Panorama

Ex-Mann von RAF-Mitglied Meinhof "Konkret"-Gründer Klaus Röhl ist tot

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Klaus Röhl wandelte sich im Laufe seines Leben vom linken Rebellen zum konservativen Autor.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Seine linke Zeitschrift "Konkret" gilt das Sprachrohr der 68er-Bewegung. Einige Jahre später setzt bei Publizist Klaus Rainer Röhl die politische Kehrtwende ein. Nun ist der Ex-Mann von RAF-Gründungsmitglied Ulrike Meinhof gestorben.

Das linke Politmagazin "Konkret" war sein Lebenswerk. Die spätere RAF-Terroristin Ulrike Meinhof war seine Ehefrau. Am Dienstag ist der umstrittene Publizist Klaus Rainer Röhl nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gestorben. Demnach starb Röhl einen Tag vor seinem 93. Geburtstag.

Der aus Trockenhütte bei Danzig stammende Publizist hatte Deutsch und Geschichte studiert, noch vor dem Abschluss 1955 den "Studenten-Kurier" gegründet. Daraus wurde wenig später "Konkret". Das Blatt profilierte sich in der Anti-Atomkraftbewegung und galt Anfang der 60er als einzige publizistische Opposition in der Bundesrepublik. Ab 1964 leitete er "Konkret" in eigener Verantwortung und mit großem Erfolg - vor allem Mitte der 60er-Jahre - weiter. "Das war meine größte Zeit, da machte ich alles selbst, nur Stefan Aust, den ich direkt von der Schule geholt hatte, war mein einziger Mitarbeiter", sagte Röhl später.

Mitte der 70er stieg Röhl bei "Konkret" aus und gründete das - kurzlebige - Magazin "Dasda/Avanti". Mit dem Rückzug begann der 180-Grad-Schwenk, der ihm auch viel Kritik brachte: Er promovierte 1993 beim konservativen Berliner Historiker Ernst Nolte. 1975 bis 1978 war er SPD-Mitglied, 1995 trat er in die FDP ein und gehörte dort dem nationalen Flügel an.

"Ich habe und wollte die Linken verraten"

Später erklärte er zu seinem Sinneswandel, es habe 30 Jahre gedauert bis zur Erkenntnis, dass der Sozialismus ein grundlegender Fehler sei. "Ich habe und wollte die Linken verraten." Und: "Ich war mein Leben lang immer nur Publizist und damit ein Spiegelbild der Gesellschaft (...), aber ich bin da nirgendwo hängengeblieben, sondern immer meinen eigenen Weg gegangen."

Zu seinem 80. Geburtstag veröffentlichte Röhl seine Autobiografie "Mein langer Marsch durch die Illusionen", die um "Konkret" kreist und seine Mitarbeiterin, Ehefrau und dann erbitterte Gegnerin Ulrike Meinhof. "Es war Abneigung auf den ersten Blick. Auf beiden Seiten", schrieb Röhl über seine erste Begegnung mit der späteren Terroristin. Nach enger Zusammenarbeit kam es Ende 1961 zur Heirat, sogar ein Bausparvertrag für ein gemeinsames Haus in Hamburg-Blankenese wurde abgeschlossen.

"Es war eine gute, aber nicht unbedingt eine Liebesehe", sagte der später in Köln lebende Autor. Die Beziehung zerbrach, 1968 folgte die Scheidung, Meinhof ging 1970 in den Untergrund. Die RAF-Mitbegründerin erhängte sich im Mai 1976 in ihrer Zelle in Stuttgart-Stammheim.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa

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