Politik

Ehrenwort als Ablenkungsmanöver Kohl soll sich Spender ausgedacht haben

48c7a419de7a506c145e2f39ce9c543d.jpg

Kohl ist im Juni gestorben.

(Foto: dpa)

Die CDU-Spendenaffäre hat der Partei und Altkanzler Kohl sehr geschadet. Doch bis zu seinem Tod hielt Kohl an seiner Version des Ehrenworts gegenüber anonymen Spendern fest. Dabei gab es sie wohl nicht.

Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl soll die Öffentlichkeit in der CDU-Spendenaffäre getäuscht haben. Zu diesem Ergebnis kommen gemeinsame Recherchen des SWR und des "Spiegel". Demnach hat sich Kohl die Existenz anonymer Spender nur ausgedacht.

Kohl habe so noch größeren Schaden von sich und der CDU abwenden wollen. Denn tatsächlich stammten die Gelder aus der Industrie, seien dann in der Schweiz gewaschen worden und auf Konten in Frankfurt am Main gegangen.

Aus diesem System schwarzer Kassen habe sich Kohl, seit er 1973 CDU-Vorsitzender geworden war, mehr als 25 Jahre bedient. Kohls Ziel sei es dabei nicht gewesen, sich privat zu bereichern, betonte der Journalist Egmont Koch. Vielmehr sei es darum gegangen, seine Macht zu festigen, indem er Parteiorganisationen oder Landesverbänden Geld zukommen ließ. Diese seien ihm dann im Gegenzug gewogen gewesen.

Offenes Geheimnis

Die Journalisten berufen sich bei ihren Einschätzungen auf Indizien. So zitieren sie den Hauptabteilungsleiter Organisation der Bundes-CDU von 1979 bis 1989, Rüdiger May. Der nannte die ganze Konstruktion mit dem Ehrenwort, das Kohl angeblich vier oder fünf anonymen Spendern gegeben habe, "absolut unglaubwürdig". Außerdem verweisen sie auf eine frühere Aussage des heutigen Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble, der schon vor zwei Jahren über Kohls Spendenaffäre gesagt hatte, es gebe keine anonymen Spender.

Die CDU-Spendenaffäre war 1999 aufgedeckt worden. Kohl räumte damals ein, selbst für die Partei Spenden erhalten und nicht angemeldet zu haben. Er verweigerte jede Auskunft mit der Begründung, er habe den Geldgebern mit seinem "Ehrenwort" Anonymität zugesichert. In der Folge kam es zum Bruch mit der damaligen Parteiführung um den Vorsitzenden Schäuble und der Generalsekretärin Angela Merkel. Im Januar 2000 wurde Kohl dann zum Verzicht auf den Ehrenvorsitz gedrängt.

Quelle: n-tv.de, sba

Mehr zum Thema