweg bescheinigt. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft sprach nichts dafür, dass O. jemals wieder in Freiheit kommen könnte. Für ihn gelte auch laut Gutachten eine "extrem ungünstige Prognose".

Kriminologe: Jetzt nicht überreagieren

Der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), Christian Pfeiffer, mahnte Eltern und Erzieher, bei Gesprächen mit ihren Kindern nicht zur Hysterie zu neigen. "Ich würde jetzt nicht nur über Sexualmord reden. Das Risiko, dass ein Kind Opfer eines solchen Delikts wird, ist trotz der aktuellen Vorgänge extrem gering", sagte Pfeiffer bei n-tv. Auf der anderen Seite würden die Kinder massiv verängstigt und haben dann ständig Phantasien, wo die Gefahren auf sie lauern. Stattdessen sollte man mit seinen Kindern über die reellen Gefahren reden, "dass man sich anderen widersetzt, wenn sie von einem Dinge wollen, die man selbst nicht für richtig hält".

Pfeiffer appelliert in diesem Zusammenhang an die Eltern, Kinder liebevoll und gewaltfrei zu erziehen. "Wenn man sich in den allermeisten Fällen die Täterseite anschaut, kommt man schnell zu dem Schluss, dass dies allesamt Menschen sind, die nicht als Sexualmörder geboren, sondern dazu gemacht wurden durch sadistische, grauenhafte Erziehungsmethoden von Menschen, die für sie verantwortlich waren." Dies sei die erste und einfachste Art der Verbeugung. Zudem müsse man wissen, dass geliebte Kinder selbstbewusster sind. Sie setzen sich eher zur Wehr und sagen eher Nein als die Ungeliebten. Die Geschlagenen seien in Gefahr, weil sie die "Kraft zum Widerstand nicht haben".

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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