Spiel vorbei, und sofort wieder raus aus den USA: Die Nationalmannschaft des Iran hat nach dem 2:2 (1:1) gegen Neuseeland in Los Angeles noch am selben Abend wieder die Rückreise ins Trainingscamp im mexikanischen Tijuana antreten müssen. Dabei sei, wie Mannschaftskapitän Mehdi Taremi nach dem Spiel erbost berichtete, für Dienstagvormittag zunächst noch ein Regenerationstraining vorgesehen gewesen, "und erst dann sollten wir nach Tijuana aufbrechen".
Stattdessen wurden die Iraner zur sofortigen Abreise aufgefordert. "Das ist nicht für uns und den Fußball", ereiferte sich Taremi. Ohnehin seien die Gesamtumstände ein "Desaster", ergänzte er: "Wir haben unser Medienteam nicht, wir haben unseren Verbandspräsidenten nicht, auch Teile vom Staff, die so wichtig sind für uns." Bei einer WM aber müsse man sich gut auf das nächste Spiel vorbereiten können.
Irans Fußballer trotzen mit Kopfballtor allen Widrigkeiten

Taremi sieht auch die FIFA in der Pflicht
Taremi beklagte die fehlende Unterstützung seiner Mannschaft, auch von Seiten des Weltverbandes. "Die FIFA könnte uns mehr helfen", sagte der Stürmer vom Olympiakos Piräus. Zugleich berichtete er, dass FIFA-Präsident Gianni Infantino in der Kabine der Iraner gewesen sei, diesem aber wohl auch die Hände gebunden seien. "Natürlich will er uns helfen. Aber es geht auch um andere Dinge", sagte Taremi.
Auf dem Rasen holte der Kapitän mit seiner Mannschft den ersten Punkt bei der WM. Elijah Just (7., 55.) brachte Neuseeland zweimal in Führung, doch Ramin Rezaeian (32.) und Mohammad Mohebi (65.) sicherten den Iranern, die im gigantischen SoFi Stadium von zehntausenden Fans unterstützt wurden, ein Remis. Im kalifornischen Süden lebt die größte iranische Gemeinde außerhalb des Iran.
Trotz des Verbots durch die FIFA waren auch zahlreiche historische Flaggen mit Löwen- und Sonnenmotiv, bis zur Islamischen Revolution 1979 die offizielle Flagge des Landes, zu sehen. Bei der Hymne gab es Pfiffe von Exil-Iranern, nachdem es schon vor der Partie Proteste gegen das Regime in Teheran gegeben hatte. Im Vorfeld hatte die iranische Delegation angekündigt, das Feld zu verlassen, sollten im Stadion die historischen Flaggen zu sehen sein. Doch dazu kam es nicht.



