Schock für deutsche Hoffnung

Florian Lipowitz gibt Tour de France nach heftigem Sturz auf

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21.07.2026 | 17:41 Uhr
Florian Lipowitz fährt auf der 16. Etappe der Tour de France ein starkes Zeitfahren. Dann stürzt er in einer Rechtskurve, knallt heftig auf den Asphalt und wird abtransportiert. Die Frankreich-Rundfahrt ist für die deutsche Tour-Hoffnung vorbei.

Der deutsche Hoffnungsträger Florian Lipowitz hat bei der Tour de France nach einem heftigen Sturz aufgegeben. Der Vorjahresdritte kam während des Einzelzeitfahrens der 16. Etappe in Thonon-les-Bains zu Fall und rauschte bei hoher Geschwindigkeit in eine Absperrung. Lipowitz hielt sich die rechte Schulter und wurde zu einem Krankenwagen geführt. Rund 40 Minuten später betrat er von einem Betreuer gestützt mit Wunden an Schulter und Bein den Medical Truck.

Wie Lipowitz' Team Red Bull-Bora-hansgrohe mitteilte, erlitt der 25-Jährige einen Schlüsselbeinbruch. Er hatte vor der Etappe auf Gesamtrang fünf gelegen, auch beim Zeitfahren war er bei den Zwischenzeiten in aussichtsreicher Position. "In der entscheidenden Kurve war er letztlich viel zu schnell und ist sie zu optimistisch angegangen. Ich sehe hier keine Schuld bei jemand anderem", sagte Teamchef Ralph Denk im teameigenen Podcast: "Das war ein Rennunfall im Eifer des Gefechts. Wenn es um etwas geht, muss man Risiken eingehen - in diesem Fall hat er ein Stück weit zu viel riskiert."

"Bittersüßer" Sieg für Evenepoel

Den in diesem Jahr einzigen Einzel-Kampf gegen die Uhr gewann Lipowitz' Red-Bull-Kollege Remco Evenepoel. Der Zeitfahr-Weltmeister und Doppel-Olympiasieger distanzierte in seiner Paradedisziplin über 26,1 Kilometer den Gesamtführenden Tadej Pogacar um 28 Sekunden, Dritter wurde der Däne Mattias Skjelmose (Lidl-Trek/+1:04).

"Das ist ein großes Unglück. Es ist ein bittersüßer Sieg", sagte Evenepoel im Sieger-Interview über den schweren Sturz von Lipowitz: "Ich wünsche ihm das Allerbeste." Für den Belgier war es der vierte Tour-Tagessieg seiner Karriere und der zweite nacheinander. Auch Pogacar schickte Genesungswünsche: "Ich bin an derselben Stelle auch fast gestürzt. Ich hoffe, dass Lipo okay ist." Im Kampf ums Gelbe Trikot liegt Pogacar weiter klar vorne - jetzt 4:32 Minuten vor Evenepoel, der in den Bergen klar schwächer ist als der Slowene. Dritter ist der Mexikaner Isaac del Toro 6:51 Minuten hinter dem viermaligen Toursieger.

Lipowitz wird die französische Hauptstadt, in der er 2025 sensationell als Gesamtdritter und Träger des Weißen Trikots eingefahren war, nicht auf dem Rad erreichen. Der Deutsche ist der zweite prominente Ausfall binnen 48 Stunden. Erst am Sonntag war der zweimalige Tour-Champion Jonas Vingegaard (Visma-Lease a bike) nach einem Sturz ausgeschieden. 

Wieder folgenschwerer Sturz nach Dopingkontrolle

Gesprächsstoff hatte sich zuvor am Thema Dopingkontrollen entzündet. Wie Teamchef Ralph Denk im ZDF berichtete, wurde auch das Red-Bull-Team am Montagabend kontrolliert. Die Tests aller Fahrer fanden zwischen 22 Uhr und 23 Uhr statt und damit noch vor dem Zeitraum, in dem nächtliche Kontrollen nur bei einem konkreten Verdacht zulässig sind. Denk räumte zwar ein, dass die Maßnahme die Regeneration beeinträchtige, äußerte aber zugleich Verständnis für die Kontrollen. 

Auch der deutsche Red-Bull-Profi Nico Denz hegte keinen Groll: "So ist es eben. Immerhin war die Kontrolle nicht um zwei Uhr nachts, sondern gegen halb elf", sagte Denz in der ARD. Ex-Champion Vingegaard (Visma-Lease a bike) war in der Nacht zu Sonntag um 2 Uhr getestet worden, er stürzte am selben Tag und schied aus. Nun ereilte dieses Schicksal auch Lipowitz.

Evenepoel in eigener Liga

Ohne Vingegaard ging der Tagessieg nur über die Spezialisten Pogacar und Evenepoel, der mit einem Prototypen seines Rad-Herstellers auf den anspruchsvollen Kurs ging. Vor dem Top-Duo legte Lipowitz stark vor und sicherte vermeintlich früh den fünften Gesamtrang vor dem enttäuschenden Spanier Juan Ayuso (Lidl-Trek) ab. Mit den Podest-Rivalen Isaac Del Toro (UAE Emirates-XRG) und Paul Seixas (Decathlon CMA CGM) fuhr der Deutsche auf Augenhöhe, dann platzten alle Podestträume auf schmerzhafte Weise.

Im Kampf um den Tagessieg erwischte Topfavorit Evenepoel einen besseren Auftakt. An der Spitze der Cote de Larringes, einem 9,7 km langen Anstieg, der mit dem Rollen von der Startrampe begann, lag er 14 Sekunden vor Pogacar. Nach der technischen Abfahrt folgte ein etwa acht Kilometer langes Flachstück ins Ziel - Pogacar kam nicht mehr heran. 

Vor der spektakulären Alpentrilogie, bei der die großen Entscheidungen im Gesamtklassement fallen werden, wartet auf der 17. Etappe am Mittwoch ein etwas entspannterer Tag auf das Peloton. Der Kurs führt über 174,7 km nach Voiron und begünstigt einen Ausreißererfolg. Die Sprinter hoffen auf eine letzte Chance.

Verwendete Quellen: ntv.de, mar/sid