Boxprofi Simon Zachenhuber hat seine unverhoffte WM-Chance nicht zum WBO-Triumph genutzt, sich aber hervorragend verkauft. Im saudi-arabischen Dschidda unterlag der Supermittelgewichtler aus Bayern dem weiter ungeschlagenen Titelträger Hamzah Sheeraz aus Großbritannien am späten Samstagabend unerwartet knapp nach Punkten. Es war Zachenhubers zweite Niederlage im 31. Profikampf.
Der 29-Jährige aus Erding hielt in den ersten Runden exzellent mit, kassierte aber dann immer wieder die zermürbende Rechte seines klar favorisierten Gegners. Ab der fünften Runde ließ er nach, erwies sich jedoch als sehr zäh und erarbeitete sich den Respekt des Publikums. "Du wirst ihn ausknocken müssen!", rief sein Trainer Conny Mittermeier vor der letzten Runde - es gelang nicht.
Zachenhuber, der einem kampfsportfernen Publikum 2021 als Kandidat in der RTL-Show "Let's Dance" bekannt wurde, war erst vor wenigen Wochen zu seiner WM-Chance gekommen. Er habe "sofort Ja gesagt, ohne lange zu überlegen", berichtete der "Matador" im Vorfeld bei DAZN: "Es ist ein Traum, der jetzt in Erfüllung geht."
Seine Rolle als Außenseiter nahm der frühere Kickboxer an, sagte aber trotzig: "Ich werde nach vorne gehen, Vollgas geben und alles daransetzen, den Kampf für mich zu entscheiden. Es war noch nie eine gute Idee, jemanden zu unterschätzen." Sheeraz kämpfte überraschend monoton.
Joshua erst am Boden, dann mit K.o.
Im Anschluss gab der frühere Schwergewichtsweltmeister Anthony Joshua sein Comeback. Der Brite zeigte gegen Kristian Prenga aus Albanien in der zweiten Runde, warum er der Favorit im Kampf war. Rund 15 Sekunden vor dem Ende schlug der 36-Jährige seinen Gegner k.o., mit seiner gefürchteten Rechten hatte er Prenga voll am Kopf getroffen. Der Albaner wurde in die Seile geschleudert, ging zu Boden und wurde vom Ringrichter ausgezählt.
Zuvor hatte Joshua, der nach seinem folgenschweren Verkehrsunfall unter Beobachtung stand, einen Schock im Ring verkraften müssen. Prenga hatte ihn wenige Sekunden nach der Eröffnung auf den Boden geschickt. Er hatte sich gerade erst wieder erhoben, als er weitere harte Treffer kassierte und sich nur mit Mühe in die zweite Runde schleppte. Die erste gewann Prenga mit 10:7. Doch Joshua erholte sich und fand zu seiner Stärke zurück.
Nach dem Kampf sagte er: "Es geht um mehr als nur Schlagkraft. Es ging um Kampfgeist, um Latz, um Sina, um die Familien. Es schmerzt, auch nur darüber zu sprechen. Es war eine schwere Zeit" Bei einem folgenschweren Verkehrsunfall im Dezember 2025 in Nigeria kamen zwei Freunde und Mitglieder seines Staffs ums Leben. Er überlebte den Unfall weitgehend unverletzt. Er stockte sichtlich, als er sagte: "Es sind meine Brüder. Ich möchte nicht darüber reden."
Der Kampf in Saudi-Arabien war Joshuas erster Schritt beim neuerlichen Versuch, wieder in die Weltspitze vorzudringen. Im November wartet ein Hingucker, wenn Joshua im "Battle of Britain" auf Ex-Weltmeister Tyson Fury trifft.

