Sport

Ärger wegen "frivolem Bericht" DSV produziert skurrile Personal-Posse

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Dirk Klingenberg (hier 1997) wird nun doch nicht Leistungssportdirektor des DSV.

Der Deutsche Schwimm-Verband kommt nach der Trennung von seinem Leistungssportdirektor nicht zur Ruhe. Der Nachfolger bleibt nur 24 Stunden im Amt, dann muss auch der wieder gehen. Wohl auch auf Druck von Athletinnen und Mitarbeiterinnen.

Ein sieben Jahre altes Werbefoto löst im deutschen Schwimmsport gerade große Wellen aus. Drei barbusige Frauen halten umringt von fünf stattlichen Wasserballern einen Frottee-Bademantel hoch, auf dem das Logo des Berliner Groß-Bordells "Artemis" klar zu erkennen ist. Unten links auf dem Bild hockt mit rausgestreckter Brust Dirk Klingenberg, der sich zu einem Werbespruch hinreißen ließ: "Erst gewinnen wir den Oldie-Titel, danach feiern wir unseren Sieg im Artemis-Pool."

Die Werbeaktion von 2014 wird dem 190-maligen Wasserball-Nationalspieler jetzt zum Verhängnis. Nur einen Tag nach seiner offiziellen Ernennung zum Leistungssportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) wurde Klingenberg der Posten wieder entzogen. Der "frivole Bericht" aus Klingenbergs Vergangenheit sei "mit den hohen moralischen Ansprüchen des Spitzenverbandes nicht vereinbar", hieß es als Begründung in einer DSV-Pressemitteilung.

Klingenberg vermutete zunächst einen verfrühten Aprilscherz. "Ich habe ehrlich gedacht, es sei schon der 1. April", sagte der 51-Jährige: "Ich fühle mich als Bauernopfer." Der Vorwurf des Sexismus, den man aus dem Vorgang ableiten könnte, sei "völlig aus der Luft gegriffen, um gegen mich Politik zu machen", so Klingenberg: "Es gibt keine Leiche bei mir im Keller, nur dieses eine Foto."

"... erst recht nichts Verbotenes"

Und das sei dem Unternehmensberater Michael Rosenbaum, der dem DSV bei der Auswahl des Sportdirektors die Empfehlung gibt, auch bekannt gewesen. "Das Foto hat vielleicht ein Geschmäckle, ist aber nichts Verwerfliches und erst recht nichts Verbotenes", verteidigte sich Klingenberg: "Fachlich war man von mir überzeugt."

Und doch reichte es dem DSV aus, die Ernennung zurückzuziehen, was für Außenstehende eine peinliche Posse ist. Aber intern soll es Druck von Schwimmerinnen und DSV-Mitarbeiterinnen gegeben haben. Nach den jüngsten Missbrauchsvorwürfen im Verband ist das Thema ein hochsensibles, zumal dem DSV ein Streit vor dem Arbeitsgericht mit dem bisherigen Leistungssportdirektor Thomas Kurschilgen droht.

Kurschilgen musste seinen Posten räumen, weil er laut Verbandssicht Hinweisen auf Missbrauchs-Verdachtsfälle nicht angemessen nachgegangen sein soll. Kurschilgens Anwalt Jan Friedrich Beckmann sagte der "Süddeutschen Zeitung" zu dem Vorwurf: "Es ist nicht ansatzweise zu erkennen, welche Pflichtverletzung eine Freistellung oder die außerordentliche Kündigung durch den DSV-Vorstand rechtfertigen könnte." Die Rolle rückwärts im Fall Klingenberg dürfte also auch mit Blick auf den möglichen Prozess mit Kurschilgen erfolgt sein.

"Mir tun Athleten und Athletinnen leid"

Die offizielle Erklärung kann Klingenberg nicht nachvollziehen. "Wie definiert man denn 'hohe moralische Ansprüche'? Wenn sich eine Athletin für den Playboy auszieht, ist das dann auch unmoralisch?", sagte der Olympiateilnehmer von 1996. Er wünsche dem DSV viel Erfolg bei der Neuausrichtung, "mir tun die Athleten und Athletinnen leid, sie müssten eigentlich im Mittelpunkt stehen, aber stattdessen ist auf den Verband wieder ein schlechtes Licht geworfen."

Ab dem kommenden Wochenende springen die Leistungsschwimmer wieder ins Wasser, der Wettbewerb in Heidelberg ist der Auftakt der vierteiligen Olympia-Qualifikation. Die größten Wellen werden aber erneut abseits des Beckens geschlagen. Freiwasserstaffel-Weltmeisterin Sarah Köhler, die ihr Tokio-Ticket bereits in der Tasche hat, hatte schon nach der Trennung von Kurschilgen von "Verunsicherung, Unruhe und auch Angst" gesprochen.

Quelle: ntv.de, ter/sid

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