Totenstille im Baseball-Tempel

Die größte Dynastie der Moderne zerfällt zu Scherben

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Shohei Ohtani ist das Gesicht des Zusammenbruchs. (Foto: IMAGN IMAGES via Reuters Connect)
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16.10.2026 | 11:38 Uhr
Der Traum der Los Angeles Dodgers vom Threepeat platzt mit einer krachenden Niederlage. Mit 0:4 verliert der Titelverteidiger die Halbfinal-Serie gegen die Milwaukee Brewers.

Milwaukees Jackson Chourio pflückte mühelos den letzten Ball aus dem Nachthimmel über dem Dodger Stadium, und die wohl schönste Arena des Baseballs erstarrte in Totenstille. Kein Feuerwerk, keine Bierduschen, stattdessen Agonie und ein am Boden zerstörter Megastar Shohei Ohtani: An einem heißen Herbstabend zerfiel nördlich von Los Angeles Downtown eine Dynastie zu Scherben.

"Mag ja sein, dass die Dodgers eine ganze Menge künftiger Hall-of-Famer haben. Wir haben dafür eine ganze Menge Kämpfer. Und die haben gewonnen", rief Pat Murphy von der Bühne ins schon gut geleerte Rund. Der Manager der Milwaukee Brewers, die zum zweiten Mal nach 1982 in die World Series einzogen, fasste zusammen, was sich an vier denkwürdigen Abenden abgespielt hatte. 

"Einfach ganz großer Mist"

0:4 verlor Titelverteidiger Los Angeles Dodgers die Halbfinal-Serie der MLB, die 4:6-Heimniederlage am Donnerstag finalisierte den "Sweep", der den historischen dritten National-League-Titel in Folge der Dodgers verhinderte. "Und das ist nun wirklich zum Kotzen, einfach ganz großer Mist", grummelte Leftfielder Teoscar Hernández ins Mikro.

Verlieren? Das war bei den Dodgers nicht vorgesehen. 2024 und 2025 hatten sie die World Series gegen den Champion der American League gewonnen, Resultat eines sagenhaften finanziellen Kraftaktes. Anders als beispielsweise in der NBA bremst (noch) keine Salary Cap die MLB-Franchises, mit ausreichend Mitteln lässt sich ein Traumteam zusammenbasteln. 

Dodgers werfen mit Geld um sich

Und die Dodgers hauten reichlich raus: Ohtani ist mit einem Vertrag über 700 Millionen US-Dollar ausgestattet, Kyle Tucker kassierte alleine 2026 55 Millionen, während der Saison kam noch Toppitcher Tarek Skubal. Rund 430 Millionen US-Dollar betrugen in dieser Saison die Gehaltskosten - Milwaukee, noch nie World-Series-Champion, kam mit 154 Millionen auf ein knappes Drittel.

Lange rentierte sich der finanzielle Großmut. Doch nun fielen die Dodgers, die 2025 die Brewers im NL-Finale noch mit 4:0 filettiert hatten, in sich zusammen, seit dem Sommer funktionierte das Kollektiv nicht mehr. Und der strahlende Ohtani war das Gesicht des Zusammenbruchs. 

"Er ist eben auch nur ein Mensch"

Durch den gesamten Sommer zogen sich dessen Knieprobleme, seit Monaten trat das japanische Einhorn mit Weltklasse-Format in Doppelfunktion nicht mehr als Pitcher, sondern nur noch als Schlagmann an. Seine Homeruns halbierten sich fast von 55 auf 30, in den Playoffs war Ohtani ein Totalausfall - am Donnerstag gelang ihm sein einziger Postseason-Homerun, in diesem steckten sichtlich viel Frust und Wut. "Er ist eben auch nur ein Mensch", erinnerte Manager Dave Roberts die Dodgers-Fans an etwas, das sie vergessen haben schienen.

Dass die Dodgers nun alles einreißen, ist nicht zu erwarten. Zumindest 2027 bleibt der Kader, wie er ist, wird höchstens noch einmal verstärkt. Und es bleibt bei allem Schmerz die wohlige Erkenntnis, dass der ewige Erzrivale deutlich schlechter dran ist: Die New York Yankees, mit denen sich die Dodgers schon zu ihren Brooklyner Zeiten beharkten, schieden noch früher aus und warten seit 2009 auf einen World-Series-Triumph.    

Verwendete Quellen: ntv.de, tno/sid