"Vielleicht weiß er nicht, ..."

Englands Held Bellingham watscht Tuchel mit verächtlichem Spruch ab

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In Jude Bellinghams Gesichtsausdruck lässt sich die Frage "Was wollen Sie eigentlich?" ablesen. (Foto: IMAGO/VCG)
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12.07.2026 | 12:16 Uhr
England schlägt Norwegen und steht im WM-Halbfinale. Heile Welt bei den Three Lions? Von wegen! Trainer Tuchel ist unzufrieden, Doppelpacker Bellingham reagiert gereizt auf eine Reporterfrage - und äußert sich verächtlich über den deutschen Trainer.

Thomas Tuchel gilt als Perfektionist, als akribischer Fußball-Nerd, der von seinen Spielern viel verlangt. So überraschte es nicht, dass der Trainer der englischen Nationalmannschaft trotz des Einzugs ins WM-Halbfinale durch ein hart erkämpftes 2:1 über Norwegen kritisch mit seinem Team ins Gericht ging.

„Wir haben uns das Leben heute sehr, sehr schwer gemacht. Das Ergebnis ist fantastisch. Wir sind im Halbfinale, das ist herausragend. Aber ich bin nicht glücklich mit der Leistung", monierte der Deutsche im Dienste Englands: "Das Commitment ist da. Aber wir haben uns das Leben sehr schwer gemacht mit der Art und Weise, wie wir gespielt haben: Schlampig, mit vielen technischen Fehlern, nicht schnell genug, nicht repetitiv genug. Wir hatten heute Glück."

Tuchel reagiert plötzlich total wütend auf Reporterfrage

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Wie gereizt Tuchel trotz des Erfolgs war, zeigte sich, als der Reporter die immerwährende Frage des "Woran hat es gelegen?" mit dem Stichwort "Mentalität" verknüpfte. "Es geht nicht um Mentalität! Es ist kein Mentalitätsproblem! Das ist pure Mentalität! Das kannst du in Flaschen abfüllen und verkaufen! Warum soll es an der Mentalität liegen?", bellte der 52-Jährige ins Mikrofon: "Es liegt an der Qualität unseres Spiels. Das hat mit Mentalität nichts zu tun!"

Stört Tuchel die englische Team-Harmonie?

Mentalität top, Qualität ausbaufähig, so also lautet das Tuchelsche Fazit. Darauf angesprochen reagierte wiederum Viertelfinal-Held Jude Bellingham im Interview in der Mixed Zone äußerst gereizt. Ob die kritischen Aussagen Tuchels die Standards widerspiegelten, die Trainer und Mannschaft erwarten, fragte ein Journalist arglos. Die genervte Replik des Doppelpackers: "Vielleicht oder vielleicht weiß er (Tuchel, Anm.d.Red.) auch nicht, was es heißt, bei solchen Bedingungen gegen Erling Haaland, (Martin) Ødegaard, (Antonio) Nusa, (Alexander) Sorloth, all die anderen, zu spielen. Das ist kein einfacher Gegner", blaffte der Star von Real Madrid ins Mikro.

Ein Seitenhieb gegen den Trainer. Als Spieler hatte es Tuchel nur bis in die 2. Bundesliga geschafft, wo er für die Stuttgarter Kickers acht Spiele absolvierte. Später spielte er für den SSV Ulm unter seinem Lehrmeister Ralf Rangnick in der Regionalliga. Im Jahr des Ulmer Aufstiegs in die 2. Liga 1998 musste er seine aktive Karriere wegen eines Knorpelschadens beenden. Bei subtropischen Verhältnissen wie Bellingham, Kane und Co. in Miami (rund 35 Grad Celsius, 70 Prozent Luftfeuchtigkeit) dürfte Tuchel im und ums Schwabenländle tatsächlich nicht gespielt haben.

Englands Bellingham widerspricht Thomas Tuchel

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Tuchel: Keine Kluft zwischen mir und Spielern

Bellingham beließ es nicht bei der verächtlichen Retourkutsche, sondern ermahnte Tuchel auch noch, den Teamfrieden nicht zu gefährden. "Wir haben eine positive Atmosphäre geschaffen, das sollten wir für die Runde der letzten Vier beibehalten", sagte der 23-jährige Mittelfeldmann. Seine Teamkollegen könne er nicht hoch genug loben. "Man wird nicht jedes Spiel gewinnen, indem man den Ball vorschlägt und 1000 Pässe spielt. Manchmal muss man dreckig gewinnen und das haben wir heute erneut getan."

Tuchel lobte seine Spieler später auf der Pressekonferenz dann ebenfalls. "Ich bin beeindruckt von der Leistung, die sie abgeliefert haben, und davon, wie sie die Widrigkeiten überwunden haben", sagte er. "Dafür kann man sie gar nicht genug loben. Aber ich bin auch Fußballtrainer, und wir können besser spielen. Wir haben einen Weg gefunden, ins Halbfinale zu kommen, und das ist natürlich das Wichtigste. Der analytische Teil in mir denkt trotzdem, dass wir uns spielerisch steigern müssen."

Es gebe keine Kluft zwischen ihm und den Spielern, betonte Tuchel: "Nicht ein Prozent. Ich bin mit ganzem Herzen dabei und liebe meine Spieler." Kapitän Harry Kane verwies auf die Kabinenansprache des Trainers und nahm dessen Kritik positiv. "Er hat in der Kabine einfach gesagt: Herzlichen Glückwunsch an alle, wir sollen es genießen und feiern. Aber es fühlt sich trotzdem so an, als wüsste ein Teil von ihm, dass wir noch besser sein können - was in gewisser Weise auch gut ist.", sagte der Torjäger: "Wenn wir im Halbfinale einer Weltmeisterschaft stehen und wissen, dass wir uns noch steigern und ein weiteres Level erreichen können, dann müssen wir das als etwas Positives sehen."

Verwendete Quellen: ntv.de, mar