Radprofi Florian Lipowitz ist nach seinem schweren Sturz bei der Tour de France bereits operiert worden und wird voraussichtlich noch bis Donnerstag im Krankenhaus in Frankreich behandelt. Dies teilte Ralph Denk, Teamchef von Red Bull-Bora-hansgrohe, vor dem Start der 17. Etappe in Chambéry am Mannschaftsbus mit.
"Das Schlüsselbein ist gebrochen, und er wurde operativ gehandelt, gestern Nacht noch", sagte Denk: "Er ist aber noch im Krankenhaus und wird voraussichtlich auch noch die kommende Nacht dort verbringen. Es geht ihm gut, ich habe schon persönlich mit ihm sprechen können."
Die Sturzfolgen beim 25-Jährigen erforderten aber Nachsorge. "Neben dem Bruch hat er schon auch Hautabschürfungen, und da hatte er ein bisschen Angst gehabt hat, das zu säubern. Jeder, der das schon mal gehabt hat, weiß, dass es weh tut", sagte Denk: "Aber jetzt ist es behandelt, und wir können nach vorne schauen, dass er so schnell wie möglich wieder aufs Auto kommt."
Letzte Ausfahrt Lombardei?
Lipowitz sei "natürlich mega enttäuscht", berichtete Denk: "So eine Tour de France, das sind viele, viele Monate an strategischer Arbeit, aber auch an Entbehrungen, das ist natürlich mental schon hart. Aber wir haben auch schon wieder gescherzt, dass das halt auch dazu gehört. Er ist nicht der einzige große Rennfahrer, dem das jetzt passiert ist. Es wird weitergehen."
Zur weiteren Jahresplanung sagte Denk nichts Konkretes, stellte aber ein Comeback noch in diesem Jahr in Aussicht. "Bei solchen Verletzungen gehe ich normalerweise davon aus, dass man ihn dieses Jahr noch auf dem Rad und beim Rennen sehen wird. Aber wie und was - das ist viel zu früh zu sagen."
Klar ist: Angesichts von mindestens sechs Wochen Zwangspause kommt ein Start bei der Vuelta in Spanien (Start am 22. August) für Lipowitz zu früh. Auch die Weltmeisterschaft in Montreal (20. bis 27. September) ist fraglich. Danach hat der Radkalender kaum mehr etwas zu bieten - mit Ausnahme des Klassiker-Monuments Lombardei-Rundfahrt (10. Oktober).
Der Tour-Vorjahresdritte Lipowitz war während des Einzelzeitfahrens der 16. Etappe in Thonon-les-Bains kurz vor dem Ziel zu Fall gekommen und gegen den Bordstein geprallt. Das Rennen musste er danach aufgeben. Denk hatte noch am selben Abend von einem Fahrfehler Lipowitz' gesprochen, sein Schützling habe im Kampf um Sekunden zu viel riskiert.
Tags darauf ergänzte der Teamchef, dass auch auf dem Zeitfahrkurs nicht alles optimal gewesen sei. "Ob er diese Verletzungen davongetragen hätte, wenn die Strecke besser abgesichert wäre, das kann man diskutieren", sagte Denk. Die Teams hatten zuvor relativ wenig Trainingszeit auf der 26,1 Kilometer langen Strecke bekommen. Ein Umstand, den auch der Gesamtführende Tadej Pogacar kritisch anmerkte.

