Drohne in FIFA-Luftraum

ICE nimmt erstmals Mann bei WM-Spiel fest

David BeduerftigVon David Bedürftig, New York
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Maskierte ICE-Agenten sind dieser Tage häufig in den USA unterwegs. (Foto: REUTERS)
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17.07.2026 | 22:33 Uhr
Vor der WM gibt es große Bedenken wegen möglicher ICE-Einsätze bei Spielen, Fanfesten und rund um die Stadien. Dann aber bleibt es dort ruhig trotz einer beispiellosen Welle von Razzien in den USA. Nun gibt es die erste WM-Festnahme von ICE-Agenten.

Die US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) hält sich anders als zuvor angenommen größtenteils von Stadien und Fanfesten der Fußball-WM in den USA fern, führt während des Turniers aber landesweit eine beispiellose Welle von Razzien durch. Nun bestätigt das US-Heimatschutzministerium (DHS), dem die ICE-Behörde unterstellt ist, eine erste Festnahme im Rahmen der Weltmeisterschaft.

Laut einer DHS-Stellungsname hat ICE am 6. Juli "einen illegalen Einwanderer festgenommen, der dabei erwischt wurde, wie er in der Nähe einer FIFA-Veranstaltung in Kansas City, Missouri, eine Drohne in einem gesperrten Luftraum flog". Bei dem Verhafteten handelt es sich demnach um Jose Gerardo Garrido-Benitez aus Mexiko, der sich seitdem im ICE-Gewahrsam befindet.

Garrido-Benitez soll bereits am 3. Juli eine Drohne etwa vier Kilometer vom Arrowhead Stadium entfernt geflogen haben. An jenem Abend fand in Kansas City das Spiel der Runde der letzten 32 der Weltmeisterschaft zwischen Kolumbien und Ghana statt. Die Drohne wurde von Bundesbeamten beschlagnahmt, da sie im gesperrten FIFA-Luftraum flog und drei Tage später nahmen ICE-Beamte den Mann nach einer Benachrichtigung von Bundesbeamten fest. Laut DHS war Garrido-Benitez 2003 illegal in die Vereinigten Staaten eingereist und schon einmal abgeschoben worden. Anschließend soll er zu einem unbekannten Zeitpunkt in die USA zurückgekehrt sein.

10.000 Menschen in fünf Tagen verhaftet

"Dieser kriminelle illegale Einwanderer hat in der Nähe einer FIFA-Veranstaltung in Kansas City, Missouri, auf gefährliche Weise eine Drohne in einem gesperrten Luftraum geflogen", sagte eine DHS-Sprecherin. "Zu seinem umfangreichen Vorstrafenregister gehören Trunkenheit am Steuer, Urkundenfälschung, Körperverletzung und Drogenbesitz. Die Trump-Regierung wird nicht zulassen, dass illegale Einwanderer die Sicherheit der amerikanischen Bevölkerung gefährden. Wir werden auch weiterhin die Sicherheit aller Besucher dieser historischen Spiele gewährleisten, während die Weltmeisterschaft zu Ende geht."

Vor der WM hatte es offizielle Ankündigungen von und große Bedenken von Menschenrechtsorganisationen um mögliche ICE-Einsätze bei Spielen, Fanfesten und rund um die Stadien gegeben. Dann war es dort aber bis jetzt ruhig geblieben. ICE-Einsatzkräfte waren rund um die WM zwar im Einsatz, aber sie gehörten meist zum Bereich "Homeland Security Investigations", der etwa zu Menschenhandel und Material über sexuellen Kindesmissbrauch ermittelt, und nicht zu seinem auf Abschiebungen ausgerichteten Pendant.

Dennoch führte ICE parallel zur WM landesweit eine beispiellose Welle von Razzien durch, bei denen innerhalb von nur fünf Tagen bis zu 10.000 Menschen festgenommen wurden, auch in WM-Städten. Die Festnahmen gipfelten in tödlichen Schüssen von ICE-Beamten auf Einwanderer, die beide nicht das eigentliche Ziel der Razzien waren. Im Fall des Mexikaners Lorenzo Salgado Araujo geschah die tödliche ICE-Aktion in der WM-Stadt Houston und nur 13 Autominuten vom offiziellen FIFA-Fanfest entfernt. 

"US-Regierung nimmt Tote in Kauf"

"Die Verantwortung für die Todesfälle liegt in erster Linie bei der US-Regierung, die für die Umsetzung ihrer menschenfeindlichen, rassistischen Migrationspolitik Gewalt und Tote billigend in Kauf nimmt", ordnete Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International, bei ntv.de ein. "Trotzdem muss festgehalten werden, dass die FIFA ihrer klaren menschenrechtlichen Verantwortung, auf die Einhaltung der Menschenrechte im Gastgeberland einzuwirken, nicht nachgekommen ist. Eine Weltmeisterschaft in einem Land auszutragen, in dem Hass und Rassismus so konsequent in eine missbräuchliche Migrationspolitik umgesetzt werden, steht der Idee einer WM als Ort der Begegnung und Verbundenheit diametral entgegen."

Andrea Florence, Geschäftsführerin der Sport & Rights Alliance, sagte vor einer Woche zu ntv.de: "In den letzten Wochen der Weltmeisterschaft haben wir beobachtet, wie die US-Einwanderungsbehörden ihre täglichen Festnahmen verdoppelt haben, doch da diese Festnahmen größtenteils abseits der WM-Stadien stattfanden, können die Trump-Regierung und die FIFA so tun, als sei alles in Ordnung." Das hat sich nun mit der Festnahme beim Spiel in Kansas City geändert.

Verwendete Quelle: ntv.de