Tolle Geste, Lässig-Elfer

"König" Salah platzt vor Stolz und weint vor Freude

imageVon Emmanuel Schneider
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Mo Salah überkommen die Emotionen. (Foto: IMAGN IMAGES via Reuters)
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04.07.2026 | 07:00 Uhr
Mohamed Salah kämpft bei dieser WM gegen Verletzungsprobleme. Im Sechzehntelfinale steht Ägyptens Kapitän 120 Minuten auf dem Platz und löffelt einen Elfmeter eiskalt rein. Danach wird es emotional.

Es laufen die letzten Sekunden im Elfmeterschießen zwischen Ägypten und Australien. Hossam Abdel-Maguid verwandelt. Und Mo Salah zeigt Größe. Bevor er den Party-Befehl erteilt, dreht er links ab zu den in Gelb gekleideten Gegnern und gibt ihnen einzeln die Hand. Eine Geste des Fairplays von einem großen Spieler seines Fachs. Erst dann startet er die eigene Achtelfinal-Party. Denn da gibt es einiges zu feiern.

Durch das 4:2 im Elfmeterschießen stehen die Pharaonen um ihren "König" Mo Salah zum ersten Mal seit 1934 wieder in einem Achtelfinale einer Weltmeisterschaft. Der Erfolg gegen Australien war zudem der erste Sieg in einem WM-K.o.-Spiel überhaupt.

Super-Salah trifft, legt auf und schreibt Geschichte

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Salah hat schon viele Tore geschossen, viel erlebt in seiner Fußballkarriere. Aber ein Achtelfinale der WM zu erreichen, ist dann doch nochmal ein anderes Level. Mit Tränen in den Augen gab der 34-Jährige nach dem Spiel Interviews, versuchte die Größe, die Magie des Moments zu umreißen. "Es ist historisch. Es ist das Größte, was ich je erlebt habe."

Salah musste es einfach tun

"Mein Gefühl heute ist unbeschreiblich", ergänzte Salah. Er habe das Gefühl, "dass jemand eine wunderschöne Geschichte für das ägyptische Volk schreibt". Der Kapitän hatte einen großen Anteil an dem Coup, auch wenn er im Spiel selbst nicht der Unterschiedsspieler war. Im nervenzerreißenden Duell übernahm er Verantwortung. Als dritter Spieler schnappte er sich die Kugel - und chippte sie lässig in die Mitte am Keeper vorbei.

"Wenn es jemand in einem Spiel machen würde, dann ich", sagte er lakonisch zu seinem lässigen Panenka. Denn er habe mehr Erfahrung als die anderen und "ich wollte ihnen Selbstvertrauen schenken", erklärte Salah hinterher. Er habe sich in letzter Sekunde dazu entschieden. Ganz einfach: "Ich musste es tun."

Stürmerstar Salah trifft mit frechem Panenka-Elfmeter

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Welt- und Europameister Thierry Henry war begeistert: "Als ich sah, wie Mohamed Salah an den Elfmeter trat, dachte ich: 'Das kann doch nicht wahr sein.' Und dann schoss er einen Panenka. In diesem Moment schießt man nicht einfach nur einen Elfmeter, sondern setzt ein Zeichen", erklärte der Franzose, der für die WM als TV-Experte arbeitet. Die Sache bei einem Panenka ist so: "Wenn er reingeht, feiern dich die Leute. Wenn nicht, nennen sie dich arrogant, respektlos und unverantwortlich. So ist Fußball."

Verletzungssorgen plagen Salah

Der Ball ging aber rein und Salah wurde gefeiert. Dass er überhaupt spielte, war keine Selbstverständlichkeit. Bei der Vorrundenpartie gegen Iran war Salah mit einer Oberschenkelzerrung ausgewechselt worden. Sein Einsatz ist ein zum großen Thema geworden. Gegen Australien ackerte er trotzdem über 120 Minuten. "Ich habe versucht, mein Bestes zu geben und zu spielen, obwohl ich Schmerzen hatte", gab er zu.

Dieser Sommer könnte den Stürmer für eine nicht so schöne Abschiedssaison in England entschädigen. Salah wurde beim FC Liverpool unter Jürgen Klopp zur Stürmer-Ikone, feierte Meisterschaft und Champions-League-Titel. 442 Spiele, 257 Tore und 123 Assists, das ist eine Hausnummer. Die letzte Saison bei den Reds verlief aber ziemlich glücklos, ein Streit mit dem inzwischen gefeuerten Trainer Arne Slot überlagerte das Geschehen. Seit März steht fest, dass er das Team verlässt. Aktuell ist Salah vereinslos – Teams in Saudi-Arabien und Fenerbahce sind interessiert.

Sie werden sich gedulden müssen, denn die ägyptische WM-Reise geht noch weiter. Weit nach Abpfiff wurden Salah und das Team im Hotel in Dallas empfangen. Die frischgebackenen Achtelfinal-Erreicher hatten noch nicht genug, feierten auf der Straße weiter. Salah saß auf den Schultern eines Teamkollegen und ließ es zu arabischen Klängen gutgehen.

Einfach den Moment genießen

Er sei "immer stolz, dieses Trikot zu tragen. Nichts macht mich stolzer als das. Und die Jungs glücklich zu sehen - nichts kommt dem gleich", sagte Salah. Sein Motto: "Ich versuche einfach, jeden Moment zu genießen, weil er nicht wiederkommen wird. Das werden wir heute in vollen Zügen tun und wahrscheinlich auch morgen noch. Und danach müssen wir uns einfach wieder auf das nächste Spiel konzentrieren."

Bei dieser WM sind die Nordafrikaner noch ungeschlagen, nun warten im Achtelfinale Titelverteidiger Argentinien und Lionel Messi, die sich gegen Kap Verde weiterkrampften. Es wird ein Duell der beiden Superstars, die ihre Nationalmannschaften seit Jahren auf ihren Rücken tragen. Es wird historisch. Der Verlierer wird wohl sein letztes WM-Spiel bestritten haben. Am Dienstag wartet in Atlanta ein großes Spiel. Über 90 Minuten, vielleicht 120 Minuten. Salah wird sich wieder schinden. Nach der Partie wurde sein hinterer Oberschenkel behandelt. Doch daran wollte das ägyptische Team erstmal keine Gedanken verschwenden.

"Das ist etwas für die Geschichtsbücher. Das ist für Afrika, für die arabischen Länder. Wir haben alle repräsentiert", sagte Ägyptens Trainer Hossam Hassan zu dem Erfolg in Nordamerika. "Wir haben so eine große Geschichte. Wir sind die Pharaonen, wir sind Araber, wir sind Afrikaner. Das haben wir heute repräsentiert."

Verwendete Quelle: ntv.de