Die große Bühne blieb Michael Olise trotz seiner Zaubershow verwehrt. Im Rampenlicht zum WM-Auftakt stand Rekordmann Kylian Mbappé. Das kam dem medienscheuen Bayern-Star sicher gelegen. Doch mit seinen Gala-Leistungen in Serie kann sich Olise nicht mehr lange im Schatten der Superstars verstecken, muss er auch nicht: Nicht wenige halten ihn bereits jetzt für den Schlüsselspieler im Milliardenensemble der Franzosen.
"Wir hatten Michel Platini, wir hatten Zinédine Zidane, und ich glaube fest daran, dass wir jetzt Michael Olise haben. Ich denke, er ist ein zukünftiger Ballon-d'Or-Gewinner", schwärmte 1998er Weltmeister Patrick Vieira beim englischen TV-Sender ITV: "Er bringt alle Voraussetzungen mit, um auf der ganz großen Bühne zu glänzen." Das tat der 24-Jährige bereits beim 3:1 (0:0) zum Auftakt gegen den Senegal, nach einer Halbzeit Anlaufzeit war er gleich bei seinem WM-Debüt der Gamechanger.
FC Bayern überragt: Kane, Diaz und Olise erobern die WM

Die "L'Équipe" widmete Olise am Sonntag die Titelseite, mit der traditionsreichen Sporttageszeitung sprach er für seine Verhältnisse ausführlich über seine "Kunst", seine Entwicklung und seine Rolle im französischen Spiel. Die "10", die er nach der Pause gegen Senegal gab, biete ihm "mehr Freiheit", sagte Olise, die Position fühle sich für ihn "am natürlichsten" an.
Mbappé verspottet Journalisten
Olises Wechsel von der rechten Außenbahn in die Zentrale bezeichnete Trainer Didier Deschamps im Nachgang als "Schlüssel" zum Sieg. Zu beiden Toren von Mbappé, der damit Olivier Giroud als französischer Rekordtorjäger ablöste, lieferte er die Vorlage. "Er hat immer diesen Drang, nach vorne zu spielen und seine Mitspieler anzuspielen", lobte Mbappé: "Ich wusste, dass er mich jedes Mal sehen würde, wenn ich mich freilaufen würde."
Die Öffentlichkeit und die Fans in Frankreich sahen Olise dagegen wegen seiner zurückhaltenden Art lange skeptisch. "Michael ist introvertiert. Er ist wortkarg. Aber seine Füße sprechen für ihn. Nehmt ihn so, wie er ist. Er wird sich nie ändern", sagte Mbappé mit Nachdruck. Mittlerweile könne man sich mit dem in London aufgewachsenen Straßenfußballer aber gut auf Französisch unterhalten. "Ihr, die Medien, werdet nie wissen, ob sich sein Französisch verbessert, weil er wohl nicht viel mit euch redet", scherzte der Kapitän.
Olise, ergänzte Mbappé, möge das "nicht, so ist er eben". Diese Zurückhaltung werden ihm wohl alle Franzosen verzeihen, wenn er auf dem Rasen weiter so brilliert - etwa am Montag (23 Uhr/ARD, MagentaTV und ntv.de-Liveticker) gegen den Irak. "Mr. Nonchalant" sei "einer der besten Spieler der Welt, aber die Aufmerksamkeit der Medien ist nicht sein Ding. Was ihm wichtig ist, ist der Platz, dort möchte er sein Leben verbringen", erklärte Deschamps: "Je öfter er den Ball bekommt, desto besser ist er."
Die Spielweise von Olise sei "ein wahrgewordener Traum", schwärmte Stürmer-Ikone Thierry Henry, Olises Trainer bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris: "Er spielt das Spiel nicht einfach nur, er denkt das Spiel." Und das eben am liebsten ohne das große Rampenlicht.

