Politik

Armee stürzt Thaksin Putsch in Bangkok

Das thailändische Militär hat einen Auslandsaufenthalt des umstrittenen Regierungschefs Thaksin Shinawatra zu einem unblutigen Putsch genutzt. Eine Gruppe mit "Namen Demokratische Reform unter dem Rat der Monarchie" erklärte am frühen Mittwochmorgen (Ortszeit) im Fernsehen, Streitkräfte und Polizei seien unter ihrer Kontrolle.

Thaksin hatte nach Bekanntwerden der ersten Putschgerüchte von New York aus, wo er an der UN-Vollversammlung teilnahm, den Ausnahmezustand über das Land verhängt. Es ist der 20. Putsch in Thailand seit 1932.

Man werde die Macht bald wieder an eine "Regierung unter der Monarchie" abgeben, sagte ein Sprecher der Putschisten unter Führung von Armeechef Sonthi Boonyaratkalin. Unklar ist noch, ob die ganze Armee hinter den Putschisten stand und inwieweit die Militärs tatsächlich die Lage kontrollieren.

Vertrauter des Königs neuer Regierungschef

Das Militär ernannte mit General Surayudh Chulanont einen Vertrauten von König Bhumibol Adulyadej zum neuen Regierungschef. Die Putschisten erklärten das Kabinett und den Senat für aufgelöst sowie die Verfassung für außer Kraft gesetzt.

Wenige Stunden nach dem Putsch sagte Thaksin eine geplante Rede vor der UN-Vollversammlung ab. Ein Vertreter der (abgesetzten) thailändischen Regierung sagte, die Lage im Land bleibe unklar. Wann Thaksin nach Hause fliege, sei noch nicht entschieden. Er bereite aber eine Erklärung vor.

Am Abend waren Panzer in der Hauptstadt Bangkok aufgefahren und hatten Regierungsgebäude umstellt. Der Staatsrundfunk unterbrach sein Programm, spielte patriotische Musik und zeigte Bilder der vom Volk verehrten Königsfamilie. Vize-Regierungschef Surakiart Sathirathai sagte dem US-Sender CNN, Thaksin habe den Armeechef abgesetzt. Er hoffe, dass die Lage bald wieder unter Kontrolle sei.

Thaksin steht seit Anfang des Jahres unter enormen politischen Druck. Vor der Parlamentswahl im April hatte es in Bangkok wochenlange, vor allem von der städtischen Mittelschicht getragene Massenproteste gegen den Regierungschef gegeben. Der öffentliche Zorn hatte sich an einem umstrittenen, millionenschweren Aktiengeschäft zugunsten seiner Familie entzündet.

Die Abstimmung gewann Thaksins Partei "Thai Rak Thai" (Thais lieben Thais) zwar erwartungsgemäß. Durch einen Wahlboykott der Opposition konnte jedoch das Abgeordnetenhaus nicht zusammentreten. Auf Weisung des Königs suchten die höchsten Gerichte des Landes Wege aus der Krise und annullierten schließlich die Wahl. Die Abstimmung sollte Mitte Oktober wiederholt werden. Erst vor wenigen Tagen hatte Armeechef Sonthi öffentlich Gerüchte über bevorstehenden Putsch gegen die Regierung zurückgewiesen.

"Deutsche in Thailand sollen in Hotels bleiben"

Das Auswärtige Amt riet Deutschen in Thailand zur Ruhe. Die Menschen sollten in ihren Hotels bleiben und sich durch die Medien über die Entwicklung der Lage informieren, sagte eine Sprecherin in Berlin. Das Auswärtige Amt beobachte die Situation in Thailand und insbesondere in der Hauptstadt Bangkok sehr aufmerksam. Bislang gebe es aber keine Informationen über Gewalttätigkeiten.

Die deutsche Botschaft in Bangkok habe einen Bereitschaftsdienst eingerichtet, sagte die Sprecherin. Dieser sei auch über Nacht zu erreichen.

Reiseveranstalter warten ab

Die beiden größten deutschen Reiseveranstalter TUI und Thomas Cook haben noch nicht über Kulanzregeln wie kostenlose Umbuchungen oder Stornierungen entschieden. "Wir haben bislang keine ausreichenden Informationen über die Lage in Thailand. Wir werden am Mittwoch sicherlich über die Situation dort beraten und gegebenenfalls neu entscheiden", sagte ein Sprecher von Thomas Cook am Dienstag. Ähnlich äußerte sich ein TUI-Sprecher. Bisher ist geplant, dass TUI-Reisende mit einer thailändischen Linienmaschine am Mittwoch planmäßig nach Thailand abheben.

TUI hat nach eigenen Angaben derzeit 300 Urlauber in ganz Thailand, mit Thomas Cook sind gut 600 Touristen aus Deutschland dort. Die Hauptsaison für Urlaub in Thailand ist in diesem Jahr noch nicht angelaufen.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema