Der WBC hat am Samstag rund 24 Stunden nach der überraschenden Titelniederlegung von Usyk seine Entscheidung verkündet und Agit Kabayel zum Nachfolger ernannt. Der 33-Jährige ist damit der erste deutsche Schwergewichtsweltmeister seit dem legendären Max Schmeling, der am 12. Juni 1930 seinen WM-Titel erlangt hatte.
Kabayel war zuletzt Interimsweltmeister und rückt nun nach, nachdem er zuvor vermehrt versucht hatte, einen Titelkampf mit Usyk anzuzetteln. Eigentlich wäre Kabayel der nächste Gegner für eine Pflichtverteidigung des Ukrainers gewesen. Für Kabayel ist dies der größte Erfolg seiner Karriere, in der er bislang noch ungeschlagen ist und eine Bilanz von 27 Siegen in 27 Kämpfen vorweist, 19 davon gelangen ihm durch K.o.
Der frischgebackene Titelträger reagierte bereits auf Instagram auf seinen Erfolg und schrieb: "Unglaublich. Seit heute bin ich WBC-Schwergewichts-Weltmeister." Er fuhr fort: "Der erste kurdische Schwergewichts-Weltmeister der Geschichte und der erste deutsche Schwergewichts-Weltmeister seit fast 100 Jahren. Worte können nicht beschreiben, was ich gerade fühle."
Zudem bedankte er sich bei seinen Wegbebleitern: "Danke an jeden Einzelnen von euch für die Unterstützung auf diesem Weg. Dieser Erfolg gehört uns allen." Und er gelobte: "Ich werde alles dafür tun, diesen Gürtel lange zu behalten und meiner Sammlung noch weitere Titel hinzuzufügen."
Kabayel bedauert verpasste Chance
Dass es nun nicht dazu kam, bedauerte Kabayel gegenüber ntv Sport vor seiner Ernennung zum neuen Weltmeister. Ein Stück weit sei er enttäuscht, räumte Kabayel ein. "Aber es ist, wie es ist. Es hat sich einfach keine Option ergeben. Es lagen keine großen Börsen auf dem Tisch, es gab keinen Sponsor, der das bezahlen wollte", sagte der Deutsche, der wegen seines auf Körperattacken ausgelegten Stils den Spitznamen "Leberking" trägt.
"Ich hoffe, Deutschland freut sich darüber und sieht in mir einen würdigen Nachfolger von Max Schmeling", sagte der Boxer aus dem Ruhrpott mit kurdischen Wurzeln. Zudem ist Kabayel auch nicht der erste Schwergewichtsweltmeister, der seinen Titel nicht im Ring errang. Auch die Boxlegenden Ken Norton (1978) und Lennox Lewis (1992) erhielten so die Weltmeister-Lorbeeren. Norton, weil Muhammad Ali (damals auch WBA-Weltmeister) nicht ein viertes Mal gegen ihn antrat. Und Lewis, weil Champion Riddick Bowe den WBC-Gürtel in eine Mülltonne warf und ein Duell mit seinem Pflichtherausforderer vehement ablehnte.
Was nun kommt, ist noch unklar, doch ist davon auszugehen, dass Kabayel zeitnah bereits selbst zu seiner ersten Titelverteidigung antreten muss. Mögliche Herausforderer könnten dann Tyson Fury, Lawrence Okolie und Moses Itauma sein, die in der Weltrangliste weit vorn stehen.

