Politik

"Architekt soll Klappe halten" Streit um Notre-Dame-Turm spitzt sich zu

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Es war einmal eine Kathedrale mit Spitzturm: Soll Notre-Dame beim Wiederaufbau modernisiert werden oder soll der Turm rekonstruiert werden, wie er war? Diese Frage erhitzt in Paris die Gemüter.

(Foto: REUTERS)

Ein Großbrand bringt den berühmten Spitzturm von Notre-Dame zum Einsturz, nun tobt darum ein Kulturstreit. Präsident Macron will einen modernen Turm, vielleicht aus Glas, und beauftragt einen Ex-General mit dem Wiederaufbau. Der schlägt nun einen ruppigen Ton an und verbietet Widersachern den Mund.

Originalgetreu oder modern: Der Wiederaufbau der bei einem Brand zerstörten Pariser Kathedrale Notre-Dame erhitzt die Gemüter. Der Beauftragte von Präsident Emmanuel Macron, Jean-Louis Georgelin, wies Chefarchitekt Philippe Villeneuve zurecht, er solle "die Klappe halten". Der Architekt befürwortet eine historische Rekonstruktion des zerstörten Spitzturms, Präsident Macron will jedoch einen "kreativen Wiederaufbau" in moderner Form. Im Gespräch ist etwa ein gläserner Turm.

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General Georgelin: Macrons Beauftragter für den Wiederaufbau von Notre-Dame.

(Foto: AP)

Der Fünf-Sterne-General Georgelin zeigte sich bei einer Anhörung durch einen Parlamentsausschuss entrüstet über das wiederholte Plädoyer von Chefarchitekt Villeneuve für eine historische Lösung. "Ich habe ihm erklärt, er soll die Klappe halten", sagte der 71-jährige General, den Macron nach dem Brand am 15. April überraschend aus dem Ruhestand zurückgeholt und mit dem Wiederaufbau beauftragt hatte.

Die Frage des Spitzturms stelle sich erst Anfang 2021, betonte Georgelin. "Wir werden dann die beste Wahl für Notre-Dame, für Paris und die Welt treffen", sagte der frühere Fünf-Sterne-General, der von 2006 bis 2010 Generalstabschef der französischen Armee war. Dagegen hatte Chefarchitekt Villeneuve immer wieder betont, dass er für einen originalgetreuen Wiederaufbau des Spitzturms sei. "Für mich muss man nicht einfach nur einen Spitzturm bauen, sondern einen identischen, damit er zeitlos ist", hatte er im Sommer der Zeitung "Le Figaro" gesagt. Kulturminister Franck Riester rief General Georgelin zur Ordnung auf. "Respekt ist ein wichtiger Wert unserer Gesellschaft. Als Beamte müssen wir vorbildlich sein", forderte er.

General vorgesetzt: Kultusminister ist nicht begeistert

Das französische Kulturministerium hatte Georgelins Bestallung aus dem Élysée-Palast als Kriegserklärung aufgenommen. Denn bislang war es das Privileg des Kulturministers, denkmalgeschützte Wahrzeichen wie Kathedralen und andere Monumente zu restaurieren. Es hieß laut Medienberichten, die Denkmalschutzarchitekten und Dombaumeister seien entsetzt darüber, dass sie einen General vorgesetzt bekommen haben.

Derzeit sind noch die Arbeiten zur Absicherung der Kathedrale im Gang. Georgelin erklärte in seinen Ausführungen vor dem Parlament weiter, dass die Sicherung der Kathedrale noch nicht abgeschlossen sei. Größtes Problem sei das Gerüst, das vor dem Feuer für Bauarbeiten auf dem Dach von Notre-Dame angebracht wurde. Es war bei dem Brand teilweise geschmolzen und ist seitdem an Ort und Stelle. Das Gerüst spiele eine "erhebliche Rolle" mit Blick auf das Gleichgewicht des Gebäudes, so Georgelin. Besonders gefährlich könnte ein heftiger Sturm sein, der Gebäude und Gerüst destabilisieren könnte.

Der eigentliche Wiederaufbau der Kathedrale soll 2021 beginnen. Macron hat eine Wiedereröffnung der gotischen Kirche bis 2024 versprochen. Experten halten dies für sehr ehrgeizig.

Quelle: ntv.de, mau/AFP/dpa