Christian Pohler strahlt. Sein Schlag ist geglückt, sein Golfball im Loch und sein Team jubelt. Der 33-Jährige hat das Loch mit Par gespielt. Auf dem Weg zu den Nationalen Spielen der Special Olympics im Saarland (15. bis 20. Juni) ist dieser Erfolg ein Booster für Pohler. Denn der Düsseldorfer hat große Pläne. Gemeinsam mit seinem Unified-Partner Jan Posselt möchte sich der Mann mit Down-Syndrom für die Weltspiele in Chile 2027 qualifizieren.
Unified "ist eine besondere Form des Sports von Special Olympics, wo ein Athlet mit geistiger und/oder mehrfacher Behinderung mit einem Athleten ohne Behinderung zusammenspielt. Und das mache ich jetzt mit ihm zusammen seit drei Jahren", erklärt Posselt bei ntv/RTL. Er hatte 2019 mit dem Golfsport angefangen, lernte Pohler 2021 kennen, seit drei Jahren bilden die beiden "ein wirklich gutes Team", wie Pohler sagt.
Der Sport ist "sehr gut geeignet, Brücken zu schlagen", sagt Posselt. "Sobald man sich traut, bei Special Olympics teilzunehmen, springt der Funke sofort über." Gerade im Golfsport, wo man sich gegenseitig unterstützen kann, ist er sich sicher. Posselt arbeitet bei der Stadt Düsseldorf im Amt für Soziales und Jugend im Inklusionsbereich. 2023, als die Weltspiele in Berlin stattfanden, war er in ein Projekt eingebunden. Pohlers Mutter Birgitt ist seine Arbeitskollegin, stellte ihm ihren Sohn vor - und das neue Team hatte sich gefunden.
Chelsea Werner turnt mit Down-Syndrom zu Model-Job

Pohler und Posselt träumen gemeinsam von Chile
"Egal wo Christian auch auftaucht, weil er so ein herzlicher Mensch ist, kommt er überall gut an und findet überall super schnell Anschluss", so Posselt über seinen Partner. Dessen Einstellung ist die, die die Special Olympics prägt. "Bei uns gibt es keinen Gewinner, sondern Spaß bei der Sache."
Wobei das Unified-Duo aus Düsseldorf doch große Pläne hat: Die beiden wollen zusammen zu den Weltspielen nach Chile reisen. Diese finden im kommenden Oktober statt, wer dabei sein will, muss bei den Nationalen Spielen im Saarland vermutlich einen Podiumsplatz erreichen. Nur die Besten schaffen die Qualifikation.
"Wir wollen nach Chile zu den Weltspielen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir es dahin schaffen, weil ich noch nie in Chile war", sagt Pohler zu ntv/RTL. "Ich werde mich konzentrieren, will viel dafür trainieren, dass ich mit nach Chile kann." Einmal die Woche schwingt der 33-Jährige den Schläger und hat - mit ein bisschen Augen zudrücken beim Theorie-Teil, wie seine Mutter Birgitt sagt - auch die Platzreife geschafft.
"Er würde vermutlich allein zu Hause sitzen"
Der Golfsport hat Pohler laut seiner Mutter "unheimlich viel an Selbstbewusstsein gebracht". Er hat einfach Spaß und Freunde gefunden. Seine Leidenschaft für den Sport kommt auch durch die Begegnungen mit anderen Spielern, er genießt das Miteinander. Und ganz nebenbei ist der Sport auch ein Push für die ganze Familie gewesen: "Er hat mir gezeigt, dass ich ihm mehr zutrauen kann und vertrauen kann."
Schon früh wurde Pohler sportlich aktiv, trat bei den Special Olympics im Sommer auf Inline-Skates und im Winter auf dem Snowboard an. Was Pohler ohne den Sport machen würde? "Ich könnte es mir nicht vorstellen", so seine Mutter. "Er würde vermutlich allein zu Hause sitzen."
Special Olympics hat Pohler nicht nur zum Sport gebracht - er ist inzwischen auch Athletensprecher. "Ich bin sehr stolz", sagt er über sein Amt, bei dem er Interessierten den Sport näherbringt und die Besonderheiten von Special Olympics erklärt. "Ich freue mich immer, wenn Athleten und Athletinnen zusammen Sport machen." Für ihn ist völlig klar: "Es ist wichtig, Sport zu treiben. Und es ist wichtig, für die Athleten da zu sein."
So wie auch er und sein Unified-Partner füreinander da sind. Sie feuern sich gegenseitig an, sie spielen gemeinsam, geben sich Tipps. Auch wenn es nicht immer ganz reibungslos läuft: "Wir sind beide manchmal auch ein bisschen hitzköpfig unterwegs", so Posselt.
Wenn mal ein Schlag nicht gelingt, ist das kein Drama - eine Sichtweise, die er sich von Pohler abschauen kann. "Nach jeder Runde, egal wie schlecht wir auch mal gespielt haben, der Christian dreht sich immer sofort nach dem letzten Loch zu mir um und sagt 'Das war gut, das hat Spaß gemacht.' Und daran geht es, glaube ich." Es ist eine Lektion, die Special Olympics für Posselt zu bieten hat: "Ich musste mir erst aneignen, dass ich mich nicht so über Fehler ärgere." Und das ist doch nun wahrlich etwas, was man fürs Leben lernen kann.



