Deutscher lässt Muskeln spielen

Lipowitz setzt in Pogacars Heimat ein gelbes Ausrufezeichen

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Etappensieger Florian Lipowitz (l.) fährt bei der Slowenien-Rundfahrt nun in Gelb. (Foto: picture alliance / Roth / SCA)
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21.06.2026 | 12:22 Uhr
Ausgerechnet in Slowenien hat Florian Lipowitz an Form und Selbstvertrauen für die Tour de France gearbeitet. Die deutsche Tour-Hoffnung sendet eine Botschaft an die Konkurrenz.

Eine nicht unwichtige Frage für jeden Radprofi hat Florian Lipowitz schon mal geklärt: Gelb steht ihm gut. Nach seinem Sieg auf der Königsetappe der Slowenien-Rundfahrt durfte Deutschlands bester Radprofi das Trikot des Gesamtführenden überziehen, damit beendete der Tour-Dritte zwei Wochen vor dem Rennen der Rennen eine Durststrecke - und sendete ein Zeichen an die Konkurrenz.

"Ich freue mich riesig über diesen Sieg. Es hat jetzt zwei Jahre gedauert", sagte Lipowitz, der sich als Spitzen-Rundfahrer etabliert hat - aber selten als Erster über den Zielstrich fährt. Am Samstag war dies anders, am 7,7 Prozent steilen letzten Anstieg ließ der 25-Jährige die Muskeln spielen und überquerte den 1611 m hohen Vrsic-Pass als Solist. Runder Tritt, klarer Fokus. Ein Bild der Stärke.

Lipowitz weckt Träume vom ersten Toursieg seit Jan Ullrich

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Bei der Abfahrt Richtung Ziel ließ Lipowitz es dann vergleichsweise ruhig angehen, bloß nichts riskieren vor dem Start der Tour de France am 4. Juli in Barcelona. Gefahr drohte ihm ohnehin nicht, nur sein Red Bull-Bora-hansgrohe-Teamkollege Giulio Pellizzari konnte aufschließen und rollte dicht hinter seinem Kapitän, der seinen vierten Profi-Sieg feierte, ins Etappenziel.

Sieg auf World-Tour-Level fehlt noch

Am Sonntag wartete noch das letzte Teilstück mit Ziel in Novo Mesto. Lipowitz kann dann seine erfolgreichen Tage in der Heimat des viermaligen Tour-Siegers Tadej Pogacar krönen. Es wäre sein dritter Gesamterfolg bei einer Rundfahrt nach der Czech Tour 2023 sowie der Sibiu Tour 2024. Ein Sieg auf World-Tour-Level fehlt Lipowitz noch.

Doch das ist zweitrangig für den introvertierten Deutschen, dessen starkes Team die nicht allzu prominent besetzte 32. Tour of Slovenia dominierte. Er wolle sich "einfach gut vorbereiten und nach der Tour sagen können, dass ich mein Bestes gegeben habe", beteuerte Lipowitz zuletzt im Interview mit dem Sportinformationsdienst.

Der Ulmer geht dem Trubel gern aus dem Weg. Schon im vergangenen Jahr war dies sein Erfolgsrezept, als er aus dem Windschatten des hochdekorierten, aber in die Jahre gekommenen Primoz Roglic ausscherte und für das erste deutsche Tour-Podest nach 19 Jahren sorgte.

Auch diesmal werden andere im Fokus stehen. Allen voran Pogacar, der seine Heimat-Rundfahrt ausließ und die parallel stattfindende Tour de Suisse als Härtetest nutzte. Nach zahlreichen superdominanten Vorstellungen - nicht nur in diesem Frühjahr - scheint bei der Frankreich-Rundfahrt kein Weg an dem Slowenen vorbeizuführen.

Viel Konkurrenz neben Pogacar

International steht auch der Däne Jonas Vingegaard stärker im Vordergrund als Lipowitz, erst recht nach seinem dominanten Giro-Sieg - in Abwesenheit Pogacars - wird der Tour-Sieger von 2022 und 2023 als erster Herausforderer betrachtet. Im Fokus zudem: Paul Seixas, das 19 Jahre alte Wunderkind, das bei seinem Tour-Debüt nicht nur mit den immensen Strapazen, sondern auch der überbordenden Sehnsucht der Grande Nation auf den ersten Erfolg eines Franzosen seit 1985 zurechtkommen muss.

Und zumindest an den Anfangstagen der Tour dürfte auch im Team Red Bull-Bora-hansgrohe die Aufmerksamkeit auf einem anderen liegen: Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel, hochbezahlter Neuzugang, ehrgeizig bis ans Herz, aber im Hochgebirge weniger stark als Lipowitz, schielt schon auf das Gelbe Trikot. Schließlich beginnt die Tour mit einem Mannschaftszeitfahren auf eher flachem Terrain.

Lipowitz' Tage kommen erst danach. Und dann wird er auch bei Abfahrten keine Vorsicht mehr walten lassen.

Verwendete Quellen: ntv.de, msc/sid